Nach 25 Jahren am PC habe ich mich endgültig vom letzten Zubehörkabel verabschiedet - dank eines genialen Bluetooth-Tools

Chris hat seinem Bluetooth-Kopfhörer ein gewaltiges Sound-Upgrade verpasst und ist der Meinung: Ihr solltet das auch!

Bluetooth Audio war am Windows 11-PC und -Laptop für mich lange ein Graus. Bluetooth Audio war am Windows 11-PC und -Laptop für mich lange ein Graus.

Nach und nach habe ich mich von Kabeln am PC verabschiedet, obwohl mir schon immer eine möglichst stör- und latenzfreie Übertragung wichtig war. Mäuse reagieren heutzutage blitzschnell über USB-Dongle, genau wie Tastaturen und Controller. Nur bei einem Gerät habe ich bisher nicht auf eine Strippe verzichten wollen: meinen Kopfhörern.

Die hätte ich zwar schon immer via Bluetooth mit meinem PC und auch meinem Laptop verbinden können, allerdings nervten mich Audio-Aussetzer und eine geringere Sound-Qualität. Auf der Suche nach Lösungen habe ich dann aber ein cleveres Bluetooth-Tool entdeckt, das dem Wireless-Standard ein gewaltiges Upgrade verpasst.

Chris Werian
Chris Werian

Egal wann ihr diesen Artikel lest, Chris hört wahrscheinlich gerade Musik. Wenn er denn nicht zockt. Oder schläft. Ansonsten hat er aber fast den gesamten Tag über seine Kopfhörer auf und stöbert nach neuer Musik. Entsprechend gut soll die dann auch klingen, weshalb er seit Jahren per Klinke an einem Mischpult oder am Laptop hing. Künftig ist das aber wohl nur noch selten der Fall, da er jetzt auch kabellosen Hi-Fi-Sound über Bluetooth genießen kann.

Ich brauchte eine Alternative zum Kabel

Ich nutze tagtäglich über zig Stunden hinweg den angenehm leichten WH-1000XM4-Kopfhörer von Sony, da ich nicht mehr auf Noise Canceling verzichten mag, den Tragekomfort spitze finde und er innerhalb einer Sekunde am PC oder Laptop angeschlossen ist: Klinkenkabel rein und los geht's. Komplett ohne Verzögerung und in bester Audioqualität.

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Alles perfekt also? Nö. Aber mal so gar nicht! Da ich ein Gedächtnis auf dem Niveau eines Goldfischs habe, vergesse ich ständig, dass ich nicht mit dem Hörer draußen auf der Straße unterwegs bin, sondern an einem Kabel hänge. Dementsprechend häufig habe ich auch schon meinen Laptop oder meine Tastatur vom Tisch gerissen.

Da ich ungern auf ein schweres Headset umsteigen wollte, war Bluetooth die einzige Alternative. Dabei gab es jedoch ein Problem: Das eingebaute Bluetooth meines PC-Mainboards ist in etwa so zuverlässig wie der Fahrplan der deutschen Bahn. Und auch mit einem günstigen Bluetooth-USB-Adapter wurde es nicht wirklich besser.

Die Verbindung wollte einfach nicht stabil bleiben und wenn sie denn mal hielt, war der Klang ziemlich mies. Der Fehler steckte aber offenbar auch nicht in der Hardware, sondern in der Software.

Windows ist das Problem, aber es gibt eine Alternative

Während einer längeren Suche nach Lösungen bin ich über Alternative A2DP gestolpert. Dabei handelt es sich um eine Alternative zum herkömmlichen Bluetooth-Treiber von Windows 11 bzw. genauer gesagt dem Advanced Audio Distribution Profile. Das gibt vor, mit welchen Parametern Sound via Bluetooth zu meinen Kopfhöreren übertragen wird.

Der Standardtreiber von Microsoft ist auf die qualitativ schwächeren SBC-, AAC- und aptX-Codecs beschränkt, beherrscht also keine hochauflösenden und verzögerungsfreien Formate wie aptX HD, aptX LL und LDAC. Mein WH-1000XM4 unterstützt beispielsweise LDAC, Windows 11 kann damit aber rein gar nichts anfangen.

Stattdessen verband sich der Kopfhörer stets via SBC zu meinem Bluetooth-Adapter und das offenbar auch noch arg fehlerhaft, da der Chip-Satz des USB-Dongles nicht gut mit dem Treiber von Microsoft harmonierte.

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Als ich den Windows-Treiber dann durch Alternative A2DP ersetzt hatte, sind die Übertragungsfehler verschwunden, der alternative Treiber kommt also deutlich besser mit meinem USB-Adapter klar. Und im selben Atemzug konnte ich dann auch gleich noch die Audio-Qualität meines Kopfhörers steigern, da der Treiber sämtliche Bluetooth-Formate freischaltet, die Windows nicht kennt.

Eingestellt werden sie in einer übersichtlichen Nutzeroberfläche, die viele Feinjustierungen unter anderem bei der Bitrate erlaubt:

Schritt 1 Wurde ein Bluetooth-Hörer mit Windows 11 verbunden, taucht er auch in Alternative A2DP auf. Dort müsst ihr zuerst dann zuerst über den "Gerätetreiber" auf die alternative Version wechseln.

Schritt 2 Als nächstes wählt den einen der von eurem Hörer unterstützten Codecs aus. SBC ist dabei der kleinste gemeinsame Nenner. AAC klingt besser, aber ist auf Windows-PCs latenzbehaftet. aptX und LDAC sind hingegen qualitativ hochwertiger.

Schritt 3 Zusätzlich legt ihr fest, welche Abtastrate angewählt werden kann und wie Stereo-Sound übertragen wird. Meine Codec-unabhängige Empfehlung ist dabei Dual Channel, da dann für beide Hörerseiten die maximale Bitrate freigeschaltet wird.

Schritt 4 Und schlussendlich wählt ihr noch die Codec-Qualität. Je höher die ausfällt, desto besser klingt der übertragene Ton, allerdings wird das Signal dann auch störungsanfälliger, wenn ihr euch von eurem Bluetooth-Sender entfernt.

Für meinen WH-1000XM4 habe ich also endlich LDAC als Codec in unterschiedlichen Qualitätsstufen von 330 kbit/s bis 990 kbit/s festlegen können. In der höchsten Einstellung entspricht das verlustfrei aufgenommener Musik.

Und das Ergebnis war sofort hörbar: Statt einer komprimierten Klangkulisse mit verzerrten Mitten und Höhen schallten mir glaskar die sägenden Gitarren von Queens of the Stone Age, Dillinger Escape Plan, Zeal & Ador und Co. entgegen, so wie ich es auch via Kabel gewohnt war.

Niedrigere Latenz

Zusätzlich zum High-End-Sound und der besseren Verbindungsqualität habe ich via LDAC eine geringere Latenz wahrgenommen. Die habe ich dann auch einmal über eine Takt-App sowohl bei einem Audeze Maxwell 2 und auch meinem WH-1000XM4 überprüft:

Sony WH-1000XM4:

  • SBC: 210 Millisekunden
  • AAC: 230 Millisekunden
  • LDAC: 190 Millisekunden

Audeze Maxwell 2:

  • SBC: 270 Millisekunden
  • AAC: 320 Millisekunden
  • LDAC: 210 Millisekunden

Dabei sei aber gesagt, dass die Erfassung via einer Tasteneingabe nicht komplett präzise ist. Zwar ist mein Rhythmusgefühl nach mehreren tausend Stunden in Guitar Hero und Rock Band nicht das schlechteste, aber es kommt eben doch zu einer natürlich Verzögerung. Auch bei der Erfassung des Tastendrucks und der Verarbeitung des Sounds an sich. Es handelt sich bei den Werten also lediglich um eine gröbere Richtschnur.

Darauf müsst ihr bei Alternative A2DP und euren Bluetooth-Geräten achten

Alternative A2DP ist eine kostenpflichtige App, ihr könnt sie aber eine Woche lang kostenlos testen, ohne irgendwelche Daten hinterlegen zu müssen. Nach Ablauf des Testzeitraums kostet der alternative Bluetooth-Treiber dann ausgehend vom aktuellen Dollar-Kurs knapp 9 Euro pro Gerät. Greift ihr noch während der 7 Tage zu, werden lediglich 5,50 Euro fällig.

Wollt ihr den Apple-Codec AAC nutzen, dann steigen die Preise um jeweils circa 2,50 Euro, da Lizenzkosten anfallen. Zudem wird der Preis niedriger, wenn ihr für ein weiteres Gerät eine zusätzliche Lizenz kaufen. Dann müsst ihr nur noch 2 Euro zahlen beziehungsweise 4,50 Euro im Verbund mit AAC.

Die Lizenz wird dabei an die Modellnummer eures Mainboards geknüpft, aber nicht an die Seriennummer der Platine oder dergleichen. Es wird also nur ein sehr geringer Teil an Daten übermittelt und in eine Lizenzdatei gegossen. Die ist dann auch unbegrenzt offline nutzbar, sofern ihr nicht auf ein anderes Mainboard wechselt.

Die Hersteller von Alternative A2DP warnen vor einigen Sonderfällen: Bei Multipoint- und Auracast-Hörern wie den JBL Tour-Earplugs kann es zu Übertragungsproblemen kommen, genau wie mit bestimmten Bluetooth-Adaptern und 3D-Audio-Apps. Ihr solltet also unbedingt während der Testphase prüfen, ob der Treiber für euch funktioniert!

Für den UGREEN-Adapter, den ich nutze, wird beispielsweise eine Warnung ausgegeben, dass die Übertragung in höheren Bitraten fehlschlagen kann. Mir ist das in bisher 200 Stunden mit Alternative A2DP zum Glück aber nicht passiert.

Allerdings konnte ich bei einer Übertragung in 96 kHz nur noch Dolby Atmos als 3D-Audio-Format in Windows 11 auswählen. Erst als ich die Abtastfrequenz auf 48 kHz reduziert hatte, konnte ich dann wieder Windows Sonic und DTS Headphone:X auswählen.

Und Letzteres war dann auch meine endgültige Wahl, da ich die Abmischung von DTS lieber mag als die von Dolby und keinen Unterschied zwischen 48 kHz und 96 kHz hören kann. Ich bin auch weitgehend bei der höchsten LDAC-Qualitätsstufe geblieben, damit kam es eigentlich nur selten zu Aussetzern, etwa wenn ich in einen anderen Raum gewechselt bin.

Aber das ist bei Bluetooth-Verbindungen jetzt auch keine große Überraschung, daran kann auch Alternative A2DP trotz all seiner Vorzüge wenig ändern. Und wenn ich dann doch irgendwann einmal mehr Bewegungsfreiheit möchte, dann wechsel ich eben auf einen Adapter, der nicht im Preisbereich eines Döners rangiert.


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