Sonys Disc-Aus hat ganz üble Folgen und dank SpongeBob vergesse ich sie ganz sicher nicht

Man kann viel von SpongeBob lernen, zum Beispiel wie wichtig zufriedene Kundschaft ist. Etwas, das Sony in Sanels Augen völlig vergessen hat.

Wie wichtig zufrieden Kundschaft ist, hat Sony in Sanels Augen völlig vergessen. Wie wichtig zufrieden Kundschaft ist, hat Sony in Sanels Augen völlig vergessen.

Das Unternehmen, das ironischerweise dank der CD-Technologie mit der ersten PlayStation seinen Durchbruch auf dem Videospielmarkt hatte, kehrt physischen Spielen ab 2028 den Rücken zu. Sonys Disc-Aus ist ein viel diskutiertes Thema, das gerade an niemandem vorbeigeht. 

Seit der Hiobsbotschaft muss der offizielle X-Kanal von PlayStation einen Seitenhieb nach dem anderen hinnehmen – von der Spielerschaft ebenso wie von Unternehmen wie Domino’s Pizza.

Und das hat sich Sony auch ein gutes Stück selbst zuzuschreiben. Die gesamte Situation ist so absurd wie so manche SpongeBob-Folgen. Sony schlüpft dabei in die Rolle von niemand Geringerem als Mr. Krabs. Mal hat er geniale Einfälle wie die Krosse-Krabbe-Pizza. Doch dann wiederum verkauft er SpongeBobs Seele für 62 Cent. Sein Verhalten lässt sich – natürlich etwas übertrieben dargestellt – auch auf Sonys Schritt, die Disc abzuschaffen, übertragen.

85 Prozent kaufen Spiele digital? Algengrütze!

Im dazugehörigen Blog-Post begründet Sony den Schritt mit sich verändernden Verbrauchertrends und sagt, dass die Flexibilität beim Spielekauf dennoch beibehalten wird. Gleichzeitig wird jedoch eine der einfachsten Optionen dafür gekillt. Aber warum? 

Vielleicht aus Bequemlichkeit. Vielleicht aus Liebe zur Umwelt. Die Zahlen lügen jedenfalls nicht: Immer mehr Menschen greifen lieber zu digitalen Spielen. Laut einem Finanzbericht von Sony sogar 85 Prozent. Diese Statistik ist aber etwas… nun ja, verzwickt: Denn grundsätzlich sind viel mehr Spiele digital als physisch erhältlich.

Laut dem kanadischen Youtuber Canadian Guy Eh befinden sich 1.120 Spiele auf Disc im Umlauf, also über 6.300 weniger als es digital gibt:

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Zudem gab es zum Launch einen extremen PS5-Mangel, sodass man sich glücklich schätzen konnte, wenn man eine ergattern konnte – mit oder ohne Laufwerk. Deswegen besaß ich anfangs nur eine digitale Konsole. Aber auch der weiterhin günstigere Einstiegspreis der PlayStation- und Xbox-Konsolen ohne Laufwerk dürfte sicherlich für manche verlockend sein.

Das Disc-Aus wirkt daher eher wie eine etwas zurechtgelegte Ausrede. Denn Fakt ist: Selbst wenn nur 15 Prozent aller Spieler*innen physische Spiele kaufen würden, sind das nicht wenige Menschen, die Sony bald ausschließt. Menschen, die ihre Spiele sammeln wollen. Oder Menschen, die schlechtes Internet haben.

Video starten 55:50 Banger oder Bruchlandung: Zwischen God of War Remake und der großen PlayStation-Leere

Die eigentlichen Folgen gehen aber sogar darüber hinaus und betreffen jeden von euch. Denn Sony schießt mit dem Schritt gegen die eigene Kundschaft – und macht damit genau das Gegenteil von dem, was SpongeBob in der Krossen Krabbe lernt.

In der Episode “Das Ausbildungsvideo” lernt der Schwamm mit P.O.O.P. (People Order Our Patties) nämlich, wie wichtig Kundschaft ist. Und weil ich das Akronym so dämlich wie genial finde, habe ich es weitergesponnen. P.O.O.P. ist ab jetzt meine Eselsbrücke für die ärgerlichen  Folgen von Sonys Disc-Aus.

Das bedeutet für mich P.O.O.P. im Hinblick auf Sonys Disc-Ende

P wie Pricing

Fällt die Disc weg, entfällt auch das Preis-Dumping durch den Einzelhandel. Ohne diesen Preiswettbewerb drohen uns ab 2028 künstlich hohe Preise im PlayStation Store – von eingesparten Disc-Kosten werden wir realistisch gesehen nichts spüren. Schließlich erscheinen digitale Spiele aktuell zum gleichen Preis wie die Disc-Variante, wobei Letztere oft schneller und häufiger günstiger werden.

Während PC-Spieler auf unterschiedliche Stores und Keyseller ausweichen können, kontrolliert Sony auf seiner Konsole den gesamten Preismarkt. Wenn es Spiele also nur noch im PlayStation Store gibt, stirbt auch der Gebrauchtmarkt: Kein Kaufen, kein Verkaufen, kein Verleihen an Freunde.

O wie Ownership

Das Timing von Sonys Ankündigung ist bitterböse Ironie: Nur Tage zuvor gab Sony bekannt, über 550 digitale Filme und Serien aus den Bibliotheken der User zu löschen – ohne Rückerstattung. Eine erneute Erinnerung, was das Kernproblem digitaler Produkte ist: Man besitzt sie nicht, sondern erwirbt nur eine Nutzungslizenz. Ein gekauftes digitales Spiel kann jederzeit unspielbar werden, wohingegen physische Spiele meist zeitlos funktionieren… vorausgesetzt, das Spiel ist wirklich auf der Disc, ohne fiesen Kopierschutz oder Day-1-Patch.

Service-Tipp: Auf der Seite DoesItPlay? könnt ihr sehen, ob ein Disc-Spiel ohne weitere Downloads gespielt werden kann.

Sanel Rihic
Sanel Rihic

Über den Autor: Als PlayStation-Kind erinnert sich Sanel, wie er damals zerkratzte Discs mehrfach anhauchte, sie mit Zahnpasta einschmierte und den Konsolenlaser mit Alkohol reinigte. Er hätte selbst nicht gedacht, dass ihm diese Frickelei irgendwann lieber wäre als Sonys digitale Zukunft.

O wie Offline

Parallel zum Disc-Aus kündigte Sony an, die Server der PS3 und der PS Vita abzuschalten. Erworbene Spiele lassen sich dann zwar noch herunterladen und spielen – laut Sonys Mail an alle Kunden aber mit dem Zusatz “auf absehbare Zeit”.

Mein Vater spielt noch sehr gern auf der PS3 und auch ich zocke hin und wieder alte Games erneut durch. Ich bin daher froh, Klassiker wie GTA 4 auf Disc zu besitzen, doch Perlen wie Der Puppenspieler, die ich rein digital besitze, könnten nach Ablauf dieser “absehbaren Zeit” verschwinden.  Dasselbe Schicksal dürfte dann irgendwann auch unsere digitalen PS4- und PS5-Spiele ereilen.

P wie Preservation

Und dann ist noch die langfristige Erhaltung von Videospielen gefährdet. Laut einer Studie sind 87 Prozent aller Spiele nicht mehr auf offiziellem Weg verfügbar. Ein wichtiges Thema, das durch Initiativen wie das GOG Preservation Program und Stop Killing Games an Aufwind gewinnt. Während ich mir Der Puppenspieler notfalls als Disc holen kann, gibt es viele rein digitale Spiele, die ich nach ihrer Abschaltung nie mehr zocken könnte. Es ist bedauerlich, dass die Videospielindustrie den Erhalt ihrer eigenen Geschichte so sehr vernachlässigt.

Ihr seht also: Aus dem ursprünglichen P.O.O.P.-Gedanken, also die eigene Kundschaft wertzuschätzen, macht Sony mit der Abschaffung der Disc das genaue Gegenteil. Die Konsequenz sieht man ebenso schön in SpongeBob, wenn Mr. Krabs’ Geiz gerne auch mal nach hinten losgeht.

“Play Has No Limits” ist echt schlecht gealtert

Ich erinnere mich gern an den legendären Moment zurück, als Sony mit einem Kontervideo gegen Microsoft demonstrierte, wie einfach das Teilen von PS4-Spielen mit Freunden im Vergleich ist. Diese Zeiten sind vorbei! Und der Grund sind nicht bloß Trendverschiebungen: Sony macht schlicht viel mehr Gewinn mit digitalen als mit physischen Spielen. Es geht wie immer um Geld – das lehrte uns schon Mr. Krabs.

Und dieser Wandel könnte für die PS6 vieles bedeuten: Spiele – ich meine Spiellizenzen – könnten bald alle 80 Euro oder mehr kosten, ohne Aussicht auf Angebote durch den freien Handel. Getauscht werden kann dann auch nicht mehr. Und um alte Spiele zu spielen, muss dann vielleicht auch noch ein separates Laufwerk zusätzlich zur ohnehin wahrscheinlich teuren PS6 gekauft werden. 

Jetzt wäre eigentlich die perfekte Konter-Gelegenheit für Microsoft, um in einem neuen Konsolenkrieg zu punkten. Warum uns das einst leidige Thema heute sogar hilfreich sein könnte, erkläre ich euch im oben verlinkten Artikel. Ich befürchte jedoch, dass die Xbox Project Helix genauso auf rein Digital setzt. Selbst Nintendo bewegt sich mit seinen virtuellen Softwarekarten und “physischen” Game-Key-Cards schrittweise dorthin.

Mir fällt es daher extrem schwer, mich auf die nächste Konsolengeneration zu freuen. Vielleicht bewirken der Protest der PlayStation-Fans, ein Boykott und Petitionen noch etwas. “Don’t Kill the Disc” verzeichnet immerhin schon über 300.000 Stimmen. Zudem scheint der weltweite politische Widerstand langsam zu wachsen. Aber selbst wenn Sony mit seiner Entscheidung zurückrudern würde, glaube ich nicht, dass dieser “Fauxpas” so schnell vergessen wird. Immerhin kann ich über die vielen SpongeBob-Memes lachen, die mir in den Feed gespült werden.

Wie ist es bei euch? Werdet ihr euch die PS6 überhaupt holen, wenn Sony das Disc-Aus durchzieht?


Kommentare(2)
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