Activision Blizzard will $18 Mio. an Opfer von Belästigung zahlen, weist aber Schuld von sich

Activision Blizzard sieht sich einer dritten Klage wegen Diskriminierung und sexueller Belästigung gegenüber. Das Unternehmen will an Betroffene zahlen, leugnet aber weiterhin Fehlverhalten.

von Eleen Reinke,
29.09.2021 15:50 Uhr

Activision Blizzard sieht sich nun der dritten Klage gegenüber und will diese schnell beilegen. Activision Blizzard sieht sich nun der dritten Klage gegenüber und will diese schnell beilegen.

Nachdem der Call of Duty-Publisher Activision Blizzard Ende Juli 2021 bereits von der staatlichen Behörde DFEH (California Department of Fair Employment and Housing) wegen sexueller Diskriminierung und Belästigung von Mitarbeiterinnen verklagt wurde, folgte Mitte September eine weitere Klage der eigenen Angestellten. Diesmal ging es bei den Vorwürfen um Gewerkschaftszerschlagung und Einschüchterung.

Nun hat das Unternehmen eine dritte Klage am Hals, diesmal von Seiten der EEOC (Equal Employment Opportunity Commission.) Erneut geht es um sexuelle Belästigung und Diskriminierung. Activision Blizzard erklärte sich nun bereit, US $18 Millionen an Betroffene zu zahlen - leugnet aber weiterhin Fehlverhalten.

Activision Blizzard will an Betroffene zahlen

Darum geht es bei der Klage: Die Klage der EEOC bezieht sich auf einen Zeitraum von 2,5 Jahren, in dem die Bundesbehörde Activision unter die Lupe genommen hat. Ergebnis der Untersuchung war, dass Angestellte von sexueller Belästigung betroffen seien und schwangere Mitarbeitende diskriminiert wurden. Activision Blizzard sei demnach zwar darüber informiert worden, aber habe "weder korrigierende noch vorbeugende Maßnahmen vorgenommen.", wie Axios berichtet.

Activision Blizzard strebt Einigung an: Das Unternehmen hat nun eine Stellungnahme veröffentlicht, in der es angibt, eine Einigung mit der EEOC erreicht zu haben. Darin soll unter anderem ein US $ 18 Millionen umfassender Kapitalfond angelegt werden, um Schadensersatz für berechtigte Forderungen zu leisten. Zum Vergleich: Activision Blizzard hatte im zweiten Quartal 2021 ein Einkommen von US $ 959 Millionen.

Zusätzlich soll als Teil der Einigung (welche noch gerichtlich anerkannt werden muss) bei Activision Blizzard verbessertes Anti-Belästigungstraining stattfinden, es soll eine Aufsicht durch einen unabhängigen Berater geben, regelmäßige Berichterstattung an die EEOC, explizite Richtlinien zum Alkoholkonsum bei Firmenpartys und verbesserten Support für die geistige Gesundheit der Mitarbeitenden. Auch Blizzard CEO Bobby Kotick gelobte in der Stellungnahme Besserung:

Es gibt in unserem Unternehmen keinen Platz für Diskriminierung, Belästigung oder ungleiche Behandlung irgendeiner Art, und ich bin dankbar für alle Mitarbeitenden, die mutig ihre Erfahrungen geteilt haben. Es tut mir Leid, dass Leute unangebrachtes Verhalten erfahren mussten, und ich bleibe standhaft in meinem Einsatz, Activision Blizzard zu einem der inklusivsten, respektiertesten und respektvollsten Arbeitsplätze der Welt zu machen.

Paradoxerweise leugnet Activision Blizzard im 49-seitigen Anerkenntnisurteil zugleich jegliche Verantwortung:

Die Verteidigenden Parteien [anm. d. Red.: Activision Blizzard] leugnen, dass sie Individuen oder Gruppen von Individuen sexueller Belästigung, Schwangerschafts-Diskriminierung und/oder damit verbundener Vergeltung ausgesetzt haben, [...] sie leugnen jegliche Gruppendiskriminierung oder systemische Diskriminierung oder Belästigung und bestreiten, dass irgendwelche ihrer Richtlinien oder Prozeduren unzureichend sind.

Jedoch erkennen die Parteien an, dass die Parteien durch diesen Bescheid Kosten, Ablenkungen und einen möglichen Rechtsstreit, der mit einem solchen Disput verbunden ist, vermeiden können und daher wünschen die Parteien, alle Streitfragen mit diesem Bescheid beizulegen.

Hier bleibt also die Frage, wie berechtigte Forderungen aussehen sollen, wenn Activision Blizzard jegliche Schuld leugnet. Immerhin: Geld aus dem Kapitalfond, das nicht zum Begleichen von Forderungen genutzt wird, soll an Stiftungen gehen, die Frauen in der Videospielindustrie fördern oder Aufklärung zu Belästigung und Geschlechterungleichheit betreiben.

zu den Kommentaren (27)

Kommentare(27)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.