Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Messebesuch in 2007. Damals gab es auf der Leipziger Buchmesse nur eine Comic-Halle, in der Anime und Manga in der hintersten Ecke stattfand. Gerade mal ein paar Reihen und Stände waren dort vertreten.
2026, also 19 Jahre später, gibt es für die Anime- und Mangafans zur Buchmesse einen neuen Eingang, zwei ganze Hallen und sogar einen eigenen Namen: Manga Comic Con. Der Hype um japanische Comics und Animationen hat in den letzten Jahren massiv zugenommen und mit ihm sind auch seine Messen gewachsen.
Die Dokomi umfasste 2026 knapp 230.000 Besucher*innen. 2009 waren es gerade mal 1.800. Die Animagic musste aus Platzgründen von Bonn nach Mannheim wechseln und auch die Connichi zog 2023 von Kassel nach Wiesbaden um. Mit diesem massiven Wachstum veränderte sich auch das Publikum. Mittlerweile pilgern nicht nur Anime-Fans, sondern auch große Influencer wie MontanaBlack, die mit Anime eher weniger zu tun haben, zu den Messen, was zu vielen Diskussionen führt.
Die Connichi ist seit Jahren mein Favorit
Bei dem ganzen Angebot aus Animuc, Animagic, Connichi, Dokomi, Buchmesse und Co. sticht für mich aber seit Jahren eine Veranstaltung besonders heraus: Die Connichi. Während die Dokomi vielleicht das größere Angebot an Merchandise und Künstlern hat und die Animagic viele Prominente einlädt, sind für mich die Besucher*innen auf der Connichi das absolute Highlight.
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Das Studio hinter den Atelier-Spielen kündigt ein JRPG zu Tagebücher der Apothekerin an und es passt perfekt
Das liegt nicht nur an den wirklich wundervollen Cosplays, die dort ausgeführt werden, sondern auch an der Herzlichkeit und dem Zusammenhalt, den ich immer wieder aufs Neue spüre. 2026 gab es zwei besondere Schlüsselmomente, an denen ich das festmache.
Was ist die Connichi?
Die Connichi ist Deutschlands größte ehrenamtlich organisierte Convention. Sie findet jedes Jahr im September in Wiesbaden statt. Veranstaltet wird sie vom gemeinnützigen Verein Animexx e.V.. Sie finanziert sich über Ticketverkäufe, Standgebühren und Sponsorings und versteht sich als Convention von Fans für Fans.
Der Maler, der keine Bilder verkaufte
Wer dieses Jahr im Park vor dem Congresscenter gewesen ist, wird ihn vermutlich erspäht haben: Den Maler im passenden Farbeagle-Cosplay, der auf einer großen Staffelei zwei weltberühmte Gemälde im Pokémon-Stil nachmalte.
Statt Sir John Everett Millais‘ Ophelia schwamm Enton auf dem Rücken durch den berühmten Teich und statt des Mädchens aus Johannes Vermeers Gemälde trug in dieser Version Flegmon die namensgebenden Perlenohrringe des Bildes.
Beide Gemälde und die Aktion an sich erfreuten sich vor Ort solch einer Beliebtheit, dass der Künstler mehrmals gefragt wurde, ob die Gemälde denn zu kaufen seien, was er aber verneinte. Überall auf der Convention hörte man: „Hast du den Maler schon gesehen?“, und erfreute sich an dem Spektakel und der Kunst.
Grüne Bänder für mehr Fotos
Wer sich ein wenig mit Cosplay beschäftigt oder vielleicht schon selbst ein Kostüm anhatte oder welche fotografiert, kennt das Dilemma vielleicht: Man würde gerne Bilder machen, traut sich aber nicht, fremde Cosplayer*innen oder Fotograf*innen anzusprechen. Etwa, weil man nicht glaubt, dass die eigene Arbeit gut genug sei oder weil man schlicht und ergreifend etwas introvertierter ist.
Auf der Connichi 2026 wurde genau für dieses Problem ein kleines Fan-Projekt gestartet: OpenLens. Dabei werden grüne Bändchen an Fotograf*innen verteilt, die gerne unentgeltlich (sog. TFP oder auch Time for Pictures) Fotos von Cosplayer*innen machen und die jederzeit ansprechbar sind. Das soll Hemmungen reduzieren und direkt sichtbar machen, welche Fotografen verfügbar sind.
Die Aktion fand in Windeseile so viel Anklang, dass schon am ersten Messetag die Bändchen und Flyer alle vergriffen waren und Leute spontan einsprangen, um Nachschub zu besorgen. Der positive Nebeneffekt der Aktion war, dass so neue Kontakte und Freundschaften geknüpft worden sind.
Gleichzeitig wurde das Problem der aktuellen sozialen Medien gelöst: Es ging bei der Aktion nicht um Followerzahlen oder wie perfekt die Fotos und Kostüme waren, sondern darum, gemeinsame Momente zu schaffen und sich über die eigene Arbeit zu freuen. Auch hier war auf einmal so viel Euphorie und Begeisterung auf der Messe zu spüren, wie ich sie selten so kollektiv erlebt habe.
Eine Messe von der Community für die Community
Die beiden kleinen Projekte zeigen hervorragend, wofür die Connichi als ehrenamtliche Messe seit jeher steht: Zusammenhalt und Gemeinsamkeiten statt Reichweitenmaximierung.
Während auf großen Messen wie der Buchmesse oder der Dokomi mittlerweile darüber diskutiert wird, ob ein MontanaBlack oder andere nicht Anime-affine Influencer überhaupt willkommen sein sollten, scheint die Connichi sich noch das Gemeinschaftsgefühl zu bewahren, was ich so sehr an dieser Community schätze.
Und auch, wenn ich die Besuche auf anderen Messen im Jahr nicht missen will, so hat die Messe Anfang September in Wiesbaden einfach aufgrund ihrer Leute einen besonderen Platz in meinem Herzen.
Wart ihr bereits auf der Connichi oder steht das vielleicht für nächstes Jahr auf eurem Zettel?
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