Warum wir Gran Turismo 7 auf Metacritic nicht abwerten

In der Community kam die Frage auf, warum unsere Abwertung von GT7 nicht auch auf Metacritic erfolgte. Daher verraten wir euch, wie die Seiten funktionieren und warum eine Abwertung nachträglich nicht mehr möglich ist.

von Dennis Michel,
23.03.2022 16:30 Uhr

Im Zuge unserer gestrigen Abwertung von Gran Turismo 7 kam innerhalb der GamePro-Community die Frage auf, warum auf Metacritic nach wie vor eine Wertung von 88 Punkten angegeben wird, dort also kein Abzug erfolgte.

Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, erfahrt ihr hier nicht nur den Grund dafür, sondern auch, wie das Wertungssystem hinter der Aggregator-Website funktioniert und auch, wie die Einreichung einer Testwertung von GamePro abläuft.

Was ist Metacritic? Hier werden Tests von Magazinen und Blogs ab einer gewissen Reichweite und Größe übersichtlich auf Produktseiten aufgelistet, zudem entsteht eine internationale Wertung auf einer Skala von 0-100 Punkten für das jeweilige Spiel. Registrierte Benutzer haben zudem die Möglichkeit, eine Rezension zu schreiben, das Spiel also ebenfalls zu bewerten. Daraus entsteht gleich dem Presse-Score ein User-Score. Neben Games werden auf Metacritic auch Filme, Serien, aber auch Musikalben bewertet.

Warum könnt ihr eure Metacritic-Wertung nicht anpassen?

Kommen wir zur wichtigsten Frage zuerst, die auf einer recht simplen Antwort beruht: Wertungen können seitens der Magazine lediglich ein einziges Mal eingereicht werden, was in aller Regel – so auch bei Gran Turismo 7 – zum Fall des Testembargos wenige Tage vor Release geschieht. Die eingereichte Wertung von 88 Punkten, wie auch das Zitat aus dem Test, sind somit fix und können nachträglich nicht mehr geändert werden. Für Klarheit hat Kollege Tobi bei Metacritic nachgefragt, ob diese Regel weiterhin Bestand hat:

Danke Tobi und ja, das ist korrekt. Wir nehmen lediglich die erste offizielle Wertung. Sollte aber beispielsweise eine Special-Edition erscheinen, erstellen wir für sie eine neue Seite.

Warum sind Anpassungen nicht erlaubt? In einem ausführlichen FAQ nennen die Betreiber von Metacritic auch den Grund, warum nachträgliche Anpassungen nicht erlaubt sind. So sollen spätere äußere Einflüsse auf die testenden Personen nicht gewertet werden. Sinngemäß steht im entsprechenden Absatz "Magazine wurden unter Druck gesetzt, um Wertungen nachträglich anzupassen, um äußere Einflüsse zu befriedigen". Damit sind zum einen Publisher und Entwickler, aber auch der Druck der Spieler*innen gemeint.

Das ist zum einen so traurig wie verständlich, gibt im Falle einer späteren positiven wie negativen Änderung am Spiel, wie im Fall von Gran Turismo 7, aber auch nicht die Möglichkeit den aktuellen Zustand des Spiels auf Metacritic anzugleichen. Im Falle von Cyberpunk 2077, das zum Fall des Test-Embargo ausschließlich auf PC getestet wurde, entsteht so zudem mit Blick auf die Konsolenversion ein verzerrtes Bild. Auch, da pro Outlet nur eine Wertung eingereicht werden darf.

Wie wertet Metacritic?

Oft wir fälschlicherweise angenommen, dass Metacritic schlicht den Mittelwert aus allen eingereichten Wertungen nimmt. Bedeutet: werten zehn Outlets mit einer 10/10, zehn andere mit einer 0/10, resultiert daraus ein Score von 50 Punkten. Das ist aber falsch!

Wertung wird gewichtet: Zwar hält Metacritic die gültige Formel unter Verschluss, kommentiert die Frage auf die Preisgabe der Gewichtung der einzelnen Seiten nur mit einem "Absolut nicht", folgendes offizielles Statementist jedoch bekannt:

Der Metascore ist ein gewichteter Durschnitt, in dem wir einigen Kritiken und Publikationen basierend auf ihrer Qualität und ihrem Format mehr Relevanz und Gewicht verleihen.

Daher ist es sehr wahrscheinlich, das der Score von internationalen Größen wie IGN, Game Informer und Co. aufgrund ihrer höheren internationalen Reichweite höher gewichte, kleinere Blogs hingegen weniger stark gewichtet werden. Welche Kritiken zugelassen werden, wird seitens Metacritic übrigens einmal im Jahr bestimmt.

Wie kommuniziert GamePro die Wertung an Metacritic?

Abschließend will ich euch noch einen kleinen internen Einblick gewähren, der zwar wenig komplex, für manchen unter euch aber vielleicht ganz interessant ist. Vorab die Info darüber, wie GamePro generell wertet.

Wie entsteht die GamePro-Wertung? Entgegen mancher Annahme, haben die Wertungen auf GamePro nichts mit folgendem Bild gemein:

Vielmehr obliegt die jeweilige Wertung der Testerin bzw. dem Tester des jeweiligen Spiels. Im Fall von GT7 also Tobi. Wird das Spiel von mehreren Personen gleichzeitig getestet – GT7 haben beispielsweise Tobi und ich vor dem Release gespielt – sprechen wir natürlich über die finale Wertung. Zudem muss bei der Korrektur darauf geachtet werden, dass der geschriebene Artikel zur Wertung passt. Um die Korrektur der Tests kümmern sich bei GamePro in erster Linie Kai und Markus, aber auch GamePro-Chefredakteurin Rae.

Eine ausführlichere Erklärung, warum das Genre, der Kontext und vieles mehr bei der Wertung ebenfalls eine Rolle spielen, findet ihr übrigens in unserem GamePro-FAQ.

Einreichung bei Metacritic: Der Prozess ist recht schnell erklärt. Wenn die Wertung , das kurze Testfazit aus dem Wertungskasten und die URL der Testseite feststehen, übermittelt Tobi die Infos per Mail an die Betreiber von Metacritic. Geschieht das nicht, da Tobi es vergessen hat oder andere Umstände eingetreten sind, zieht sich die Seite die Informationen auch selbst. Auf Open Critic geschieht der Prozess generell vollautomatisch. Es kommt zudem des Öfteren vor, dass Metacritic die GamePro auch vorab anfragt, ob ein Test zu einem bestimmten Spiel verfasst wird.

Habt ihr noch Fragen rund um Metacritic und Tests auf GamePro, dann immer her damit.

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