Die PS1 von LEGO hat mich mit nur einem Detail in meine Kindheit zurückversetzt

Chris hatte zwar nie eine eigene PlayStation 1, das neue Set von LEGO hat ihm aber trotzdem einen gewaltigen Nostalgie-Flash verpasst.

Da ist der kantige Kasten also – etwas anders als früher, aber immer noch so kultig. Da ist der kantige Kasten also – etwas anders als früher, aber immer noch so kultig.

Meine Eltern waren damals sehr konsequent: Eine Konsole durfte ich besitzen, mehr nicht. Und da ich mich schon ziemlich früh durch den Game Boy und den NES in die bunten Spiele von Nintendo verliebt habe, stand bei mir Mitte der 90er ein SNES, einige Zeit später dann ein N64.

Dennoch ist die PS1 nicht an mir vorbeigegangen, denn Junge … Habe ich mich gefreut, wenn wir bei der Familie meiner Mutter zu Gast waren! Meinem Großcousin gehörte damals nämlich eine PlayStation 1 und als euphorischer Achtjähriger konnte ich einfach nicht anders, als mich auf den klobigen, dunkelgrauen Kasten zu stürzen und stundenlang "Erwachsenenspiele" wie Tekken 3, Tomb Raider 2 und Gran Turismo zu zocken.

Und auch, wenn ich selbst nie eine PS1 mein Eigen nannte, habe ich beim Bau der neuen, am 4. Oktober erscheinenden LEGO-Variante gemerkt, wie unzählige nostalgische Erinnerungen in mir hochkamen. Und das vor allem wegen eines eigentlich ziemlich unscheinbaren, aber umso genialeren Details.

Chris Werian
Chris Werian

Chris hatte in seiner Kindheit zwar ein wenig mit LEGO gespielt, hing aber irgendwann viel mehr an der Konsole. Vor kurzem kam das Interesse an Klemmbausteinen wieder ein wenig auf, weshalb er es auch nicht abwarten konnte, beide Hobbys miteinander zu kombinieren.

Die Disc-Mechanik macht für mich den Unterschied

Jetzt habe ich sie also: die LEGO-PS1. Gebaut aus 1.911 Teilen, von denen aber auch viel in den wirklich kleinsten Kleinkram geflossen ist. Der Teilepreis liegt bei dem 160 Euro-Set bei etwa 8 Cent, was im LEGO-Kosmos fast schon ein Schnäppchen ist. Aber wie gesagt – in den Tütchen liegen locker über 1.000 Mini-Steinchen, der "günstige" Preis wird dadurch ein gutes Stück relativiert.

Weitere Eckdaten zur LEGO-PlayStation
  • Set-Nummer: 72306
  • Gewicht: 1.349 Gramm (1.187 Gramm ohne Controller)
  • Maße (B x H x T): 26,7 cm x 6,5 cm x 19,4 cm (Konsole) / 15,6 cm x 5,4 cm x 10 cm (Controller ohne Kabel)
  • Bauabschnitte: 14
  • Bauschritte: 422 auf 259 Seiten

Das fertige Set entspricht laut LEGO ziemlich genau den Maßen einer richtigen PS1 und wartet mit vielen coolen Details auf: An der Front finden sich etwa zwei mit dem Memory Card-Schriftzug bedruckte Steine, darüber dann die 1 und die 2 für die jeweilige Spieler*innennummer.

Die Seiten sind außerdem wie beim Original gezackt und an der Rückseite finden sich zwei Ports für den seriellen Anschluss und den Multi-AV-Out sowie ein kleiner metallisch anmutender Stromanschluss.

Hier könnt ihr euch noch weitere Details dazu anschauen, die ich euch in einem zusammenfassenden Video zeige:

Video starten 3:57 Chris hat für euch die kommende LEGO-PS1 gebaut und zeigt sie euch im Detail

Das Beste ist für mich aber die Oberseite: Dort gibt es bedruckte RESET-, POWER- und OPEN-Knöpfe, von denen zwei tatsächlich eine Funktion haben. Der Power-Button senkt sich beim Drücken zum Beispiel ab und fährt ein kleines Stäbchen nach oben, das symbolisieren soll, dass die Konsole eingeschaltet ist. Das ist ganz nett, ein richtiger LED-Stein wäre aber sicherlich die bessere Wahl dafür gewesen.

Viel besser ist da schon der Open-Knopf, denn wenn er betätigt wird, geht der Deckel der Klemmbausteinkonsole schön langsam auf, genau wie bei einer richtigen PS1. Das wird über zwei Stoßdämpfer erreicht, deren Federn sich beim Öffnen gemächlich strecken.

Der Mechanismus dahinter ist ziemlich simpel, aber durch die Langsamkeit des Vorgangs kam bei mir direkt ein Gefühl wie vor knapp 30 Jahren auf. Ein neues Spiel aus der Hülle klauben, den Deckel im Schneckentempo öffnen und rein damit.

Einfach total befriedigend und für mich damit das klare Highlight des Sets! Abgerundet wird die Oberseite von einem SONY-Schriftzug und dem PlayStation-Logo als Prints, hier hat LEGO also alles richtig gemacht.

Spielwelten statt Chips und Platinen

Ein bisschen zwiegespaltener bin ich hingegen beim Innenleben der LEGO-PS1. Die imitiert nicht die Elektrik oder die Platine des Originals, stattdessen stecken zwei kleine Dioramen links und rechts in der Konsole, die sich an den Seiten über Schienen herausziehen lassen.

Das sind die beiden Dioramen:

  • Gran Turismo: Es wird eine kleine Rennstrecke mit Zelten, Leitplanken, Bäumchen und Schildern abgebildet, auf der Fahrzeuge im Nano-Format platziert werden können.
  • Ape Escape: Eine kantige Strandszene mit Palmen, einem angedeuteten Briefkasten, Bananenmünzen und einer Affenstatue.

Gran Turismo Die weißen Schildchen und die Curbs sind leider geklebt, aber mir gefällt der Detailgrad im Diorama.

Ape Escape Cool: Wenige Sticker und die bedruckten Bananenfelder. Weniger cool: Der affengesichtige Klotz (Wieso keine richtigen Figuren?) und der durch das Wasser durchscheinende Unterbau des Dioramas.

Die LEGO-gewordenen Spielwelten sind ganz putzig gemacht und im Falle von Gran Turismo ist der Detailreichtum auch durchaus gelungen, wobei der Streckenverlauf keiner Piste aus dem Spiel entspricht. Fairerweise wäre es bei der kompakten Größe aber auch nicht machbar gewesen, einfach mal den kompletten Deep Forest Raceway nachzustellen.

So richtig enttäuscht war ich beim Rennspieldiorama eigentlich nur von den vielen Stickern an Leitplanken, Schildern und Curbs. Ich habe grundsätzlich sehr unruhige Hände, weshalb es einem Glücksspiel gleichkommt, einen Aufkleber hier gerade anzubringen. Und so sieht es jetzt auch großteilig bei mir aus, da ist so einiges leicht schief geworden.

Das Weiß des Stickers passt nicht exakt und die Klebekante ist auch deutlich sichtbar. Zudem ist es maximal friemelig, die Aufkeber auch nur halbwegs gerade aufzutragen. Das Weiß des Stickers passt nicht exakt und die Klebekante ist auch deutlich sichtbar. Zudem ist es maximal friemelig, die Aufkeber auch nur halbwegs gerade aufzutragen.

Zudem hat LEGO nicht den altweißen Ton der Plastiksteine getroffen, auf denen die Sticker angebracht werden, sondern ein offensichtlich helleres Weiß verwendet. Das Ergebnis sieht dann nicht mehr so homogen wie bei den Prints außen an der Konsole aus.

Darüber hinaus kam bei mir unweigerlich die Frage auf: Ist Ape Escape wirklich eines der Spiele, das ich mit der PS1 verbinde? Gran Turismo ist als meistverkauftes PlayStation 1-Spiel natürlich über jeden Zweifel erhaben, Ape Escape rangiert in den Verkaufs-Charts aber nur auf Platz 75 (via Wikipedia).

Versteht mich nicht falsch, es ist definitiv ein historisch wichtiger PS1-Titel, aber für mich definiert sich die PS1-Ära vor allem über Titel wie Spyro the Dragon, Crash Bandicoot, Metal Gear Solid, Resident Evil, Final Fantasy 7, Tekken 3 und Co.

Da diese Marken aber Third-Party-Publishern gehören, hätte wahrscheinlich noch eine weitere Lizenz eingekauft werden müssen, während Ape Escape als vollständiges Sony-Exclusive quasi im Paket mit der PS1 erstanden werden konnte.

LEGO #72306 PlayStation 1
LEGO #72306 PlayStation 1
Klemmbausteinnachbau mit 1.911 Teilen
Die LEGO-PS1 kommt im 1:1-Maßstab mit einem anschließbaren Controller. Der Deckel lässt sich öffnen und die Anschlüsse entsprechen denen des Originals. Außerdem gibt es zahlreiche Prints auf den Steinen und zwei Dioramen mit den PS1-Klassikern Ape Escape und Gran Turismo.
159,99 €

Zu wenig Technik: Als Liebhaber von Retro-Konsolen bin ich zudem ein wenig enttäuscht darüber, dass nicht mehr von der eigentlichen Hardware im Inneren der ersten PlayStation als LEGO-Nachbau gezeigt wird. Immerhin war sie damals mit ihrem Push in Richtung 3D wegweisend und hat der Debüt-PlayStation ordentlich Schwung gegeben.

In der Klemmbausteinkonsole sind aber leider nur ein paar Transformatoren, Spulen und Kondensatoren in sehr einfacher Form angedeutet worden.

Gerade im Hinblick auf das seinerzeit neuartige Disc-Laufwerk hätte ich mir ein bisschen mehr Liebe zum Detail gewünscht, etwa eine modulare Platte unter dem CD-Deckel, auf der die Disc-Spindel und der Laser zu sehen sind.

Mattel hat bei der MEGA Bloks-Xbox 360 beispielsweise vorgemacht, wie gut sich solche kleinen mechanischen und elektrischen Komponenten in Klemmbausteine übersetzen lassen – schade, dass LEGO das hier nicht ähnlich angegangen ist.

Die größten Schwächen des PS1-Sets

Während die Dioramen beziehungsweise die fehlende Technik aber noch eine Geschmacksfrage sind, ist der beigelegte Controller in meinen Augen ganz grundsätzlich nicht gelungen. Tasten lassen sich zum Beispiel nicht drücken, so wie es beim LEGO-Game Boy der Fall ist, Fehlfarben stechen teilweise aus Lücken aus dem Inneren heraus und die Rückseite ist aufgrund der verwendeten 3x1-Steine voller Löcher.

Controller vorn Von vorn sieht der LEGO-PS1-Controller eigentlich ganz gut aus, auch wenn ich mir für das Steuerkreuz gezackte Spezialteile gewünscht hätte, die dem Original gleichen.

Controller hinten Die Rückseite hingegen... nun ja. Ganz schön viele Löcher, eine unschöne 2x3-Platte mit Negativnoppen und am Ansatz der Griffhörner scheinen auch noch ein paar nicht-graue Fehlfarben durch die Spalten.

Die Steuerkreuz-Tasten haben zudem nicht die kultige Zackenform vom Original und die Trigger eine seltsame Negativnoppe an der Spitze, die nicht gut aussieht. Zudem fehlt mir der typische, knubbelige Mantelwellenfilter kurz vor dem Stecker. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr hier:

Ganz grundsätzlich sind es beim Set eher die Sachen, die fehlen, die ich als Schwachpunkte deklarieren würde, da sie für mich eigentlich zur PS1 gehören:

  • auf dem Stecker des Controllers fehlt der Sony-Schriftzug
  • auf dem Controller fehlen L- und R-Bezeichnungen für die Schultertasten
  • neben dem Disc-Deckel fehlt das Compact-Disc-Logo
  • die Anschlüsse auf der Rückseite sind nicht beschriftet
  • die Kontakte der rückseitigen Ports hätten noch ein wenig mehr Gold vertragen
  • der verschließbare Parallel I/O-Port links an der Rückseite ist nicht da
  • im Ape Escape-Diorama wären kleine Äffchen als Figuren super gewesen
  • ein Rennfahrer oder Spike als Minifiguren hätten es abgerundet

Das mag jetzt pingelig erscheinen, aber bei einem Nachbau gehören solche Kleinigkeiten für mich einfach dazu. Genau wie auch das bunte PlayStation-Logo, der sich langsam öffnende Deckel, die drei Anschlüsse auf der Rückseite und der Memory Card-Schriftzug – all das sind Details, über die ich mich wie ein kleines Kind freue und die meine nostalgischen Gefühle für die PS1 wecken.

Da ist es dann schon ein wenig schade, wenn man weiß, dass ein paar zusätzliche Details das Bild wirklich abgerundet hätten.

Pro
  • befriedigender Deckel-Mechanismus
  • viele Prints auf der Konsole
  • Gran Turismo-Diorama ist sehr detailliert
  • Anschlüsse wurden toll für Klemmbausteine adaptiert
  • Controller kann richtig angestöpselt werden
  • klobiges Design der PS1 hervorragend umgesetzt
Kontra
  • Sticker wirken im Gran Turismo-Diorama billig
  • der Controller fällt bei der Originaltreue ab
  • Ape Escape als zweites Diorama ist nicht sonderlich spannend
  • einige Details der Konsole fehlen

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