"Eure Kritik wird die Meinung von Sony nicht ändern", sagt ehemalige PlayStation-Mitarbeiterin und erklärt, wieso Sonys Disc-Aus trotz Shitstorm ein Erfolg ist

Alanah Pearce hat sich in einem ausführlichen Video zur Situation rund um Sony und das viel kritisierte Disc-Aus ab 2028 geäußert.

Alanah Pearce hat zwischen 2020 und 2024 für Sony als Game Writer gearbeitet. Alanah Pearce hat zwischen 2020 und 2024 für Sony als Game Writer gearbeitet.

Kein zweites Thema hat in diesem Jahr so stark den PlayStation-Kosmos durchgerüttelt, wie das vor wenigen Wochen angekündigte Disc-Aus. Ab Anfang 2028 werden keine neuen Spiele mehr in einer physischen Version für die Konsolen von Sony erscheinen.

Seit Bekanntwerden wird die Entscheidung nicht nur kritisch kommentiert, vielmehr weht in den sozialen Medien ein Shitstorm sondergleichen über Sony hinweg.

Jetzt hat sich in einem sehr informativen und überaus sehenswerten Erklärvideo auch Alanah Pearce zur Thematik geäußert und sagt, dass eure (berechtigte) Kritik nichts an der Entscheidung von Sony ändern wird. Mehr noch. Pearce, die von 2020 bis 2024 bei Santa Monica Studio als Game Writer an der Entwicklung von God of War Laufey beteiligt war, sagt, dass selbst die Bekanntgabe des Disc-Aus für Sony ein Erfolg war.

Das Disc-Aus als Kurstreiber

An der Stelle stellt sich natürlich die Frage, wie ein solch massiver Backlash am Ende einen positiven Effekt für Sony haben konnte. Schließlich sind selbst Wochen nach der Bekanntgabe des Disc-Aus die Kommentarspalten unter Beiträgen und Videos von PlayStation noch immer von massiver Kritik geprägt.

Auch die Petition "Don't kill the Disc" verzeichnet mittlerweile unglaubliche 337.000 Unterschriften.

Video starten 1:03:29 PlayStation und Xbox werden nie wieder dasselbe sein

Doch für Sony ist vor allem die langfristige strategische Ausrichtung und der damit verbundene Profit entscheidend. Und damit eng verbunden, ihr ahnt es vielleicht, ist der eigene Aktienkurs und konkreter die Meinung derer, die Anteile am Unternehmen halten – die Shareholder.

Zur Wahrheit gehört nämlich auch, dass der Aktienkurs von Sony im vergangenen Jahr rund 19% seines Wertes eingebüßt hat. Und das, wie auch Alanah Parce unterstreicht, obwohl das Geschäftsjahr als überaus profitabel angesehen werden kann. Misserfolge im Bereich der Live-Service-Spiele zum Trotz.

"Ein signifikanter Erfolg"

Das Disc-Aus fand am Markt jedoch großen Anklang und Shareholder quittierten die Entscheidung mit einem Anstieg des Aktienkurses von 7 Prozent, was laut Pearce als "signifikanter Erfolg" für Sony angesehen werden kann.

Ihr merkt: Hier geht es nicht ums Gaming. Hier geht es um Finanzen, um Zahlen. Darum, die "richtigen" Personen mit Business-Entscheidungen zu überzeugen.

Entscheidung unter strengster Geheimhaltung

Wie prekär die Kommunikation zum Disc-Aus war, hat Pearce aus Sony-internen Quellen erfahren. Demnach soll es rund um die Thematik die striktesten Guidelines und Restriktionen bezüglich dessen, was Mitarbeiter*innen sagen und vor allem, was sie nicht sagen dürfen, gegeben haben.

Sony wusste, dass es rund um die Ankündigung zu einem großen PR-Problem kommen würde und schaute deshalb genau, wer was sagt. Beziehungsweise nicht saght, denn im Falle von Sony bedeutete das größtenteils zu schweigen und den Shitstom auszusitzen.

Die Gründe für Sonys "neuen Weg"

Im Video geht Pearce auch auf die Gründe ein, die Sony in der jüngsten PS5-Ära zu manch unpopulärer Entscheidung bewegt haben. Entscheidungen, die uns als Spieler im Fall des Disc-Aus von der immer schwerer werdenden Erhaltung von Videospielen – und damit auch dem Erhalt von Kunst – bis hin zum Wegfall des Gebrauchtmarkts beeinflussen werden.

Bezogen auf das Disc-Aus sind die reinen Zahlen eindeutig, wie Pearce auch im Video aufführt: Digitale Spiele werfen laut Branchen-Insider Jason Schreier unter anderem durch den Wegfall der Produktion und die Distribution an Händler über 50 Prozent mehr Ertrag ab. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeuten soll, dass physische Versionen nicht profitabel sind oder nicht mehr gekauft werden.

God of War Laufey wird nach jetzigem Stand einer der letzten PlayStation-Blockbuster sein, die noch als Disc-Version erscheinen. God of War Laufey wird nach jetzigem Stand einer der letzten PlayStation-Blockbuster sein, die noch als Disc-Version erscheinen.

Als weiteren Grund geht Pearce auf die anhaltende Hardware-Krise im Zuge des KI-Booms ein, die sich auch auf den künftigen Preis der PS6 auswirken wird. Vorausgesetzt, Sony will keinen signifikanten Verlust beim Verkauf der Konsole in Kauf nehmen. Ein Preis von rund 1.000 Euro für die nächste PlayStation ist aktuell beileibe kein dystopisches Szenario mehr.

Das leidige Thema KI

Dass Sony für das Problem noch keine Lösung gefunden hat, so Pearce, verunsichert Shareholder massiv, was sich wiederum auf den Aktienkurs auswirkt. Dass Sony daher eine Fabrik, die täglich 600.000 Discs produziert, umfunktioniert und stattdessen vermehrt optische Mikrolinsen produziert, wird bei den Einsatzgebieten der Hardware-Komponente deutlich.

Zwar sind optische Mikrolinsen vielseitig einsetzbar – etwa in Kameras, VR-Headsets und medizinischen Gerätschaften – sie werden allerdings auch für KI-Datenzentren benötigt.

Und wo wir gerade beim Thema der künstlichen Intelligenz sind. GenAI, also einfach formuliert künstliche "originelle" Inhalte auf Basis erlernter Muster, will Sony ebenfalls fördern. Also die Technologie, die laut Alanah Pearce ironisch "zukünftig alle Probleme lösen soll" – was Shareholder ebenfalls ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Ein Zurückrudern von Sony ist unwahrscheinlich

Gegen Ende des Videos macht die ehemalige Santa Monica Studios-Mitarbeiterin auch nochmal deutlich, dass Sony Disc-Versionen nicht weiter als nötig erachtet, um seine langfristigen Ziele zu erreichen. Auch, weil Shareholder solche umstrittenen Entscheidungen "belohnen, sobald sie publik werden".

Um euch nicht mit solch wenig erbaulichen Zukunftsaussichten zu entlassen, sei an der Stelle noch etwas festgehalten. Am Ende entscheiden eure Geldbeutel darüber, wie weit Sony gehen kann und wo die Grenzen liegen.

Schreibt eure Meinung zu den Aussagen von Alanah Pearce gerne in die Kommentare. Nur eine Bitte: Achtet bei all der hitzigen Diskussion rund um das Disc-Aus bitte wie gewohnt auf die Nettiquette. Danke euch!


Kommentare(1)
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