Eigentlich sollte man meinen, dass nach 26 Jahren so gut wie alles zur meistverkauften Konsole aller Zeiten bekannt ist. Dem ist aber nicht so, denn die PS2 verbirgt nach all der Zeit immer noch etliche Geheimnisse. Etwa zum sogenannten MechaCon-Chip, der erst jetzt vollständig ausgelesen werden konnte.
PS2-Experte ätzt vier Jahre lang PS2-Chips auf
Das ist der MechaCon: Die Funktion des besonderen Chips lässt sich grundsätzlich aus seinem Namen ableiten – der mechanische Controller steuert das DVD-Laufwerk der PlayStation 2, also den Laser und auch den Schlitten, an dem dieser befestigt ist. Darüber hinaus ist im Chip aber auch ein Prozessor verbaut, der die bekannte MagicGate-Verschlüsselung der Konsole steuert, sprich eingelegte Discs verifiziert, genau wie Memory Cards und Festplatten.
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Die später ab der 50.000er-Revision verbauten "Dragon"-Varianten konnten bereits ausgelesen werden, da sie auf geläufiger ARM-Technik basieren. Bei der klobigeren Ur-PS2 wurde der Firmware-Code aber noch physisch in den SCP970-Prozessor gebrannt, er konnte also bis dato nicht vom Chip gezogen werden.
Das ist jetzt passiert: Der kanadische Software-Entwickler und Reverse Engineering-Experte Darren Thompson hat vier Jahre lang daran gearbeitet, an die frühen Firmware-Versionen der MechaCon-Chips heranzukommen. Dafür hat er unter anderem die die schützenden Schichten über dem blanken Silizium des SCP970-Prozessors chemisch weggeätzt und die darunter liegenden Strukturen per Mikroskop abfotografiert, um sie zu studieren.
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Die Bilder beschreibt er als "messy", jedoch lieferten sie einem weiteren Hardware-Kenner, online als "Libby" bekannt, einen entscheidenden Hinweis, um an einer Software-Lösung namens Mecha-LIBeration zu arbeiten. Damit kann die Firmware von MechaCon gezogen werden, allerdings wird dabei der ursprüngliche Prozessor irreparabel beschädigt.
Den beiden war das jedoch egal. Bis auf einige australische Versionen (der MechaCon hat regionsspezifische Varianten) haben sie in ihrer Datenbank alle PS2-MechaCon-Firmwares archiviert.
Was lässt sich jetzt damit anstellen?
Da sich die Funktionsweise der frühen MechaCon-Versionen nun anhand des freigelegten Codes untersuchen lässt, ist es denkbar, dass die MagicGate-Verschlüsselung von Arcade-Automaten knacken werden könnte, die auf PS2-Hardware basieren. Etwa vom Konami Python-Board, auf dem einige Golf- und Billiard-Spiele basieren:
Diese Titel könnten somit endlich vollständig archiviert und spielbar gemacht werden. Darüber hinaus ist es denkbar, dass unter Zuhilfenahme der Daten ein sogenannter Optical Drive Emulator (ODE) entwickelt werden könnte oder sie eventuell bei der Entwicklung helfen. Bei einem ODE handelt es sich um einen Adapter, der der Konsole ein echtes DVD-Laufwerk vortäuscht, aber Spiele-Backups eigentlich von einer MicroSD-Karte lädt.
Wobei hier erwähnt werden muss, dass die Beschaffung, Erstellung und Verbreitung von Raubkopien illegal ist, ihr müsstet euch also wie bei legaler Emulation um eure eigenen Spiele-Backups kümmern. Das würde auch für PS1-Spiele gelten, die selbst auf frühen PS2-Modellen, auf denen eigentlich die PS1-Hardware physisch verbaut ist, über aktuelle Methoden ausschließlich per eingeschränkt kompatiblem Software-Emulator gespielt werden können.
Alternativ wäre es denkbar, dass die neuen Daten genutzt werden, um eventuelle Lücken im Programm-Code der PS2, dem MechaCon und der MagicGate-Verschlüsselung zu finden. Oder schlicht deren Emulation präziser zu machen.
Dabei handelt es sich allerdings vorrangig um Mutmaßungen, da die Firmware-Abbilder noch nicht genau analysiert wurden. Auf Reparaturen und dergleichen sollte der Fund aber kaum Auswirkungen haben, da zumeist der Laser oder mechanische Bauteile für Probleme sorgen. Und die lassen sich schon jetzt ohne komplexe Modifikationen ersetzen.
Zockt ihr noch auf eurer PS2? Findet ihr manche Dinge an ihr vielleicht sogar richtig ätzend?
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