Videospielsucht - Offiziell als psychische Störung anerkannt, Forscher & Verbände üben Kritik

Die Weltgesundheitsorganisation will Videospielsucht ab 2022 offiziell als psychische Störung klassifizieren und in den ICD-11 aufnehmen.

von David Molke,
19.06.2018 16:00 Uhr

Die WHO hat angekündigt, Gaming Disorder als psychische Störung in den ICD-11 aufzunehmen, was weiterhin scharf kritisiert wird.Die WHO hat angekündigt, Gaming Disorder als psychische Störung in den ICD-11 aufzunehmen, was weiterhin scharf kritisiert wird.

Videospiel-Abhängigkeit soll als psychische Störung und offizielles Krankheitsbild in den ICD-11 (die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten) aufgenommen werden. Das hat die WHO bereits vor einem halben Jahr bekannt gegeben, jetzt ist die offizielle Ankündigung erfolgt. Die Entscheidung wird scharf kritisiert: Es fehle an einer wissenschaftlichen Grundlage und die Faktenlage sei nicht eindeutig.

Die Definition bleibt trotz Kritik dieselbe

An der geplanten Definition der sogenannten Gaming Disorder hat sich seit Dezember nichts geändert, obwohl sie schon vor einem halben Jahr kritisiert wurde:

  1. Beeinträchtigte Kontrolle über Gaming (beispielsweise Beginn, Häufigkeit, Intensität, Dauer, Abbruch, Kontext)
  2. Erhöhte Priorität des Gamings bis zu einem Punkt, an dem Gaming Vorrang über andere Lebensinteressen und täglichen Aktivitäten hat und
  3. Weiterführung oder Eskalation des Gamings trotz des Auftretens negativer Konsequenzen.

Umstrittene Entscheidung:
Videospielsucht wird bald zur offiziell anerkannten psychischen Störung

Globale Gaming-Koalition mit neuem Statement

Um Bedenken und Kritik mehr Nachdruck zu verleihen, haben sich die Organisationen UKIE, ESA, EGDF, IESA, ESAC, IGEA, ISFE, KGAMES und UBV&G zusammengetan. Das gemeinsame Statement lautet wie folgt:

"Videospiele werden über alle Arten von Genres, Geräten und Plattformen hinweg von mehr als 2 Milliarden Menschen sicher und vernünftig genossen. Der therapeutische, der pädagogische und der Erholungs-Wert von Spielen ist gesichert und weitgehend anerkannt."

"Deswegen sind wir besorgt, zu sehen, dass 'Gaming Disorder' immer noch in der neuesten Version des WHO-ICD-11 enthalten ist, trotz erheblichen Widerspruchs aus der medizinischen und wissenschaftlichen Gemeinschaft. Die Evidenz für diese Aufnahme bleibt hochgradig umstritten und nicht eindeutig."

"Wir hoffen, dass die WHO die sich häufenden Beweise, die ihnen vorgelegt wurden, noch einmal in Betracht zieht, bevor sie die Aufnahme von 'Gaming Disorder' in der finalen Version des ICD-11 nächstes Jahr unterstützen."

Sämtliche Details findet ihr in diesem Open Debate-Paper von insgesamt 36 internationalen Mental Health-Experten oder hier im 'Gaming Disorder'-FAQ der UKIE.

Videospielsucht:
Wissenschaftler warnen vor der Klassifizierung als psychische Störung

Noch ist allerdings nicht alle Hoffnung verloren: Der ICD-11 wird erst im Mai 2019 der Weltgesundheits-Versammlung präsentiert und soll dann am 1. Januar 2022 in Kraft treten.

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