Unpopuläre Meinung: Die Shantys in AC Black Flag sind schrecklich - ich würde sie gerne lieben, aber ich kann es einfach nicht

Shantys gehören in Black Flag Resynced dazu, wie das Amen in der Kirche. Die meisten AC-Spieler*innen feiern sie, Annika allerdings nicht.

So in etwa schaut auch Annika, wenn die Crew einen Song anstimmt. So in etwa schaut auch Annika, wenn die Crew einen Song anstimmt.

Oh, I thought I heard the Old Man say…
Leave her, Johnny, leave her!"
Tomorrow you will get your pay…
And it's time for us to leave her!

Wer da jetzt mitsingen kann, Glückwunsch! Ich kann es zumindest nicht, denn ich halte mich lieber fern von den Seemannsgesängen, die mir meine Crew in Assassin’s Creed Black Flag Resynced unaufhörlich um die Ohren jöselt.

Ich wünschte zwar, ich würde die Shantys – wie so viele andere Fans – lieben, aber ich kann es nicht. Ich habe mich bemüht, ehrlich, aber nach längerer Überlegung kamen mir mehrere Gründe in den Sinn, warum ich mich mit Shantys einfach nicht anfreunden kann und sie voller Erleichterung deaktiviert habe.

Video starten 1:08:09 Vergesst epische Seeschlachten! Historiker analysieren AC Black Flag Resynced | mit Geschichtsfenster

Annika Bavendiek
Annika Bavendiek

Von Pop/Rock, Singer/Songwriter und HipHop über Musicals und Soundtracks bis hin zu Jazz, Blues und Klassik – Annika hat eigentlich einen recht vielseitigen Musikgeschmack. Sie kann vielen Musikgenres etwas abgewinnen, aber Seemannslieder zählen definitiv nicht dazu.

Shantys sind mir zu starr

Ich höre zwar nicht ausschließlich vielschichtige Musik wie orchestrale Soundtracks oder Klassik, sondern auch viele Songs, die auf relativ einfache, einprägsame Melodien und Songtexte setzen, aber ich bevorzuge dann doch mehr Dynamik, Rhythmuswechsel und Tiefe als es Shantys bieten. Musik soll mich emotional ansprechen; sie hilft mir, Gefühle zu verarbeiten.

Da Shantys aber eher auf Seemänner ausgelegt sind, die sich bei der Arbeit zwar motivieren wollten, aber weiter konzentrieren mussten, setzen die Lieder auf repetitive Melodien mit starren Rhythmen und einfachen Texten – zu Recht mit Ohrwurm-Potenzial. Der Song "Leave Her, Johnny" (die ersten Zeilen oben) zeigt das sehr gut. Ein Vorsänger singt eine Zeile vor, die Crew antwortet darauf immer gleich. Das ist für die Seefahrt genau richtig, für sich genommen musikalisch aber wenig anspruchsvoll.

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Der orchestrale Soundtrack ist atmosphärischer

Bei dem Soundtrack zum Spiel sieht es dagegen wieder anders aus. Ein orchestral eingespielter Soundtrack, mit teils epischen Stücken, da bekomme ich immer wieder Gänsehaut.

Für mich haben die Komponisten Brian Tyler und Stephen Lukach hier ganze Arbeit geleistet. Der Soundtrack kann es meiner Meinung nach mit den hervorragenden Stücken von Fluch der Karibik aufnehmen. Ich höre beispielsweise “Black Flag Main Theme”, “Pyrates Beware” und “In This World Or The One Below”, aber auch ruhigere Songs, auch in meiner Freizeit gerne – oder während ich diesen Artikel schreibe, um einen Shanty-Ohrwurm zu verhindern. 

Dass mich der Soundtrack so viel mehr mitnimmt, liegt aber eben auch daran, dass er im Hintergrund läuft, während ich mit Edward durch die Karibik reise. Die Stücke werden weniger hart abgebrochen oder eingespielt, sondern fühlen sich für mich nahtloser eingebaut an. 

Außerdem verknüpfe ich bestimmte Stücke mit besonderen Momenten, und damit wird der Soundtrack automatisch emotional aufgeladen. Ich liebe es beispielsweise, wenn der Schiffskampf beginnt und das treibende Stück “Pyrates Beware” mich dabei begleitet. Das wertet die Gefechte für mich ordentlich auf.

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Die Shantys dienen aber ja eher als Abwechslung für ereignislose Fahrten auf hoher See. Hier sehne ich mich eher nach melancholischen Klängen, während ich mit der Jackdaw in den Sonnenuntergang segle. DAS nenne ich Atmosphäre.

Durch das saufende und rüpelhafte Piraten-Image erinnert mich meine Shanty-singende Crew sogar ein wenig an betrunkene Menschen, die zu tief ins Glas geschaut haben und meinen, ihre lieblichen Gesangstalente präsentieren zu müssen – was dann aber eher einem plumpen Gegröle als nuancierten Wohlgesang ähnelt. Meine Crew kann zwar weit besser singen, die Assoziation bekomme ich trotzdem nicht aus meinem Kopf, was auch nicht gerade förderlich ist.

Die Dosis macht das Gift

Und zu guter Letzt spielt natürlich auch die ständige Wiederholung mit rein. Einen Song immer und immer wieder zu hören führt nicht selten dazu, dass er uns irgendwann aus den Ohren heraushängt – vor allem, wenn es ohnehin eine Melodie ist, von der wir nicht gerade angetan sind. 

Kommt es dann auch noch ständig zu abrupten Abbrüchen oder Neustarts des Gesangs, etwa weil ein Schiffskampf beginnt oder endet, fühlt sich das Ganze noch erschöpfender an.

Auch wenn ich mit Shantys nichts anfangen kann, passen sie natürlich wunderbar zu AC Black Flag (Resynced) und bin froh, dass das Musikgenre immerhin viele andere Menschen begeistert. Ich bin trotzdem erleichtert, dass ich sie in den Einstellungen deaktivieren kann.

Und jetzt möchte ich noch wissen, was ihr von den Shantys in Black Flag haltet? Schreibt mir eure Meinung dazu gerne in die Kommentare.


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