Battlefield 1 - Dice erklärt, warum das Deutsche Kaiserreich keine Kampagne bekommt

Die Einzelspielerkampagne von Battlefield 1 erzählt einzelne Kapitel aus der Vergangenheit der unterschiedlichsten Kriegsteilnehmer — doch eine eigene Geschichte aus Sicht des Deutschen Kaiserreichs fehlt. Im Interview bekommen wir hierfür eine Erklärung von den Entwicklern.

von Dom Schott,
17.10.2016 15:30 Uhr

Battlefield 1 inszeniert seine Einzelspielerkampagne rund um die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges mit vielen einzelnen Geschichten statt einer zusammenhängenden, stundenlangen Storyline. Den Kollegen Tobi und Johannes gefiel dieser Ansatz eigentlich ganz gut, doch — nicht nur bei ihnen — machte sich ziemlich bald ein großes Fragezeichen auf ihrer Stirn breit: Wieso erzählt die Kampagne von Battlefield 1 nicht auch eine eigene Geschichte aus der Perspektive des Deutschen Kaiserreichs?

Um die Antwort auf diese Frage zu erfahren, haben Tobi und Johannes ein Interview mit dem Design Director von DICE Schweden, Lars Gustavsson, geführt, der den beiden Rede und Antwort stand:

"Um ehrlich zu sein: Als wir die unterschiedlichen Geschichten ausgewählt haben, die wir erzählen wollen, ging es eher um interessante Handlungen, die uns dabei helfen, die verschiedenen Spielelemente des Battlefield-Gameplays umzusetzen."

Das erklärt zwar die grundsätzliche Herangehensweise von DICE an den Ersten Weltkrieg und die Geschichten, die ihren Weg ins Spiel finden könnten, beantwortet aber nicht die Frage, warum ausgerechnet das Deutsche Kaiserreich nun keine eigene Perspektive bekommen hat. Wenn die Entwickler die erzählenden Parteien nach möglichen Gameplay-Missionen ausgewählt haben, so hätte sich doch beispielsweise der Mythos des Roten Barons wunderbar als Aufhänger für eine Flieger-Mission geeignet? Dazu die Reaktion von Gustavsson:

"Stimmt, das ist auch eine gute Geschichte, die man erzählen könnte. Ja."

Tobi und Johannes haken nach: Wenn schon kein Platz für eine eigene Geschichte aus Sicht des Kaiserreichs war, wieso wurde dann nicht auf andere Weise der Versuch unternommen, beispielsweise mit ständig wechselnden Perspektiven die Schlacht der ersten Mission »Stahlgewitter« auf beiden Seiten spielen zu lassen? Offenbar gab es die Idee bei DICE tatsächlich, wurde allerdings wieder verworfen:

"Darüber hatten wir zu Beginn der Entwicklung nachgedacht. Aber für uns stellte sich heraus, dass der Seitenwechsel zu sehr verwirrt. Wir fanden eine solche Darstellung einer Schlacht extrem interessant - es gab glaube ich sogar einen Prototyp - aber das sorgte für große Verwirrung bei den Spielern. In etwa wie »Wer bin ich jetzt und auf wen muss ich schießen?«"

Ich muss sagen: Ich persönliche nehme dem Design Director diese Erklärung nicht ab, dass schlichtweg niemand im Team auf die Idee gekommen sein soll, eine Flieger-Mission rund um den Roten Baron zu stricken, geschweige denn einem der größten Aggressoren des Weltkrieges eine Perspektive zu schenken. Womöglich ist es ein noch immer zu heißes Eisen, in einem Kriegsspiel die Geschichte der Deutschen darzustellen, selbst wenn es sich um intime, menschliche Erlebnisse dreht. Es stellt sich die Frage, wann dieses Tabu tatsächlich mal gebrochen wird — und von wem, wenn nicht Battlefield 1.


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