Crazy Taxi im Test - Test für XBLA

Der Dreamcast-Klassiker braust nun auch auf die aktuellen Konsolen. Wie »crrrrrazy« kann so eine Taxifahrt heute noch sein?

von Patrick Mittler,
25.11.2010 18:00 Uhr

»Hey hey, come on over and have some fun with Crrrrrazy Taxi!« Besitzer einer Dreamcast erinnern sich noch gut an den eingängigen Slogan der Arcade-Raserei Crazy Taxi. Zwar war und ist das Ding simpel gestrickt wie nur was, doch hat das einfache Spielprinzip einfach jede Menge Spaß gemacht. Mit einem Affenzahn braust man am Steuer eines Taxis durch die Innenstadt, dreht (irr-)witzige, nicht gerade Daumen-freundliche Manöver und aus den Boxen ballert das charakteristische »Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah« der Punkrock-Band The Offspring. Zehn Jahre nach der Veröffentlichung auf Segas Dreamcast rasen die durchgeknallten Taxifahrer in die Downloadauswahl für Xbox 360 und PlayStation 3. Leider ist Crazy Taxi nicht mehr ganz die Spaßgranate von früher, auch weil eine gehörige Portion an Nostalgie verloren gegangen ist.

Das Grundgerüst ist auch bei der Neuauflage intakt: Am Steuer eines Taxis transportiert ihr möglichst viele und zahlungskräftige Passagiere durch die virtuelle Stadt. Wichtigstes Handwerkszeug ist dabei die Gangschaltung zwischen Vor- und Rückwärts. Durch geschicktes Schalten driftet ihr um Kurven oder legt einen flotten Kickstart hin. Mit dem launigen Fahrgefühl ist auch der eigentliche Spielinhalt erhalten geblieben. Das schnelle Abliefern der Kundschaft ist ebenso wichtig, wie das Erkunden der frei befahrbaren Stadt. Wo gibt es die besten Abkürzungen? Wo warten die zahlungskräftigsten Passagiere? Und wo kann man die lustigsten Stunts reißen? Auch die netten Crazy Box Challenges, eine Sammlung von Minispielen für geübte Fahrer, sind wieder mit dabei. Nur: Irgendwo auf dem Weg von der Dreamcast auf die aktuelle Konsolengeneration ging das Flair verloren.

Das Problem aller frühen 3D-Spiele: Beim Release sind sie unglaublich hübsch, nach einer Weile haben die Originale noch einen gewissen klobigen Retro-Charme aber spätestens als Neuauflage sind sie einfach nur mehr ziemlich unansehnlich. Trotz HD-Politur ist auch Crazy Taxi keine Schönheit. Ein Teil der Atmosphäre von Crazy Taxi machte zudem der Spagat zwischen den abgefahrenen Taxitouren und dem doch realistischen Anstrich der Stadt aus. Werbung in Spielen ist umstritten, dennoch fehlen im Remake die Anspielungen auf die reale Welt. Früher kutschierte man noch Passagiere zu Fresslokalen wie Kentucky Fried Chicken, die hat Sega aber komplett gestrichen. Es ist irgendwie nicht dasselbe, wenn man nun zu No-Name-Destinationen fährt.

Noch schwerer wiegt aber der Verzicht auf den kultigen Soundtrack des Originals. Man mag zu Bands wie The Offspring und Bad Religion stehen wie man will, die einfachen, geradlinigen aber doch treibend-spaßigen Nummern fehlen schmerzlich und wurden durch beliebig wirkende neue Lieder ersetzt. Wer also unbedingt wieder mal eine Dosis Crazy Taxi braucht und noch eine Dreamcast mit der Disk rumliegen hat, ist damit sicher besser bedient. Mit Online-Leaderboards, Trophies und Achievements gibt es für alte Hasen nicht viel Neues.

Crazy Taxi

Preis:

ca. 10 Euro (1200 Punkte, XBLA), 9,99 Euro (PSN), 7,99 (PlayStation Plus)

Spieler:

einer

HD optimiert:

ja

Speicherplatz:

133,4 MB

Entwickler:

Sega

Hersteller:

Sega

USK:

ab 12 Jahren

Wertung:

* * *


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