God of War - Der gefallene Gott: Ein Blick auf den schlimmsten Gegner, dem sich Kratos jemals stellen musste

Welchen Herausforderungen blickt ein gefallener Gott entgegen, der in einem fremden Land ums Überleben kämpft? Darüber haben wir mit Cory Barlog, dem Creative Director von God of War, auf der E3 2017 gesprochen.

von Dom Schott, Heiko Klinge,
15.06.2017 17:20 Uhr

God of War wird Kratos im Frühjahr 2018 vor eine große Herausforderung stellen.God of War wird Kratos im Frühjahr 2018 vor eine große Herausforderung stellen.

Auf den ersten Blick ist Kratos, der Held von God of War, kaum wiederzuerkennen: Sein Körper ist noch immer muskulös, wirkt aber etwas gedrungener als noch vor sechs, sieben Jahren, als er eigenhändig den Olymp erklomm und den griechischen Göttern nacheinander eine ordentliche Abreibung verpasste. Der neue Kratos ist alt geworden und bis wir ihn auf der letztjährigen E3 in einem ersten Trailer endlich zur Axt greifen sahen, waren wir uns nicht einmal so sicher, ob der ehemals so wütende Spartaner noch das Zeug zum Götterkampf hat. Ein großer Irrtum!

Unser Hands-On-Bericht zu God of War von der E3 2017

Nach seiner Rückkehr 2016 hämmerte, boxte und schlug sich Kratos auf der E3 2017 wie in alten Tagen durch gottgleiche Kreaturen, die ihn um ein Vielfaches überragen, ohne auch nur einen Moment lang unsicher, alt oder gebrochen zu wirken. Dennoch gibt es in seinem vierten Abenteuer einen großen Unterschied: Kratos ist nicht mehr alleine.

God of War - Gameplay-Trailer: Kratos führt friedliche Verhandlungen im Norden 5:15 God of War - Gameplay-Trailer: Kratos führt friedliche Verhandlungen im Norden

An seiner Seite ist sein Sohn Atreus, ein talentierter Bogenschütze und Jagdgefährte, den Kratos mit jeder Faser seines Körpers vor den Gefahren der nordischen Welt, in die es ihn verschlagen hat, schützen will. Heiko hat sich mit Cory Barlog, dem Creative Designer von God of War, zusammengesetzt und über die neuen Herausforderungen von Kratos gesprochen - und je länger wir den Kriegsgott durch die Augen seiner Entwicklerväter sehen, desto mehr bekommen wir das Gefühl, dass es eigentlich der stattliche Krieger ist, der Hilfe dringend nötig hat.

Ein Gott mit Schwächen

Im neuesten Trailer für God of War sehen wir in den letzten Szenen, wie sich die gigantische Weltenschlange Jörmungandr um das Boot von Kratos und seinem Sohn wickelt und bedrohliche Zischlaute ausstößt. Instinktiv gehen sowohl der Spartaner als auch wir von einer neuerlichen Gefahr aus, die in einen Bosskampf münden wird - doch da schreitet Atreus ein und übersetzt die Worte des Monsters, das sich als weniger feindselig herausstellt als gedacht. Cory Barlog kommentierte diesen dramatischen Moment mit folgenden Worten:

"Die Idee hinter dieser Szene, die wir im Trailer zeigen, ist den Zuschauern vor Augen zu führen, dass er die Sprache dieses Landes nicht beherrscht. Es gibt so viele Schriftzüge an den Wänden und Mauern in dieser Spielwelt und alle bedeuten auch wirklich etwas, sie stellen Charaktere und bestimmte Orte vor - aber er braucht seinen Sohn, um sie zu übersetzen. Das gibt Atreus eine unheimliche Macht und beantwortet unsere Frage, was sich ein Gott überhaupt mit einem Kind abgibt. Die Antwort darauf ist, dass Kratos ihn nicht nur beschützt, sondern seinen Sohn wirklich braucht für etwas, das er selbst noch nicht einsehen will. Er braucht Atreus, um seine Menschlichkeit wiederfinden zu können."

Allmählich begreifen wir, dass mit dem neuen God of War nicht nur die ehemals vorwiegend erdigen, brauntonlastigen Spielwelten Griechenlands um eine neue Facette erweitert werden, sondern auch Kratos eine ganz neue Dimension an Hindernissen entgegenblickt.

Eine bedrohliche Szene, die ohne Atreus Hilfe ganz anders ausgegangen wäre - und genau das wollen uns die Entwickler vor Augen führen.Eine bedrohliche Szene, die ohne Atreus Hilfe ganz anders ausgegangen wäre - und genau das wollen uns die Entwickler vor Augen führen.

Es sind nicht mehr zwangsläufig greifbare Monster und Ungeheuer, die unserem spartanischen Gott zu schaffen mache. Stattdessen entpuppt sich nach und nach der Kampf mit seiner Vergangenheit und der Suche nach einem Platz in dieser neuen Welt als der wohl schlimmste Gegner, dem sich Kratos jemals stellen musste.

Spannenderweise spiegelt sich dieser Konflikt dabei nicht nur in den Zwischensequenzen und ruhigen Momenten des Spiels wieder, sondern auch im Kampfsystem selbst. Cory Barlog erlaubt Heiko in seinem Interview einen spannenden Einblick, der mit der Beobachtung beginnt, dass Kratos jetzt ungewöhnlicherweise auch mit einem Schild kämpfen kann.

"Der Schild ist so gestaltet, dass es als typisch nordischer Schild wahrgenommen wird, dem Kratos allerdings seinen offensiven, spartanischen Kampfstil aufzwingt. (...) Wir vermischen die verschiedenen Einflüsse ein wenig."

Im Gegensatz zu den bisherigen God of War-Spielen sollen wir nun viel mehr Auswahlmöglichkeiten bei der Bewaffnung von Kratos haben, dessen Axt - eine typisch nordische Waffe - wir bereits in den Trailern bestaunen durften. Doch Barlog deutet an, dass es noch zahlreiche weitere Ausrüstungsgegenstände geben wird, die den Kampfstil von Kratos verändern und ihm verschiedene Stärken und Schwächen aufbürden werden.

Die Zwerge des Nordens
In einer Randbemerkung geht Corley auf die zahlreichen Zwerge der Spielwelt ein, die unsere Ausrüstung schmieden. Dieses Volk ist untereinander zerstritten, die Familienbande sind schwach geworden - doch wir haben die Möglichkeit, in der Haut von Kratos die Gemeinschaft der Zwerge wieder näher zusammenrücken zu lassen. Ob das auch unser Waffeninventar maßgeblich aufwertet, wissen wir noch nicht, doch den Wink mit den verlorenen Einzelkämpfern, die wieder zu sich selbst finden müssen, haben wir und Kratos auf jeden Fall verstanden.

Das sorgt zum einen für eine spielmechanische Herausfordung und Abwechslungsreichtum, spannt allerdings auf einer zweiten, tieferen Ebene auch den schönen Bogen, dass Kratos eben nicht mehr Kriegsgott ist, der mit Vorliebe die Klingen der Athene ins Feld führt, sondern dass er seinen neuen Kampfstil erst noch finden muss. Diese Idee verstärkt noch einmal den Eindruck, den wir auf der E3 2017 von God of War bekommen haben: Kratos hat kaum an körperliche Stärke eingebüßt, doch die wird ihm bei seinem neuen Gegner, dem er sich zum ersten Mal stellen muss, kaum eine große Hilfe sein.

Kratos muss sich in seinem vierten großen Abenteuer ganz neuen Feinden stellen und die Zeit wird zeigen, ob er dieser Herausforderung gerecht werden kann.Kratos muss sich in seinem vierten großen Abenteuer ganz neuen Feinden stellen und die Zeit wird zeigen, ob er dieser Herausforderung gerecht werden kann.

Die Welt von God of War hat sich weitergedreht und sowohl wir Spieler als auch der gefallene Gott aus Sparta müssen das akzeptieren, um die kommenden Abenteuer in dieser so neuen, nordischen Welt glücklich abschließen zu können.

God of War erscheint im Frühjahr 2018 exklusiv für PS4.


Kommentare(9)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.