Kaum ein Gesicht hat den "Bishonen" – also den androgyn-schönen jungen Mann, der bis heute Anime und Manga prägt – so nachhaltig geformt wie das von Björn Andrésen. Aber dieser Ruhm und Einfluss blieb dem Schweden Zeit seines Lebens unangenehm.
Andrésen war gerade einmal 15 Jahre alt, als ihn Regisseur Luchino Visconti 1971 für "Tod in Venedig" als Tadzio besetzte – und ihn öffentlich zum "schönsten Jungen der Welt" erklärte. Dieser Satz sollte Andrésen sein restliches Leben begleiten, wie der TikTok-Account von Arte erklärt.
Vom Filmset zur Manga-Vorlage
Nach dem Filmstart von "Tod in Venedig" reiste Andrésen demnach mehrfach nach Japan, trat dort in Werbespots auf und nahm sogar zwei Popsongs auf. Genau in dieser Zeit wurde die Mangaka Keiko Takemiya auf ihn aufmerksam – Mitglied der einflussreichen "Gruppe der 24er", einer Riege weiblicher Zeichnerinnen, die das Shojo-Genre der Siebzigerjahre maßgeblich prägte.
Takemiya entwickelte gemeinsam mit ihrer Beraterin Norie Masuyama die Figur des Gilbert Cocteau für ihr Werk "Kaze to Ki no Uta" ("Das Lied von Bäumen und Wind") – und orientierte sich dabei sichtbar an Andrésens Aussehen. Die Serie um Gilbert und Serge gilt bis heute als Meilenstein des Shonen-Ai-Genres und als früher Referenzpunkt für den Bishonen-Look.
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Ruhm als Belastung
Was für die japanische Manga-Szene zur prägenden Inspiration wurde, empfand Andrésen selbst als Zumutung. In der Dokumentation "The Most Beautiful Boy in the World" von 2021 beschreibt er, wie ihn Visconti gezielt für seine Jugend und sein Aussehen vermarktet habe – eine Erfahrung, die er rückblickend als ausbeuterisch einordnet.
Andrésen habe demnach den Großteil seines Erwachsenenlebens damit verbracht, dem Bild des ewigen schönen Jungen zu entkommen. Öffentliche Aufmerksamkeit und ungewollte Annäherungen prägten laut der Dokumentation seine Jugend, lange bevor er dessen Tragweite selbst einordnen konnte.
Björn Andrésen starb am 25. Oktober 2025 im Alter von 70 Jahren. Der Bishonen-Archetyp, den sein Gesicht mitbegründete, lebt in Anime und Manga bis heute fort: von Shojo-Klassikern der Siebziger bis zu aktuellen Figuren, die noch immer mit ähnlich androgyner Ästhetik arbeiten – wie etwa Griffith in "Berserk" oder Johan Liebert aus "Monster".
Welche Anime- oder Manga-Figur erinnert euch beim Blick auf Björn Andrésen am stärksten an sein Gesicht?
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