A Plague Tale: Requiem könnte in die 'ist größer, besser'-Falle tappen

Dennis konnte Requiem bereits anspielen und den Aussagen der Entwickler lauschen. Jetzt macht er sich um das Action-Adventure leichte Sorgen.

von Dennis Michel,
19.06.2022 11:00 Uhr

A Plague Tale: Requiem soll noch 2022 erscheinen. A Plague Tale: Requiem soll noch 2022 erscheinen.

Genre: Action-Adventure Entwickler: Asobo Studio Plattform: PC, Xbox Series X/S, PS5 Release: 2022 Xbox Game Pass: Ja (Release)

Mit A Plague Tale: Innocence gelang Team Asobo vor gut drei Jahren ein wahrlich fantastisches Action-Adventure, das vor allem durch seine wohl portionierte, düstere und herzergreifende Geschichte rund um Heldin Amicia mit ihrem kleinen Bruder Hugo brillierte. In Requiem geht die Geschichte des tollen Duos noch 2022 weiter und ich konnte bereits ein knappes Stündchen französische Mittelalter-Luft schnuppern und mir eine erste Meinung zum Spiel bilden – und die fällt zwar durchaus positiv aus, wird aber auch mit leichten Bedenken garniert.

Das konnte ich spielen: Ich bin direkt mit Kapitel 3 ins Spiel gestartet und konnte mit Amicia und Alchemie-Lehrling Lucas zunächst recht linear eine Stadt durchstreifen, ehe das Spiel vor den mittelalterlichen Toren offener wurde.

Ein positiver und vertrauter erster Blick ins Spiel

Zunächst einmal eine frohe Kunde vorab: Zwar konnte ich A Plague Tale: Requiem "nur" via Stream spielen, aber meine Güte schaut das Current-Gen-Abenteuer für PS5, Xbox Series X/S und PC düster und dreckig aus.

Peitschender Wind, Starkregen, Fleischerei-Abfall der inmitten blutbesudelter Gassen vor sich hin fault. Bereits in Innocence war die Atmosphäre eine der Stärken des Spiels und Requiem legt unter anderem dank 3D-Audio-Support, haptischem DualSense-Feedback und 4K noch eine ordentliche Schippe drauf, wie Asobo GameStar-Kollegin Natalie im Interview bestätigte.

Was hier noch recht freundlich ausschaut, entpuppte sich Minuten zuvor als dreckig düsterer Ort (von dem wir euch leider keine Bilder zeigen können). Was hier noch recht freundlich ausschaut, entpuppte sich Minuten zuvor als dreckig düsterer Ort (von dem wir euch leider keine Bilder zeigen können).

Gewohntes Gameplay: Doch Optik und Atmo außen vor, fühlte sich Requiem in puncto Gameplay zunächst sehr, sehr vertraut und wenig frisch an. Mit der Schleuder entfacht Amicia weiterhin Feuer, um sich puzzleartig den Weg durch rattenverseuchte Straßen zu bahnen und löscht mit Krügen die Fackeln ihrer Gegner, um sie der Plage zum Fraß vorzuwerfen.

Alternativ befördert sie die feindlichen Inquisitoren mit der Schleuder direkt ins Jenseits. Dabei wirkte die Steuerung wie bereits im Vorgänger leicht unpräzise. Wie wir es im Trailer sehen konnten und wie es auch im Interview nochmals bestätigt wurde, kann sich Amicia später noch dank Armbrust und heimlichen Stealth-Kills offensiver durch die feindlichen Reihen schlagen.

Das Miteinander zwischen Amicia und Lucas war wenig verwunderlich das Highlight der Anspiel-Session. Das Miteinander zwischen Amicia und Lucas war wenig verwunderlich das Highlight der Anspiel-Session.

Doch auch mit den neuen Möglichkeiten im Angriff wird das Gameplay mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zum Star in Requiem. Das war auch schon in der Demo sichtbar.

Die geerdete Mittelalter-Geschichte samt ihren fantastischen Elementen und das menschliche Miteinander zwischen den Charakteren ist das absolute Highlight und Grund allein, weswegen ich mich bereits vor der Anspiel-Session riesig auf Requiem gefreut habe.

Dennis Michel
Dennis Michel

Für Dennis ist A Plague Tale: Innocence eines der besten Action-Adventures der vergangene Jahre, was in erster Linie an seinen fantastischen Charakteren rund um Amicia, Hugo und Lucas lag. Sein größter Kritikpunkt waren abseits vom Ende die Bosskämpfe, die Asobo jedoch in Requiem laut eigener Aussage deutlich verbessert hat.

Die Sache mit dem "ist größer, besser"

Es liegt in der Natur der Spiele-Entwicklung, dass Nachfolger ihre Vorgänger stets übertrumpfen müssen. Mehr Waffen, eine längere Spielzeit, 100.000 zusätzliche Dialogzeilen, ihr kennt das Spiel. Für viele Action-Adventures wie das Paradebeispiel Uncharted 4 mag diese Rechnung auch aufgehen. Bei Requiem habe ich da aber so meine Zweifel.

Innocence hat mich gerade deswegen so gut unterhalten, da es linear, fokussiert und viel Wert auf Story und Charaktere gelegt hat. In gut zehn Stunden war das Ding durch und ich glücklich und zufrieden. Requiem soll uns jetzt ganze 16 Stunden an die Konsole fesseln und nach dem Anspielen und den Aussagen von Asosbo habe ich auch bereits eine gute Vorstellung davon, wie das gelingt.

In Requiem sind nicht nur die Areale größer, auch haben wir verschieden Optionen sie zu meistern. In Requiem sind nicht nur die Areale größer, auch haben wir verschieden Optionen sie zu meistern.

Größere Areale, mehr Freiheit: Requiem schickt uns nämlich im Gegensatz zu Innocence in größere Areale, die wir dann entweder offensiv, im Stealth-Kill-Modus oder pazifistisch durchwandern können. Wir töten also entweder alles was uns über den Weg läuft, schleichen leise tötend durch die Reihen oder alternativ an allem vorbei.

Das klingt erst einmal nach mehr Freiheit, das Problem an der Geschichte ist aber, dass das Gameplay zumindest in der Demo bei weitem nicht spaßig genug war, um die Mehrzeit bis zum nächsten Story-Fetzen zu rechtfertigen.

Versteht mich hier bitte nicht falsch, das Gameplay von A Plague Tale ist nicht schlecht, es macht auch durchaus Laune die kleinen Ratten-Puzzle zu lösen und Wachen auszuschalten. Aber hätte ich all das gebraucht? Nicht wirklich. Dadurch wird lediglich verwässert, was ich an Innocence so gefeiert habe. Dennoch, und das möchte ich abschließend nochmal klar sagen, wird Requiem aller Voraussicht nach eines meiner noch kommenden Highlights im Spielejahr 2022.

Wie seht ihr das: Hätte ihr bei Requiem offenere Areale gebraucht oder hat euch die kompakte, mehr lineare Levelstruktur aus Innocence bestens getaugt?

zu den Kommentaren (35)

Kommentare(35)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.