Castlevania: Harmony of Despair im Test - Test für XBLA

Ein Best-of-Castlevania, HD-optimiert, ein spielbares Who-is-Who vergangener Titel und Multiplayer für bis zu sechs Spieler! Was kann da noch schiefgehen?

von Patrick Mittler,
03.08.2010 17:00 Uhr

Das Projekt klang von Anfang an so motiviert, dass Castlevania-Fans das Wasser im Mund zusammenlief. Die Spielidee von Castlevania: Harmony of Despair für Xbox 360: Auf sechs riesigen, aus Elementen von früheren Castlevania-Teilen zusammengeflickten Karten erleben bis zu sechs Vampirjäger (ihr wählt aus bekannten Gesichtern wie Alucard, Soma Cruz und Jonathan Morris) die gemeinsame Hatz durch die Feindesshorden von Dracula hin zu dicken Bossfights. Quasi das New Super Mario Bros. Wii der Castlevania-Reihe, und das auch noch zum Sparepreis als Downloadgame. Das kann doch nur ein Hit werden, dachten wir zumindest. Doch die Realität holt selbst den härtesten Dracula-Killer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Anstatt das Konzept Castlevania konsequent weiter zu entwickeln, ging Konami viele Schritte zurück und reduzierte das Spiel so weit, dass es für mehrere Spieler funktioniert. Das zeigt sich am deutlichsten, wenn ihr solo ins Abenteuer startet. Klar: Es ist ein erhabenes Bild wenn ihr in der höchsten Zoomstufe das gesamte Schloss vor euch ausgebreitet seht, mitsamt den zig Räumen, Gängen, Gegnern und dem dicken Boss der auf euch wartet. Spielbar ist Castlevania: HD aber nur in der normalen Ansicht, ansonsten ist eure Spielfigur einfach zu mickrig, die höheren Zoomstufen fungieren lediglich als Übersicht und Karte. Für die Multiplayer-Spielbarkeit wurde Castlevania extrem entschleunigt. Euer Held schleppt sich so elendig langsam durch die Gänge, dass euch beim Zusehen beinahe ein Bart wächst. Die Steuerung wirkt viel zu träge, weshalb ihr einiges an Übung im Ausweichen und Zuschlagen braucht.

Irgendwann auf eurem Weg durch die vielen Räume oder spätestens bei einem Bossfight sterbt ihr und dann setzt der Frust mit voller Härte ein. Ihr beginnt jedes Mal wieder ganz von vorne, Rücksetzpunkte gibt es keine. Das heißt: Wieder mindestens eine Viertelstunde Schneckentempo bis zum Boss. Die Ausrüstung, die ihr zwischendurch findet, verliert schon beim zweiten Anlauf ihren Reiz, denn es gibt dann nur mehr vom Gleichen. Heilgegenstände sind beinahe nutzlos, denn auf die wenigen Lebenspünktchen könnt ihr genauso gut verzichten. Auch im Shop findet sich nur ein mageres Angebot, das schnell aufgekauft ist und die wenigen Upgrades eurer sekundären Angriffe sind auch nicht der Rede wert.

Schnell wird klar: Castlevania: HD baut darauf, dass Spieler eine Karte immer und immer wieder angehen, um irgendwann mit besserer Planung den optimalen Weg finden. Das zielt klar auf Profis, aber selbst die werden spätestens beim zweiten Bossgegner langsam aber sicher ihre Frustgrenze erreicht haben. Der überdimensionale Puppenspieler bewegt sich nämlich von Raum zu Raum. Habt ihr in weiser Voraussicht nicht schon viele Türen geöffnet, schleicht euch der Brocken davon und startet eine Attacke, die euch sogleich den halben Lebensbalken kostet. Castlevania: HD bietet so statt Spielspaß eher harte Wiederholungsarbeit. Versteht uns nicht falsch: Wir lieben fordernde Spiele, aber so was Undynamisches und Repetitives gab es schon lange nicht mehr. Der Solomodus ist eine Herausforderung nur für Masochisten, zumal es auch keine Story gibt, die irgendwie erklärt warum die alten Castlevania-Recken plötzlich zusammen auf Dämonenjagd gehen.

Anders der Mehrspielermodus. Hier starten bis zu sechs Vampirkiller an verschiedenen Enden der Karten und arbeiten sich kooperativ bis zum Boss vor, um den dann mit vereinten Kräften zu filettieren. Ihr öffnet euch gegenseitig Türen, knackt härtere Monster im Team und könnt sogar verstorbene Kameraden ins Leben zurückholen, das kompensiert die fehlenden Rücksetzpunkte. Zudem spielen sich die Charaktere ordentlich abwechslungsreich. Alucard kann sich beispielsweise Serien-typisch verwandeln und Shanoa an entsprechenden Halterungen in die Lüfte katapultieren. Es ist eine wahre Freude in die höchste Zoomstufe zu schalten und zuzusehen, wie sechs Spieler überall auf der Karte kämpfen und Fallen ausweichen. Störend ist aber noch immer das Schneckentempo. Manchmal steht ein Spieler minutenlang tatenlos rum, ehe ihm ein anderer per Schalter den Weg öffnet und das in einem Castlevania-Spiel! Absolut unverständlich ist auch der Verzicht auf einen lokalen Koop. Wollt ihr mit Freunden an einer Konsole zocken, guckt ihr in die Röhre. So wirkt Castlevania: HD wie eine Multiplayer-Mod von Hobbyprogrammierern: etwas halbgar und mit überflüssigem Solomodus, aber im Kern praktikabel. Zumindest für die Castlevania-Fans, denen ein Spiel nie zu schwer sein kann und die eine Freude daran haben, die gleichen Welten immer und immer wieder aufs Neue abzuarbeiten.

Castlevania: Harmony of Despair

Preis:

ca. 15 Euro (1200 Punkte)

Spieler:

1 bis 6

HD optimiert:

ja

Speicherplatz:

360,45 MB

Entwickler:

Konami

Hersteller:

Microsoft

USK:

ab 12 Jahren

Wertung:

* *


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