GTA 5 - Unsere Meinungen

GTA 5 ist in aller Munde, natürlich auch in unserer Verlagsfamilie. Die Meinungen unserer GTA-Spieler gehen allerdings auseinander – ein Überblick.

von Redaktion GamePro,
25.09.2013 11:18 Uhr

GTA 5 ist das derzeit meistgekaufte, -gespielte und -diskutierte Spiel, mit dem sich natürlich auch unsere halbe Verlagsfamilie vergnügt (die andere Hälfte hat gerade die Windpocken, irgendwas anderes zu spielen oder angeblich »auch noch ein echtes Leben«, was auch immer das sein soll). Ebenso natürlich hat jeder Spieler seine eigene Meinung zu Rockstars Action-Epos. Wir haben die Fazits unserer GTA-Spieler gesammelt: Wer surft gerne am Strand, wer hat den Drogendealer-Eignungstest bestanden, wer guckt verräumt in Sonnenuntergänge, wer träumt stattdessen von einer Next-Gen-Version? Und was gibt's da schon wieder zu meckern (Ja, Jochen, wir meinen dich!)?

Kai Schmidt (GamePro): Wahnsinn! Bei GTA 5 stimmt so gut wie alles. Klar, die Spielwelt treibt die veraltete Konsolenhardware ganz schön ans Limit, und die Framerate ist nicht immer konstant. Doch damit kann ich hervorragend leben, denn die Geschichte und die Spielwelt lassen mich einfach nicht mehr los. In Los Santos und Umgebung kann ich wahrscheinlich eine ganze Woche verbringen, ohne der Hauptstory zu folgen und dabei immer wieder neue Dinge und Aktivitäten entdecken. Kleinigkeiten, die zwar völlig irrelevant sind, aber die Welt erst richtig zum Leben erwecken.

Wie etwa die Münzfernrohre am Strand und auf den Bergen. Oder die Fahrrad-Verleih-Buden. Oder die funktionierenden Kinos. Unglaublich, welche Ideen da drin stecken! Solche eigentlich sinnlosen Elemente, diese Liebe zum Detail machen im Vergleich zu ähnlichen Titeln eben den großen Rockstar-Unterschied aus. GTA 5 ist für mich ganz klar das beste Spiel dieser Konsolengeneration - und selbst mit leistungsfähigerer Hardware wird es schwierig werden, noch eins draufzusetzen!

Markus Schwerdtel (GamePro): Wenn ich dereinst mal abtreten muss, dann möchte ich bitte auch so ein Abschiedsgeschenk wie es PlayStation 3 und Xbox 360 mit GTA 5 bekommen. Das eigentliche Spielprinzip aus Fahren, Ballern, Kaufen lässt Rockstar Games schlauerweise unangetastet. Dafür ist das Story-Experiment mit den unterschiedlichen Charakteren rundum gelungen. Trevor, Michael und Franklin erzeugen jeweils eine ganz eigene Atmosphäre, es ist große Kunst, wie die Geschichten der drei im Lauf des Spiels zu einem Meisterwerk verwoben werden.

Und dann ist da natürlich noch Los Santos mit seinen unendlichen Möglichkeiten. Allein zwei Stunden habe ich im Ingame-Internet verbracht (u.a. mit einem Drogenkurier-Eignungstest), und das Fernsehprogramm ist noch mal deutlich länger und lustiger als in GTA 4. Kurz: GTA 5 ist das beste Spiel dieser Konsolengeneration. Und - wenn Rockstar will - vielleicht auch ein grandioser Einstand für PlayStation 4 und Xbox One.

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Jochen Gebauer (GameStar): Ein bisschen fühle ich mich wie Asterix in seinem kleinen gallischen Dorf. Denn mir macht GTA 5 zwar durchaus Spaß, aber im Gegensatz zu den Kollegen (und den meisten Spielern da draußen) halte ich es nicht für ein Über-Spiel. Die Missionen sind mir auf Dauer zu eintönig, manche Figuren (Hallo, Franklin!) schlichtweg egal, und die Geschichte plätschert von einer belanglosen Szene zur nächsten, bloß um dann mit kalkulierten Skandälchen wie der Folter-Szene plump zu provozieren.

Den Vergleich mit GTA 4 gewinnt GTA 5 zwar, aber die erzählerische und atmosphärische Klasse von Red Dead Redemption erreicht es viel zu selten. Weiterspielen werde ich es trotzdem, schon alleine wegen der tollen Raubzüge und den teils schlicht brillanten Nebenmissionen. Das britische Stalker-Pärchen beispielsweise ist großes Kino. An diesen Stellen blitzt das Genie von GTA 5 auf. Aber zwischen 08/15-Einsätzen aus der Open-World-Mottenkiste blitzt es für mich einfach zu selten.

Daniel Visarius (GameStar): Außer Rockstar bekommt kein anderer Entwickler eine so in sich glaubwürdige, organische und lebendige Welt hin. Allerdings hätte ich mir für den fünften Teil mehr Rollenspielelemente gewünscht - abseits offizieller Wege etwa von Missionen gibt es wieder kaum Gegenstände oder versteckte Aufträge zu entdecken, Stichwort Skyrim. Sei's drum: Im offenen Los Santos bin ich trotzdem noch viel lieber unterwegs als in den Betonschluchten von Liberty City. Allein was ich mit Ausflügen aufs Land oder den Besuch von Aussichtspunkten an Zeit vertrödele, übersteigt die Spielzeit anderer Vollpreistitel und weckt bei Sonnenuntergängen Erinnerungen an das großartige Red Dead Redemption.

Technisch spielt der fünfte Teil mindestens eine Klasse höher als GTA 4 von 2008. Die ganz offensichtlich von Read Dead Redemption stammende Beleuchtung und Vegetationsdarstellung kaschiert oft grandios die eher niedrigen Polygonzahlen und dürftig aufgelösten Texturen. Gemessen an der offenen Spielwelt und der bald eine Dekade alten Hardware von Xbox 360 und Playstation 3 (vom Zeitpunkt der Entwicklung an gesehen) ist GTA 5 sowohl technisch als auch spielerisch eine Ausnahmeerscheinung und schon jetzt mein Spiel des Jahres.

Hype hin, Hype her: GTA 5 ist »leider geil«. Auch wegen des wieder extrem unterhaltsam inszenierten Zerrbildes der US-amerikanischen Gesellschaft, dieses Mal zu Zeiten der Finanzkrise und der kritischen, jetzt mehr zynischen als satirischen, Auseinandersetzung damit. Ob GTA 5 für mich sogar Red Dead Redemption übertrifft, werde ich aber erst nach dem Ende herausfinden.


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