D4: Dark Dreams Don’t Die im Test - Das Spiel, das Kult sein will

D4 für die Xbox One im Test: Dark Dreams Don’t Die wäre gerne das nächste Deadly Premonition - ist ja auch vom selben Entwickler. Doch reichen miese Steuerung, sperriges Gameplay und irrsinnige Figuren für den Status »Trash-Hit«?

von Dimitry Halley,
24.09.2014 08:54 Uhr

D4 - Release-Trailer zum SWERY-Spiel D4 - Release-Trailer zum SWERY-Spiel

Wenn Skandal-Regisseur Uwe Boll es mal wieder geschafft hat, eine Videospiel-Verfilmung in den Sand zu setzen, dann gibt es unter all den hasserfüllten Fan-Kommentaren auch immer einen wie diesen: »Boll ist seiner Zeit voraus, ihr versteht das sarkastische Genie hinter seinem Werk nur nicht!« Zwar sind solche Bemerkungen bei Boll in der Regel ironische Exoten, sie machen sich aber über einen Umstand lustig, der es unheimlich schwierig macht, Spiele wie D4: Dark Dreams Don't Die vernünftig zu bewerten: Denn die Grenze zwischen glorifiziertem Edel-Trash und Mist ist häufig so schwer zu begründen, dass sie beinahe willkürlich erscheint.

Xbox-One-Download und kommende Episoden
D4 erscheint exklusiv für die Xbox One als Downloadversion. Für 15 Euro gibt es die ersten drei Episoden, wobei die erste als Prolog etwas kürzer ausfällt. Insgesamt beläuft sich die derzeitige Spielzeit auf etwa fünf Stunden. Wieviele Folgen es noch geben und wie die Zukunft von D4 generell aussehen wird, hängt dabei von den Fans ab. Der Entwickler richtet sich nämlich ganz nach der Nachfrage des Publikums - im schlimmsten Fall wird die Geschichte wohl überhaupt nicht forgesetzt, sie könnte aber genauso gut noch Jahre weiterlaufen. Für eine Episodengeschichte ist das ein sehr wackeliges Fundament, das potenzielle Käufer auf jeden Fall beachten sollten.

Die Suche nach dem D

Doch eins nach dem anderen: In D4 schlüpfen wir in die Rolle des Bostoner Privatdetektivs David Young. Dazu gibt's eine tragische Hintergrundgeschichte, denn der junge Mann hat bei einem blutrünstigen Verbrechen seine Ehefrau verloren, kann sich aber an den Unglückstag nicht mehr erinnern. Alles, was ihm seine sterbende Geliebte mit auf den Weg gegeben hat, ist ein Buchstabe: D. Ob der für den Täter, einen Zeugen, Hinweis oder die Tatwaffe steht, wissen wir allerdings nicht.

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Darüber hinaus ist Young seither mit der Fähigkeit gesegnet, durch bestimmte, emotional besonders aufgeladene Gegenstände (sogenannten Mementos) in der Zeit zurückreisen zu können. Und davon machen wir fleißig Gebrauch - das Episoden-Adventure schickt uns nämlich von Fall zu Fall in die Vergangenheit, um mysteriöse Verbrechen aufzuklären, während die Jagd nach D als roter Faden dient.

Bedienungsfummelei im Episodenformat

Bisher gibt's nur die ersten zwei Abenteuer samt Prolog zu spielen, die vermitteln aber bereits einen deutlichen Eindruck von Stil und Spielgefühl des Japano-Krimis. So lässt sich das Gameplay wohl am ehesten mit den Telltale-Adventures The Walking Dead und The Wolf Among Us vergleichen. In einem mehr oder minder interaktiven Film grasen wir mit dem Cursor Hotspots ab, beeinflussen Dialoge und reagieren in Quick-Time-Events auf Actioneinlagen.

Mit unserer Hand klappen wir die Klobrille runter - leider wird selbst das mit Kinect zur HerausforderungMit unserer Hand klappen wir die Klobrille runter - leider wird selbst das mit Kinect zur Herausforderung

Ein wirklich freies Bewegen gibt es nicht, das hat in dem Fall aber zwei gute Gründe: Erstens hat der Schöpfer von D4, ein japanischer Entwickler mit dem Künstlernamen Swery65, bereits in Deadly Premonition gezeigt, dass er es als Designer mit funktionierender Steuerung nicht so hat, zweitens ist die gesamte Bedienung (theoretisch) für Kinect optimiert.

So kontrollieren wir den Cursor mit linker und rechter Hand, stupsen Personen an oder greifen nach Gegenständen. Da das aber in etwa so präzise funktioniert wie mit einer Planierwalze einen Golfball einzulochen, haben wir uns für die Gamepad-Variante entschieden. Warum ein Spiel so stark mit Kinect beworben wird und am Ende so schlecht damit zu bedienen ist, bleibt uns ein Mysterium.

Darüber hinaus sind die interaktiven Aktionen schlicht zu dröge. Beispielsweise treiben wir uns während der ersten Episode in einem Flugzeug herum und klappen auf der Suche nach interessanten Hinweisen mühsam die Ablageflächen der Sitze um. Dabei entpuppen sich die meisten Hotspots als uninteressant, Nebenaufgaben wie ein Flug-Quiz in drei Schwierigkeitsgraden strecken die Spielzeit künstlich.

Darüber hinaus wird jede Aktion danach bewertet, wie wahrscheinlich David Young sie von sich aus getroffen hätte - wir fragen uns, warum man uns von Entwicklerseite überhaupt eine Wahl gibt.

Young wählt seine Fälle gezielt auf der Suche nach dem Buchstaben D - klingt komisch, ist aber so.Young wählt seine Fälle gezielt auf der Suche nach dem Buchstaben D - klingt komisch, ist aber so.


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