Call of Duty: Modern Warfare 4 entfernt nach Protest der Hinterbliebenen echte Katastrophenbilder aus dem Spiel

Nach Protest von Hinterbliebenen will Activision echte Aufnahmen der Itaewon-Massenpanik am 12. November per Update aus Modern Warfare 4 entfernen.

Call of Duty: Modern Warfare 4 erzählt in der Kampagne von einer fiktiven nordkoreanischen Invasion Südkoreas – und zieht mit echten Bildern Unmut auf sich. (Bildquelle: Activision Infinity Ward) Call of Duty: Modern Warfare 4 erzählt in der Kampagne von einer fiktiven nordkoreanischen Invasion Südkoreas – und zieht mit echten Bildern Unmut auf sich. (Bildquelle: Activision / Infinity Ward)

In Seouls Ausgehviertel Itaewon drängten sich am 29. Oktober 2022 mehr als 100.000 Menschen zum Halloween-Feiern durch enge Gassen, fast 160 von ihnen starben in der Massenpanik.

Am vergangenen Donnerstag jährte sich das Unglück zum vierten Mal – und hat durch Call of Duty: Modern Warfare 4 neue Aufmerksamkeit bekommen, wie die BBC berichtet.

Echte Nachrichtenbilder als Kulisse eines fiktiven Krieges

Der neue CoD-Ableger versetzt euch nämlich in einen Krieg zwischen Nord- und Südkorea. In der Eröffnungssequenz zeigen echte Fernsehbilder der Katastrophe die Folgen eines erfundenen nordkoreanischen Angriffs. Zu sehen sind unter anderem Wiederbelebungsversuche, Menschen auf Tragen und Leichensäcke auf der Straße.

Video starten 9:57 Die Kampagne von CoD: Modern Warfare 4 bricht mit wirklich allem!

In einer gemeinsamen Erklärung zeigten sich die Familien der Opfer entsetzt. Die verzweifelte Lage, in der viele Passant*innen per Herzdruckmassage halfen und Verletzte auf der eisigen Straße lagen, sei zur Spielszene gemacht worden.

Ein solches Ereignis als Material für ein Unterhaltungsspiel zu verwenden, sei an sich unangemessen und sinnlos; wer Mitgefühl habe, müsse unverzüglich handeln. Helfer*innen und Zeug*innen leiden bis heute unter Traumata, heißt es weiter.

Aus der Spielerschaft kam ebenfalls Kritik: Eine koreanische Verbraucherorganisation verlangte eine Erklärung, eine Entschuldigung und den Austausch des Materials, warnte laut SBS aber vor pauschalen Zensurforderungen gegen das Spiel.

Erst Verteidigung, dann Entschuldigung

Activision bestätigte zunächst, für Modern Warfare 4 echtes Nachrichtenmaterial genutzt zu haben, um die fiktive Handlung aufzubauen.

  • Man habe weder auf Itaewon noch auf eine andere reale Tragödie anspielen oder sie verharmlosen wollen, sagte ein Sprecher laut der BBC.
  • Zum Wunsch, die Szene aus Modern Warfare 4 zu entfernen, äußerte sich das Unternehmen anfangs allerdings nicht.

Am Freitag folgte die Kehrtwende: Activision sprach den Opfern und Familien Beileid aus, entschuldigte sich und bestätigte die Entfernung. Die »10.29 Itaewon Disaster Bereaved Families Association« begrüßte die Entscheidung, erklärte aber gegenüber der BBC, von Activision keine direkte Entschuldigung bekommen zu haben.

Ein Spiel mit heiklem Setting

Schon vor dem Streit um die Szene stand Modern Warfare 4 in der Kritik, weil es einen nordkoreanischen Angriff auf Südkorea zum Thema macht. Beide Staaten befinden sich technisch weiter im Kriegszustand: Die Kämpfe endeten 1953; einen Friedensvertrag gab es aber nie.

Hätte Modern Warfare 4 von Anfang an auf echte Szenen verzichten sollen oder findet ihr, dass Spiele auch Material aus der Realität beziehen sollten?


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