Die PS1-Ära: Meine Erinnerungen an eine wundervolle Zeit

Dennis reist zurück in die 90er und erzählt euch von seinen schönsten Momenten mit dem kleinen grauen Kasten.

Das Ende der PS1-Themenwoche hier auf GamePro.de naht, doch bevor wir euch mit (hoffentlich) ganz vielen schönen Erinnerungen an diese fürs Gaming so wundervolle Ära ins Wochenende entlassen, will ich euch noch auf eine kleine Reise durch meine liebsten Spieleerinnerungen mitnehmen. Eine Reise zurück ins Jahr 1997, als ich mit einem weinenden und lachenden Auge meinen geliebten Game Boy verkauft, und mir vom Ersparten eine PlayStation 1 unter den brandneuen JVC-Röhrenfernseher stellen durfte.

Dennis Michel
Dennis Michel

Dennis' große Leidenschaft zum Gaming begann Anfang der 90er mit für ihn nur schwer verständlichen Point&Click-Adventures in englischer Sprache und dem Aufbauspiel Sim City 2000, die er auf dem PC seines Vaters gespielt hat, eher er dann mit dem Game Boy seine erste eigene Konsole bekam und Spiele wie Super Mario Land 2 und Lucky Luke rauf und runter gespielt hat.

Die schwerste Entscheidung für Klein-Dennis

Während ich heute (auch berufsbedingt) alle aktuellen Konsolen am heimischen TV angeschlossen habe, sah das bei mir im zarten Alter von 10 Jahren noch ganz anders aus. Zwei Konsolen gleichzeitig besitzen, das kam für meine Eltern nicht in die Tüte. Wollte ich die so unfassbar coole “3D”-Ära der Videospiele also nicht nur im Spielzeugladen an der aufgebauten PS1-Station erleben, sondern auch im Kinderzimmer, musste mein kleiner Handheld seinen Besitzer wechseln. 

Mein erstes PS1-Spiel

Aber wie das bei mir auch heute noch ist, Neues ist eben immer cooler als Altbewährtes und meine Güte, wie gut sah denn bitte Formel 1 97 aus? Seit Schumis erstem WM-Titel ‘94 war ich riesen F1-Fan und mit meinem größten Sportidol neben Michael Jordan im heimischen Kinderzimmer meine Runden zu drehen, das wäre … das wäre doch einfach unglaublich.

Formel 1 97 war damals mein erstes F1-Spiel (Bildquelle: xTimelessGaming) Formel 1 97 war damals mein erstes F1-Spiel (Bildquelle: xTimelessGaming)

Den Game Boy verabschiedet, das ganze Ersparte zusammengekratzt, für die restlichen DM meinen Eltern den Hundeblick zugeworfen, rein ins Low Poly-Cockpit und mit 300 km/h im Ferrari über den Hockenheimring gebrettert.

Seit diesen Tagen zählen Rennspiele zu meinen liebsten Genre und ich erinnere mich noch heute an den verdutzten Blick meines Vaters, als ich ihm bei Gran Turismo minutenlang erklären wollte, dass wir es hier mit Fotorealismus zu tun haben. Sorry, Dad!

Mit FIFA 98 und Song 2 durch schwere Zeiten

Doch die PS1 war für mich nicht einfach nur eine Konsole, auf der ich meine Liebe zum Motorsport ausleben konnte, ohne sie wäre mein Leben zur damaligen Zeit etwas dunkler gewesen. Um das zu verstehen, muss ich kurz ausholen und wer keine Krankengeschichte lesen möchte, der überspringt am besten den folgenden Absatz.

Mit 10 Jahren hatte ich eine Mittelohrentzündung. Nichts besonderes. Ein wenig Antibiotika, eine Woche Ruhe und gut ist. Leider hat meine damalige Ärztin das Ganze ein wenig zu sehr auf die leichte Schippe genommen, mir falsche Medikamente verabreicht und die Folge war, dass mein Trommelfell gerissen ist. Für mich bedeutete das infolgedessen einen Gehöraufbau – mein Mittelohr besteht seitdem aus Titanium-Prothesen – und bedingt durch weitere Entzündungen teils wochenlange Aufenthalte im Krankenhaus, die allerdings nur eine kleine Rettung waren. Heute bin ich auf einem Ohr zu 90% taub. 

FIFA 98 war neben International Superstar Soccer Pro mein Fußball-Highlight auf der PS1. FIFA 98 war neben International Superstar Soccer Pro mein Fußball-Highlight auf der PS1.

Doch neben vielen schmerzlichen Erinnerungen an diese Zeit, sind mir auch viele wundervolle geblieben. Dank meiner PS1 konnte ich im Krankenhaus kleine FIFA 98-Turniere veranstalten und hatte so mit den anderen Kids auf der Etage ganz wundervolle Momente. “Wohoo, I got my head checked, by a jumbo jet”. Song 2 werde ich wohl nie wieder aus dem Kopf bekommen. 

Breath of Fire 3 und meine Liebe für JRPGs

Und noch einen schönen Nebeneffekt hatten die vielen Krankentage. Durch sie hab ich meine Liebe für rundenbasierte JRPGs entdeckt. Ganze zwei Wochen lang konnte ich nämlich im Bett liegend jede freie Sekunde in der kunterbunten Welt von Breath of Fire 3 verbringen. Angeln, Feendörfer pflegen, mit Nina, Teepo, Momo und Co. nachts am Lagerfeuer campen und die für mich bis heute kniffligsten Bosse besiegen. 

Ich war unerfahrener JRPG-Neuling und meine Güte hab ich mir im Champions-Contest an Patrio, im Zubloberg und dann später an Endgegner Myria die Zähne ausgebissen. Hinzu kam, dass Speicherpunkte in BoF 3 rar gesät sind und ich oft ellenlange Abschnitte wiederholen musste. Ich glaube ohne das antrainierte Durchhaltevermögen aus Held Ryus Reise hätte ich nie meine Liebe für die Souls-Spiele entdeckt, sondern bereits nach 15 Minuten aufgegeben. 

Myria hat mich damals fast zur Verzweiflung gebracht. Aber nur fast. (Bildquelle: youngmasterDX) Myria hat mich damals fast zur Verzweiflung gebracht. Aber nur fast. (Bildquelle: youngmasterDX)

Mein Spyro-Geständnis

Während der PS1-Ära wurde zudem einer meiner bis heute liebsten Videospielhelden geboren - und zwar aus einem Drachenei. Die Spyro the Dragon-Spiele zählten von 1998 bis 2000 zu meinen absoluten Jahres-Highlights und pünktlich an Heiligabend lag ein neues Abenteuer unter dem Christbaum. 

Was meine Eltern bis heute nicht wissen: Vor der Bescherung konnte ich es nie abwarten und habe mich stets die Tage zuvor ins Schlafzimmer meiner Eltern geschlichen, Spyro aus seinem Versteck unter der Kommode befreit, um schon einen ersten Blick auf die Rückseite der PS1-Hülle zu werfen. So konnte ich an den Bildern nämlich schon ungefähr erkennen, welche feurigen Level auf mich warten. 

Nach der Schule: Smackdown 2 mit Felix

Doch nicht nur alleine wurde gespielt. Eine meiner schönsten Erinnerungen an die PS1-Ära hab ich gemeinsamen Kloppereien in Smackdown 2 zu verdanken.

Ihr müsst wissen, um die Jahrtausendwende war ich zusammen mit Kumpel Felix – ganz liebe Grüße gehen raus an den alten Frankfurter Babbsack – riesiger Wrestling-Fan. Gemeinsam haben wir uns Videokassetten der großen Pay-Per-Views bestellt, haben Texte für eine Fantasy-Liga geschrieben, uns beim Nachmachen der Moves fast das Genick gebrochen und eben Smackdown 2 gespielt. 

Rikishi war damals mein liebster Wrestler und die erste Wahl in Smackdown 2. (Bildquelle: TheSmackdownHotel.com) Rikishi war damals mein liebster Wrestler und die erste Wahl in Smackdown 2. (Bildquelle: TheSmackdownHotel.com)

Felix nahm meist seinen Liebling, Olympia-Ringer Kurt Angle, ich "Leichtgewicht" Rikishi, um den Gegnern in der Ringecke schön mit dem Stinkface den Hintern ins Gesicht zu drücken. Herrlich! Wir haben das Spiel damals nach der Schule rauf und runter gespielt.

Meine große Angst vor Tomb Raider

Vor einiger Zeit habe ich euch mal in einer Kolumne zu Resident Evil 7 VR erzählt, dass mir heutzutage kein Horrorspiel mehr Angst machen kann. Das war zu Zeiten der PS1 jedoch komplett anders. 

Seit 1996 war Lara Croft der Videospiel-Superstar schlechthin und mit dem Kauf der PS1 war klar, das Spiel muss ich haben, Alter hin oder her. Nachdem ich meine Eltern erfolgreich überredet hatte, startete jedoch kein Abenteuer mit der Ärchäologin, es begann vielmehr ein Trauerspiel.

Mit ein paar Wölfen kam ich noch zurecht, beim T-Rex war jedoch Schluss. (Bildquelle: IMDB) Mit ein paar Wölfen kam ich noch zurecht, beim T-Rex war jedoch Schluss. (Bildquelle: IMDB)

In Peru war nämlich im Level "Das Verlorene Tal" Schluss. Nachdem ich in viel zu jungen Jahren Jurassic Park gesehen hatte, war die Furcht vorm T-Rex einfach zu groß.

Jeden Tag in der Schule hatte ich mir aufs Neue vorgenommen "heute packst du den Abschnitt" und bin vollen Mutes nach Hause gestapft. Doch sobald ich in der virtuellen Höhle stand, war ich wie eingefroren und hab die Konsole wieder ausgemacht. Erst einige Jahre später konnte ich mich überwinden und bin seitdem riesen Lara-Fan. 

Tony Hawk und der Soundtrack meiner Jugend

Das Saxophon von Superman setzt ein, Bad Religion erzählen mir von einem Ort, an dem jeder glücklich ist und Millencolin dröhnt aus den Boxen. Allein beim Schreiben dieser Zeilen wandert Gänsehaut die Arme hoch. Die Songs aus Tony Hawk’s Pro Skater 1+2 waren damals der Sound meiner Jugend, die Spiele bis heute legendär und Tony Hawk ist durch seine inspirierende Art eines meiner letzten Vorbilder.  

Tony Hawks Pro Skater 2 ist bis heute mein liebstes Skatespiel. (Bildquelle: RockPaperShotgun) Tony Hawk's Pro Skater 2 ist bis heute mein liebstes Skatespiel. (Bildquelle: RockPaperShotgun)

Die PS1-Ära war auch gleichzeitig die Hochphase der Skatespiele, die glücklicherweise durch das THPS-Remake ein kleines Revival erfahren hat. S.K.A.T.E sammeln, Videotapes finden und den Score der Kumpels knacken. Hat das gebockt!  

Um es mit den Worten Jaspers zu sagen: Schön war’s!

An dieser Stelle könnte ich noch lange in der Truhe der Erinnerungen kramen. Ich könnte euch von furchtbaren Driver-Missionen erzählen, von vergeblichen Versuchen in Grand Theft Auto eine Insel zu erreichen, von meiner Reise mit Ameise Flick in A Bug’s Life, von langen Wochenenden mit meinem bis heute liebsten Tennisspiel Actua Tennis, von der Demo-Version von G-Police und, und und.

Doch diese kleinen Anekdoten hebe ich mir für später auf. Denn über die PS1-Ära sollte man öfter als nur in einer Themenwoche sprechen. Sie war nämlich eine ganz besondere Zeit fürs Gaming, eine sehr schöne Zeit für mich!

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