Nach dem Resident Evil-Erfolg will Silent Hill nachziehen - der neue Kinofilm muss dabei einen Fehler unbedingt vermeiden

Samara liebt die Silent Hill-Reihe, auf ein Leinwand-Reboot hat sie aber nur unter einer Bedingung Bock.

Vom neuen Silent Hill-Film wünscht sich Samara, dass er auf bekannte Charaktere verzichtet. Vom neuen Silent Hill-Film wünscht sich Samara, dass er auf bekannte Charaktere verzichtet.

Horrorfans strömen aktuell wie Zombiescharen in die Kinos, um sich Resident Evil anzuschauen – leicht überspitzt formuliert. Der Film kommt jedenfalls so gut, dass jetzt anscheinend auch Konami Blut geleckt hat.

Exklusiven Infos des Magazins Dread Central zufolge, soll auch Silent Hill einen ganz frischen Start im Kino bekommen. Bisher gibt es keine weiteren  Infos, wie dieser aussehen soll. Ich hoffe jedoch, dass der Film sich einen ganz entscheidenden Punkt vom neuen Resi-Streifen abschaut:

Die freie Adaption versucht nicht, die Handlung eines bestimmten Spiels, oder bekannte Charaktere in ein neues Medium zu verfrachten, sondern erzählt eine eigene Geschichte. Für mich funktioniert dieses Konzept in den meisten Fällen wesentlich besser.

Samara Summer
Samara Summer

Samara ist seit über 25 Jahren großer Horrorfan und widmet sowohl Spielen als auch Filmen und Serien aus dem Gänsehaut-Genre viel Zeit. Für GamePro hat sie beispielsweise die letzten drei Silent Hill-Ableger getestet.

Die Atmo macht’s

Die diesjährige Silent Hill-Verfilmung Return to Silent Hill war ein echter Flop, der mit einem desaströsen 18er-Score bei Rotten Tomatoes abgestraft wurde. 

In der Kritik standen unterschiedliche Aspekte wie der schwache visuelle Eindruck. Meiner Meinung nach hat die Adaption sich aber auch an einer nahezu unmöglichen Aufgabe versucht: das Horrorspiel-Meisterwerk Silent Hill 2 mehr oder weniger eins zu eins auf die Leinwand zu bringen.

Video starten 2:15 Der Regisseur des ersten Silent-Hill-Films kehrt mit einer Fortsetzung zurück - diesmal geht es um die Geschichte von Silent Hill 2

Für mich lebt die Reihe von ihrer einzigartigen Gruselstimmung, die sich gleichzeitig traumartig-surreal sowie zutiefst melancholisch anfühlt. 

Die Spiele und insbesondere der großartige zweite Teil entfesseln eine richtige Sogwirkung, wenn ich gemeinsam mit der Hauptfigur durch den unheimlichen Nebel irre und versuche herauszufinden, warum wir im unheilvollen Örtchen gelandet sind. 

Ich erfahre kleine Story-Fetzen aus Dokumenten, tüftle an kryptischen Rätseln herum oder überlege, ob ich meine letzte Kugel in einen Feind jage. 

Das Gefühl, das ich beim Spielen habe, lässt sich schwer eins zu eins auf die Kino-Leinwand bringen. Das Gefühl, das ich beim Spielen habe, lässt sich schwer eins zu eins auf die Kino-Leinwand bringen.

Dabei entsteht ein Gefühl der Bedrohung und Verlorenheit, das ein Film auf andere Weise transportieren muss, weil ich ja nur passive Zuschauerin bin. Und Videospiel-Adaptionen, die freier mit dem Ausgangsstoff umgehen, schaffen es wesentlich leichter, mich mit ihrer speziellen Atmosphäre zu packen.

Gute Beispiele sind die Fallout-Serie und besagter Resident Evil-Film von Regisseur Zach Cregger. Beide Umsetzungen bringen für mich den Charme der Marken perfekt rüber und etablieren neue Figuren, die mir leicht ans Herz wachsen, weil ich sie nicht immer mit ihrem Videospiel-Pendant vergleiche. Sie müssen keinen geliebten Charakter wie beispielsweise Leon und seine Stimme ersetzen, die für mich ganz selbstverständlich die “Originale” sind.

Natürlich können auch Adaptionen, die sich stark an der Vorlage orientieren, richtig gut gelingen, wie die The Last of Us-Serie. Mich hat diese, unter anderem aufgrund des relativ originalgetreuen und damit für mich als Kennerin der Naughty Dog-Spiele weitgehend vorhersehbaren Skripts trotzdem weniger gefesselt als beispielsweise Amazons Fallout-Interpretation.

James (Return to Silent Hill) Wenn ich Szenen wie diese sehe, drängt sich der Vergleich zum Spiel natürlich auf.

Lucy (Fallout) Mit Charakteren wie Lucy und Maximus konnte ich dagegen ganz leicht mitfiebern.

Im Horror-Genre kommt hinzu, dass ich kaum Gänsehaut bekomme, wenn ich schon ziemlich genau weiß, wohin die Reise geht. Das gilt für tiefgründige Meta-Storys wie ich sie aus Silent Hill kenne noch stärker als für Popcorn-Gruselaction.

Ein Silent Hill-Neustart muss aber noch mehr liefern

Natürlich ist die Frage nach der originellen Story und seinen Charakteren nicht alles. Die alten Silent Hill–Filme aus 2006 und 2012 haben beispielsweise einen gemischten Ansatz gewählt: Der erste Teil hat sowohl Elemente aus den ersten beiden Spielen vermischt als auch mit Rose eine neue Protagonistin gewählt, die sich aber an Harry Mason orientiert, der zweite basiert noch freier auf dem dritten Spiel.

Mir hat der erste Film bisher mit Abstand am besten gefallen, eben weil er den Tonfall und die Gruselatmosphäre für mich am besten transportiert hat. Essenziell ist eben auch, dass das Visuelle stimmt und Filmemacher*innen den richtigen Ton treffen.

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Hierfür ist der neue Resi-Film erneut ein Paradebeispiel. Zach Cregger hat mir spätestens mit Weapons bewiesen, dass er genau den skurrilen Action-Humor im Repertoire hat, den die Capcom-Reihe braucht. Ich könnte mir aber sogar vorstellen, dass er auch für Silent Hill eine gute Wahl wäre. Fiese Gänsehautstimmung und surreale, merkwürdige Momente gehören nämlich ebenfalls zu seinen Stärken.

So oder so hoffe ich, dass das Reboot auf eine eigene Story setzt und sich alle Freiheiten nimmt, um die Silent Hill-Gruselessenz zu transportieren, anstatt sich mit einem bekannten Spiel zu messen.

Wie seht ihr das: Lieber Verfilmungen, die Handlung und Charaktere aus der Vorlage übernehmen oder solche, die eine eigene Geschichte im bekannten Universum erzählen?


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