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Enchanted Arms im Test

Mit euch spricht niemand? Kein Problem: Dieses Spiel versorgt euch mit Gesprächen für die nächsten fünf Jahre!

von Bernd Fischer,
19.09.2006 16:57 Uhr

Ein gutes Rollenspiel ist wie ein lange geplanter Urlaub mit Freunden: Man packt seine Sachen, verabschiedet sich von seinen Liebsten und hofft auf eine spannende, ereignisreiche Zeit. Neben jeder Menge Party können im Urlaub auch noch spannende Gespräche geführt werden, die die Freundschaft intensivieren. Jetzt zur Quizfrage: Würdet ihr mit Leuten in den Urlaub fahren, die euch die ganze Zeit mit belanglosem Käse zulabern? Die zu jedem noch so unwichtigem Gegenstand einen unerträglichen Monolog abhalten? Eher nicht, oder? Ähnlich verhält es sich mit Enchanted Arms: Hier wird selbst über eine handelsübliche Leiter minutenlang schwadroniert und jeder handlungsrelevante Punkt ausgelutscht. Das große Problem: Die Charaktere wirken weder sympathisch noch interessant. So habt ihr nicht das Gefühl, Teil einer funktionierenden Truppe, sondern mit völligen Langweilern unterwegs zu sein. Fröhlichen Urlaub!

Wenn der Eismann dreimal klingelt

Die Hauptfigur von Enchanted Arms ist Atsuma, ein Spund mit viel Herz und wenig Verstand. Sein unermüdlicher Schlafdrang bringt ihm in der Schule für Zauberkünste mehr Tadel ein, als seinen Lehrern lieb ist, dafür ist er mit einem ausgesprochen guten Kampfsinn gesegnet. Besonders sein rechter Arm strotzt vor Energie – Schuld daran ist eine spezielle, uralte Fähigkeit, die im Spiel einfach nur »enchant« genannt wird. Bei Atsuma sorgt dieser Zauber für eine unmenschlich hohe Kraft. Allerdings wird dieser Spuk auch für böse Zwecke missbraucht: Überall tauchen »magisch verstärkte« Gegner auf, und die finstere Eiskönigin wacht aus einem langen Schlaf auf, um die ganze Welt in eine einzige Eiswüste zu verwandeln. Klarer Fall: Atsuma muss seinen ganzen Mut zusammennehmen, um in knapp 30 Stunden Spielzeit seine Heimat vor dem Gefrierbrand zu bewahren. Seine Begleiter: ein guter Schulfreund und sein homosexueller Verehrer.

Enchanted Arms ist ein traditionelles Rollenspiel: In Städten und Dörfern geht ihr auf ausgiebige Shopping-Touren, führt (langatmige) Gespräche und findet heraus, wo den Einwohnern der Schuh drückt. Im Gegensatz zu RPGs wie Dragon Quest oder Final Fantasy sind die kleinen Nebenbeschäftigungen aber nicht spannend oder unterhaltsam, sondern nervig: Zu Beginn müsst ihr zum Beispiel an einem Turnier teilnehmen. Bevor es losgehen kann, sollt ihr noch Tickets für die Veranstaltung sammeln. Hier müsst ihr dann alle Personen abklappern und sie zu einem Plausch auffordern. Nach knapp 30 Minuten habt ihr die Tickets dann endlich beieinander. Eher unspannend.

Reisen stehen ebenfalls auf dem Programm, auf der kleinen Oberweltkarte seid ihr dann zu Fuß unterwegs. Zu entdecken gibt es hier aber nichts (die Pfade sind festgelegt), deshalb hält sich die Lust auf Ausflüge in engen Grenzen.

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