Die Gaming-Welt klagt heutzutage über viele Probleme und eines davon sind Spiele, die in einem grausigen technischen Zustand erscheinen. Das prominenteste Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist vermutlich Cyberpunk 2077, aber auch vor 20 Jahren waren wir vor solchen Totalausfällen nicht sicher. Mein erstes Technik-Debakel war etwa Gothic 3.
Wundervolle RPG-Reihe und ein enttäuschender Release
Gothic 1 und 2 gelten bis heute völlig zurecht als Klassiker des Rollenspiel-Genres. Der dritte Teil fällt in der nostalgischen Betrachtung aber häufig hinter seine Vorgänger zurück und das liegt nicht nur an vielen spielerischen Änderungen, sondern auch am verhunzten Zustand zum Release.
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Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich damals am Releasetag nach der Schule mit meinem Taschengeld zum örtlichen Saturn gepilgert bin, um sofort nach Myrtana aufzubrechen. Damals war mir mit 13 Jahren noch nicht bewusst, dass es so etwas wie verbuggte Katastrophen-Releases gibt – aber ich wurde schnell eines besseren belehrt.
Gothic 3 hatte große Ambitionen: Eine für damalige Verhältnisse gigantische Open World mit drei Nationen, dutzende Dörfer und eine Hauptstory, die sich auf verschiedene Weise beenden ließ. Davon abgesehen sah die Grafik in den Trailern einfach umwerfend aus.
Doch auf die immense Vorfreude folgte schnell Ernüchterung. Weder auf meinem damaligen PC, der sicher nicht zu den schnellsten gehörte, noch auf den leistungsstarken Rechnern von Freunden und größeren Brüdern in meinem Umfeld war das RPG wirklich spielbar.
Endlose Ladezeiten, lausige Performance, schwebende Objekte, Questblocker und natürlich die bis heute legendären Wildschweine, die den namenlosen Helden in Sekundenbruchteilen mit Überschall-Biss-Gewittern überforderten – Gothic 3 war schlicht unspielbar und schadete damit auch der Reputation der gesamten Reihe.
Es hat viele offizielle Updates von Entwickler Piranha Bytes gebraucht, bis Besserung in Sicht war. Vor allem aber die liebevollen Community-Patches sorgten über Jahre hinweg dafür, dass Gothic 3 letztlich doch noch so spielbar wurde, wie es von Anfang an hätte laufen sollen.
In einem Land vor unserer Zeit, als Patches noch auf CDs kamen
Dazu kam der rückblickend witzige Umstand, dass es mit einer geregelten Internetverbindung damals bei mir zu Hause düster aussah. Eben mal kurz den aktuellen Patch herunterladen, war nicht ohne Weiteres möglich.
Stattdessen halfen mir die heutigen Kollegen von der GameStar aus. Auf den Heft-CDs befanden sich nämlich teils auch Installationsdateien für aktuelle Patches verschiedener Spiele – inklusive Gothic 3!
Ganz sicher hätte ich mich über eine automatische Update-Funktion sehr gefreut, wie wir es von Steam und Co. heute gewohnt sind. Aber so war das damals. Wir hatten ja nichts.
Wenn es funktioniert, ist es ein tolles RPG
Besonders ärgerlich an der ganzen Sache ist, dass Gothic 3 hinter den ganzen Problemen ein ziemlich gutes Spiel war. Die weiten Landschaften, die Entscheidungsfreiheit bei der Unterstützung verschiedener Fraktionen und der große Umfang haben mich trotz all der Fehler in den Bann gezogen.
Bis heute ist Gothic 3 das Rollenspiel, in dem ich die meiste Zeit verbracht habe. Auch deshalb, weil ich alle Jahre wieder nach Myrtana zurückkehre und ein paar nostalgische Runden durch Ardea, Kap Dun oder Bakaresh drehe.
Und natürlich darf das obligatorische Lob für den immer noch umwerfenden Soundtrack von Komponist Kai Rosenkranz nicht fehlen, der bis heute regelmäßig von mir angeschmissen wird.
Sollte es in ferner Zukunft ein Remake von Alkimia Interactive geben, die mit der Neuauflage von Gothic 1 in meinen Augen bereits stark abgeliefert haben, wäre ich auf jeden Fall sofort wieder am Start, denn die Erinnerung an Gothic 3 bleibt rückblickend für mich überaus positiv – auch wenn mir ein mögliches Remake und der anstehende Konsolen-Port Ende 2026 die ganzen Bugs und Patch-Tiraden dann hoffentlich ersparen.

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