Cave Story im Test - Test für WiiWare

Bock auf Nostalgie? Cave Story ist das beste »neue« Retro-Spieleerlebnis im Wii-Shop-Kanal.

von Patrick Mittler,
15.12.2010 17:00 Uhr

Welche Ironie: ein PC-Game von vor SECHS Jahren ist wahrscheinlich der beste Wiiware-Titel des Jahres 2010. Aber keine Sorge, das heißt nicht, dass es das Remake eines Freeware-Spiels braucht, um ein gutes Game in den Wii-Shop-Kanal zu bringen, sondern einfach nur, dass Cave Story schon immer genial war und es heute als Wiiware-Port noch besser geworden ist. Cave Story ist wie ein Geschenk an Zocker, die schon jahre- oder jahrzehntelang Freude an ihrem Hobby haben. Es greift Spielspaß-Tugenden auf, die seit der Konsolen-Steinzeit funktionieren und begeistern. Nicht umsonst ist der Grafikstil eine Hommage an alte NES-Titel: Rudimentär, bunt, aber in ihrer Einfachheit doch charmant. Das Gleiche gilt für die feinen Retro-Sounds. Cave Story zeigt, dass es auch vor Surround Sound tolle Musikuntermalung gab, man musste nur das Beste aus den beschränkten Möglichkeiten machen.

Vielleicht haben einige von euch schon das grandiose Super Metroid gezockt. Cave Storys Spielfluss setzt ebenso wie der SNES-Klassiker auf Laufen, Springen, Ballern und vor allem: Erkunden. Zu Spielbeginn wacht ihr als ahnungs- und erinnerungsloser Kerl in einer Höhle auf und macht euch daran, die Unterwelt zu erkunden. Bald findet ihr eine erste Waffe, ihr ballert euch aus der Starthöhle und findet euch in der unterirdischen Stadt der Mimiga wieder. Diese sprechenden hasenähnlichen Wesen bevölkern die fremde Welt und ehe ihr euch verseht, entfaltet sich eine mysteriöse Geschichte mit Hexen, verrückten Doktoren und Drachen. Und auch ihr selbst spielt natürlich eine geheimnisvolle und doch zentrale Rolle in der Geschichte der Mimiga. Ein großes Plus sind die toll designten Pixelcharaktere. Jede Figur versprüht trotz der spartanischen Grafik einen eigenen Charme. In der Wiiware-Version stehen im Optionsmenü auch eine aufgebohrte Optik mit etwas feineren Elementen und eine neue Tonspur zur Auswahl, wer will kann aber natürlich auch die originale Fassung zocken.

Die eigentliche Action in Cave Story erinnert wie gesagt an die 2D-Metroids oder Mega Man-Spiele. Als Held ballert ihr euch mit einem ständig wachsenden Arsenal durch eigentlich knuffig aussehende Gegner. Besiegte Feinde lassen funkelnde Kristalle fallen, mit denen ihr eure Knarren über drei Levels verbessert. Beim Standard-Ballermann wird der Energieschuss größer, der Raketenwerfer spuckt so immer mehr Projektile und das MG bekommt einen so starken Schuss, dass ihr damit sogar durch die Luft schweben könnt. Aber Vorsicht: Werdet ihr getroffen, sinkt nicht nur eure Lebensenergie, sondern auch der Level eurer Waffen. Besonders bei den vielen Bossgegnern am Ende der Abschnitte kann das schon kritisch werden, denn Cave Story ist zwar immer fair, aber auch ebenso fordernd. Besonders in den letzten Abschnitten müsst ihr punktgenau springen, während jede Menge Gegner auf euch einstürmen. Dabei hilft euch die präzise und eingängige Steuerung.

Einen ganz besonderen Reiz machen die Geheimnisse der Welt von Cave Story aus. Beim ersten Durchspielen werden euch viele Kleinigkeiten und Entscheidungen auffallen, die ihr vielleicht anders hättet lösen können. Wer das Spiel einmal geschafft hat, kommt so sicherlich nicht um einen neuen Anlauf herum. Versucht beim zweiten Durchgang etwa, Waffen nicht einzutauschen, Nebenaufgaben zu lösen, einigen Schauplätzen noch einen Besuch abzustatten oder vielleicht sogar, eigentlich essentielle Ausrüstung, wie das Jetpack, mit dem Sprünge viel einfacher werden, nicht anzunehmen. Je nach dem, wie ihr vorgeht, entdeckt ihr immer neue versteckte Secrets wie neue Waffen, wirklich harte Bonusherausforderungen, neue Handlungsstränge oder gar alternative Enden. Der Titel fordert Spieler immer wieder dazu auf, neue Dinge zu entdecken und das mit einfachsten Mitteln (Grafik, Sound und Steuerung). So kann man Cave Story auch als Lehrstück für Spieleprogrammierer sehen. Oder dank der vielen Secrets als ausufernde Entdeckungsreise. Oder als knackige Herausforderung für Profis (Online existieren schon ausufernde Guides, zum Beispiel wie man das Spiel knackt, ohne je seine Lebensenergie mit Herzcontainern zu verbessern). Oder auch einfach ein perfektes Retro-Erlebnis genießen.

Cave Story

Preis:

ca. 10 Euro (1000 Punkte)

Spieler:

einer

HD optimiert:

nein

Speicherplatz:

237 Blöcke

Entwickler:

Studio Pixel

Hersteller:

Nicalis

USK:

ab 6 Jahren

Wertung:

* * * * *


Kommentare(3)

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