Die ersten Animeserien landeten in den Siebziger Jahren in den Kinderprogrammen Europas – aber nicht jeder TV-Sender war dahingehend gleich.
Besonders deutlich zeigte sich das an der Serie "Goldorak", die sich insbesondere in Frankreich großer Beliebtheit erfreute. Bei uns wurde der Anime aber gar nicht erst gezeigt, was an zu hoher Brutalität lag.
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Ein Urvater des Mech-Genres
Goldorak selbst feierte seine Erstaustrahlung im Jahr 1975, als Fuji TV die erste der insgesamt 74 von Toei Animation produzierten Folgen zeigte. Hier lief der Anime unter dem Namen "UFO Robo Grendizer", weitere Länder wie die USA benannten die Serie schlicht in "Grendizer" um.
Grundsätzlich ist Goldorak dem Genre der Mecha-Anime zuzuordnen und gilt als einer der Urväter der gesamten Kategorie, schließlich wird hier das erste Mal in der Anime-Landschaft die Beziehung zwischen Kampfrobotern und ihren Pilot*innen erforscht.
- Die Handlung ist schnell runtergebrochen: Der Prinz Actarus vom Planeten Fleed flieht nach der Zerstörung seiner Heimat durch das Vega-Imperium auf die Erde. Dort lebt er unter falschem Namen auf einer Ranch und steuert den Kampfroboter Grendizer (bzw. Goldarak).
- Mit dem Roboter wehrt er die Angriffe der Vega-Aliens und ihrer Kampfmaschinen ab und verteidigt die Erde.
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Frankreich: Leere Straßen am Donnerstagnachmittag
In Frankreich startete die Serie nach Angaben von AlloCiné am 3. Juli 1978 in der Kindersendung "Récré A2". Zunächst nahm sie dort kaum jemand ernst, im Programm wurde sie als "Japoniaiserie" abgelegt.
Der Erfolg kam trotzdem schnell: Der Spiegel berichtete im Mai 1979, am Donnerstagnachmittag seien in Frankreich kaum noch Kinder auf der Straße zu finden. Die Quote der Konkurrenzprogramme sei zur Sendezeit nahe null gewesen.
In Italien lief "Atlas Ufo Robot", wie die Serie dort hieß, erstmals am 4. April 1978 um 19 Uhr, wie die Nachrichtenagentur AGI zum 40. Jahrestag erklärt. Eine Rai-Mitarbeiterin namens Nicoletta Artom hatte sie auf einer Messe in Mailand entdeckt und ihren Vorgesetzten zum Kauf empfohlen.
- Der Autor des Buchs "C’era una volta Goldrake" Massimo Nicora, der hier von der Entstehungsgeschichte bis zum Vermächtnis von Goldarak erzählt, erklärte Goldarak gegenüber AGI zum "ersten, beliebtesten und am häufigsten nachgeahmten Roboter" der damaligen Zeit.
- Zugleich sorgten sich Eltern, Lehrer*innen, Psycholog*innen und Politiker*innen; einige forderten ein Eingreifen der Rai-Aufsichtskommission.
Deutschland: ARD und ZDF lehnen ab
Hierzulande ist Goldorak eher unbekannt, was nicht nur an seinem Alter liegt, sondern auch daran, dass die Serie gar nicht erst ausgestrahlt wurde.
- Die Begründung liefert der oben verlinkten Spiegel-Bericht: ARD und ZDF war der französische Fernsehhit demnach zu brutal, weshalb beide ablehnten.
- Das Magazin beschrieb die dargestellte Gewalt als "eigenartig": Sie treffe nur Kampfmaschinen aus dem All, den Roboter steuere ein Jugendlicher – dass hier "kein Tropfen Blut" fließt, war da nur ein schwacher Trost.
Immerhin: Vier Folgen liefen im Anschluss tatsächlich in den deutschen Kinos und kamen in gekürzter Fassung als Super-8-Film heraus. Anfang der Achtziger erschien der Kinofilm zudem auf VHS, Betamax und Video 2000.
Kanntet ihr Goldorak/Grendizer schon und was ist euer Lieblings-Mecha-Anime?
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