Ghostbusters - Der Film, den ich als Kind gebraucht hätte

Seit seiner Ankündigung wird hitzig über den neuen Ghostbusters-Film diskutiert. Rae hat ihn sich angesehen und festgestellt: Es ist genau der Film, den sie als kleines Mädchen gebraucht hätte.

von Rae Grimm,
08.08.2016 17:00 Uhr

Als kleines Mädchen hatte Silvester eine besondere Bedeutung für mich. Nicht nur, dass ich bis Mitternacht aufbleiben durfte, es war eine Tradition in meiner Familie, die Zeit bis dahin mit Filmen aus der Videothek zu überbrücken. So lernte ich nicht nur Die Goonies, Indiana Jones, Leathal Weapon und Stirb Langsam (nein, meine Eltern hielten nicht sonderlich viel von Alterskennzeichnungen) kennen, sondern auch Ghostbusters.

Schon als Kind war ich ein großer Fan von allem, was mit Abenteuer und besonders mit dem Übernatürlichen zu tun hat. Daher war es keine große Überraschung, dass gerade die Geisterjäger es schafften, mein Herz zu erobern. Nicht nur die Filme selbst, auch die auf ihnen basierende Zeichentrickserie unterhielt mich über viele Nachmittage hinweg und verankerten sich tief in dem nostalgischen Unterbewusstsein, das wir für unsere Kindheit zu reservieren scheinen.

Entsprechend groß war meine Freude als ich hörte, dass ein neuer Ghostbusters-Film in die Kinos kommen sollte. Und entsprechend bizarr kam es mir vor, als ein Aufschrei durchs Internet ging, der gegen diesen Film wetterte mit der Begründung, ein weiterer Teil würde unsere Kindheit zerstören. In meinen Augen war (und ist) es eine absurde Anschuldigung. Sofern keine Zeitreisen involviert sind, bin ich mir ziemlich sicher, dass nichts und niemand nachträglich meine Kindheit ruinieren kann. Schon gar nicht durch einen Film, der seine Vorgänger und die Erinnerung daran nicht im geringsten beeinflusst.

Die Autorin
Rae war schon immer großer Fan von paranormalen Abenteuergeschichten. Daher ist es keine große Überraschung, dass Ghostbusters den Wunsch in ihr weckte, selbst eine wahnsinnige Wissenschaftlerin zu werden und Geister zu jagen. Geklappt hat das leider nicht, aber immerhin hat sie einen neuen Ghostbusters-Film, um sich darüber hinwegzutrösten.

There's something strange, in your neighborhood

Während das Internet so vor sich hintobte, wartete ich ab und versuchte herauszufinden, warum all die Nachrichten, die andere Zeter und Mordio schreien ließen, meine Vorfreude sogar noch steigern konnten, obwohl wir doch eigentlich dieselbe Basis als Fans haben sollten. Allem voran gehörte dazu die Ankündigung des rein weiblichen Casts anstatt einer Rückkehr der bekannten Geisterjäger von 1984.

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Bei Hardcore-Fans der Originale sorgte das für so viel Missmut wie bei mir für Vorfreude. Die Tatsache, dass Kristin Wigg, Melissa McCarthy, Leslie Jones und Kate McKinnon in den Hauptrollen auftreten würden, bedeutete zwei Dinge für mich:

Einmal hieß es, dass Regisseur Paul Feig gar nicht erst versuchen würde, eine direkte Kopie der Filme zu schaffen, die ich als Kind so liebte, indem er gleich einen komplett anderen Ansatz an das Thema wählte.

Zum anderen, dass ich erstmals die Chance hatte, mich erstmals selbst in einem Ghostbusters-Film wiederzufinden. Mich, nicht eine dümmliche Sekretärin, die einen klügeren Mann anhimmelt, der sie nicht sieht. Mich, nicht irgendeine Frau, die nur dazu da ist angestarrt und gerettet zu werden. Mich. Einen Nerd mit Liebe für Naturwissenschaften und das Paranormale, der zufällig eine Frau ist. Zum ersten Mal hatte ich die Chance auf eine Repräsentation, die männliche Ghostbusters-Fans schon seit den 80ern genießen konnten. Und das war großartig.

Um zu verstehen, warum mir das so wichtig war, muss man sich einmal die Action-Adventure-Filme und -Serien der 80er und frühen 90er ansehen, mit denen ich groß geworden bin. Falls überhaupt eine Frau in ihnen vorkam, so war sie Teil des Schlumpfinen-Prinzips. In meiner kindlichen Welt waren Abenteuer wie die der Ghostbusters etwas, das Jungen vorbehalten waren. Für ein Mädchen wie mich schien kein Platz zu sein. 2016 sollte sich das allerdings ändern.

Who you gonna call? Ghostbusters!

Zwischen meiner Vorfreude und den lauten Schreien des Internets, das die neue Version scheitern sehen wollte, blieben dennoch jede Menge Sorgen. Dass der Film meinen Erwartungen nicht gerecht werden würde, dass er tatsächlich die Erinnerung an die geliebten Originale trübe, dass er nicht mehr als ein durchschnittlicher Abklatsch eines tollen Originals ist. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass meine Vorfreude auf einen Film im Kinosessel einen langsamen und grauenvollen Tod stirbt.

Ghostbusters - Launch-Trailer zur Film-Versoftung Ghostbusters - Launch-Trailer zur Film-Versoftung

Dieses Wochenende hatte das Warten ein Ende und ich erhielt in einem überraschend vollem Kino meine Antwort. Nicht nur, ob der Film mir selbst gefiel, sondern auch dem restlichen Publikum, das an den richtigen Stellen lachte und den Film nach dem Abspan mit lautem Klatschen verabschiedete.

Denn ja, Ghostbusters ist ein wirklich guter Film.

Er ist nicht nur ein neonfarbener Liebesbrief an seine Vorgänger, sondern ein komplett eigenständiges Werk, das es schafft, sich vom lieblosen Reboot-Klischee zu lösen. Es ist kein blasser, uninspirierter Abklatsch seiner Vorgänger im Stil von Total Recall oder Robocop, sondern macht genug neu, um sich von seiner Vorlage zu emanzipieren.

All das gelingt Ghostbusters dank jeder Menge Humor und einem tollen Cast, deren Spaß an der Arbeit auf das Publikum überspringt. Die Charaktere sind keine weiblichen Kopien der großartigen männlichen Darsteller aus dem Original von 1984, sie sind eigenständige, neue Persönlichkeiten für ein modernes Publikum. Dass es sich eben auch um Frauen handelt, ist eigentlich nur eine Nebensache. Es wird kaum auf diese Tatsache eingegangen. Würden wir nur das Drehbuch lesen, anstatt die Geisterjägerinnen vor uns zu sehen, dann würden wir es vielleicht nicht einmal merken, dass die Hauptcharaktere alle weiblich sind.

Ähnlich wie in Alien, dessen Haupcharakter Ripley zuerst für einen Mann geschrieben wurde bevor Sigourney Weaver übernahm, spielt es eigentlich keine Rolle, welches Geschlecht die Protagonisten haben. Und gerade das macht Ghostbusters, wie viele andere Filme von Paul Feig, so fantastisch.

Hier geht es nicht darum, dass Frauen die Hauptrollen spielen oder "starke weibliche Charaktere" zu zeigen. Es geht darum, eine spannende, witzige und ab und zu tatsächlich ein wenig gruselige Geschichte zu erzählen und die Figuren, mit denen das getan wird sind nunmal weiblich. Dass das etwas ist, das im Jahr 2016 tatsächlich noch für Aufregung sorgt, ist ebenso bizarr wie die Anschuldigung, dass es unsere Kindheit zerstören würde.

I ain't afraid of no ghost

Ghostbusters ist die Art von Film, von der ich mir wünschte, ich könnte meinem 9-Jährigen Ich davon erzählen. Ich wünschte, ich könnte ihr sagen, dass es irgendwann Filme für sie gibt, in denen sie sich wiederfinden kann und nicht nur Teil der Deko oder die Ausnahme der Regel ist. Filme wie Mad Max: Fury Road, Star Wars Episode VII oder eben Ghostbusters. Ich würde ihr gern erzählen, dass es mit Kate McKinnons Jillian Holtzmann die verrückte Wissenschaftlerin geben wird, die sie unbedingt werden wollte, wenn sie groß ist. Und dass Ghostbusters irgendwann Platz für sie haben wird - und das ganz ohne ihre Kindheit nachträglich zu zerstören. Ghostbusters ist der Film, den ich als 9-Jährige gebraucht hätte und auf gewisse Art ist es der Film, den ich noch als 29-Jährige brauche.

Ghostbusters History - Die Geschichte der Ghostbusters-Videospiele Ghostbusters History - Die Geschichte der Ghostbusters-Videospiele

Wir neigen häufig dazu zu glauben, dass früher alles besser war, weil es schwierig ist, unsere Nostalgiebrille abzusetzen und Dinge aus einem modernen Kontext zu sehen. Gerade wenn es um Sachen geht, die uns persönlich am Herzen liegen, weil sie eine wichtige Rolle in unserer Kindheit spielten, ist es schwer loszulassen und sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass noch einmal jemand Hand anlegt und etwas verändert.

Ghostbusters ist für mich einer dieser Fälle, in denen das gelungen ist. Nicht nur, weil er so respektvoll dem Original gegenüber ist und die großartigsten Cameo-Auftritte hat, die ich seit langem gesehen habe, sondern auch, weil er mich ein Problem gelöst hat, das mir erst Jahre später wirklich bewusst wurde: Geschichten wie die von Ghostbusters sind für alle da und sollten das daher auch zeigen.

I think it likes the girls too
GHOSTBUSTERS!


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