In der modernen Anime-Ära gibt es immer weniger kontinuierlich laufende Serien; stattdessen dominiert das Staffel-System mit jeweils 12 Folgen. Selbst One Piece ist auf ein saisonales Format gewechselt, wenn auch mit mehr Folgen pro Season.
Für Goro Taniguchi, der als Regisseur für One Piece Red und Code Geass verantwortlich war, ist dieser Boom kürzerer Staffeln ein Auslöser für grundlegende Probleme in der Anime-Industrie. Bei einem Vortrag an der Keio University (via Asahi Shimbun) nannte er hier fehlende Regie-Kontrolle sowie den Zerfall eines Ausbildungssystems für Nachwuchskräfte.
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Wenn alle eigenständig kochen, wird Anime zur Fast-Food-Produktion
Um seine Aussagen zu verbildlichen, vergleicht Taniguchi moderne Anime-Serien mit "Junk Food": auf ersten Bissen stimulierend, aber ohne dauerhafte Substanz.
So richtet sich der Kern der Kritik gegen Regisseur*innen, die keine klaren Prioritäten setzen und damit verschiedene Produktionsabteilungen unkoordiniert nebeneinander arbeiten lassen.
- Als konkretes Beispiel nennt er "Directors of Photography" (also die Kameraleute, die dem Anime-Regisseur unterstellt sind), die auf Social Media sogenannte Vorher-Nachher-Vergleiche ihrer Nachbearbeitungen veröffentlichen.
- Taniguchi selbst sei "nichts peinlicher". Denn viele dieser Posts seien keine Demonstration kreativer Eigenleistung – sondern verdeckte Korrekturen von Defekten im Ausgangsmaterial, weil der Regisseur keine Vorgaben gemacht habe.
Das Ergebnis, wenn alle Dinge auf eine unzusammenhängende Weise tun, ist Junk Food. Wenn das ihre beabsichtigte Art war, es zu machen, ist das in Ordnung. Aber das ist es nicht – es ist Junk Food, das als Ergebnis des Prozesses entsteht. Das ist gefährlich.
Taniguchi: Seit 2005 bricht die Nachwuchs-Ausbildung zusammen
Als strukturellen Auslöser benennt Taniguchi den Boom sogenannter "One-Cour"-Staffeln. Dabei handelt es sich um Serien mit etwa elf bis dreizehn Episoden, die rund ein Vierteljahr laufen. Vor 2005 war demnach der "Two-Cour"-Standard mit 24 bis 26 Episoden die Norm.
- Das Ergebnis dieser Entwicklung laut dem Regisseur: Das Ausbildungssystem unter den Studio-Mitgliedern brach zusammen, da man so an maximal drei Episoden beteiligt sein könne.
- Das sei schlicht zu wenig, um handwerklich etwas zu lernen – das Feedbacksystem zwischen Hauptregisseur*in und Episodenregisseur*in funktioniere nicht mehr.
Einen Ausweg erkennt Taniguchi nur bei Studios, die Langzeit-Kinderprogramme produzieren: Er nennt Toei Animation (Dragon Ball, One Piece), TMS Entertainment (Detektiv Conan) und Shin-Ei Animation (Doraemon, Shin-chan) als positive Ausnahmen.
Habt ihr das Gefühl, dass kürzere Staffeln die Qualität von Anime beeinflusst haben – oder seht ihr das anders als Taniguchi?
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