Guardians of Middle-Earth (Wächter von Mittelerde) im Test - GOME und HDR statt DOTA und LOL

Ein Herr der Ringe-MOBA bringt das erfolgreiche Sucht-Genre auf die Konsole. Also: Ein Spiel sie zu knechten, sie alle zu finden, zum Controller zu treiben und ewig zu binden?

von Patrick Mittler,
12.12.2012 17:06 Uhr

Eigentlich sind MOBA-Spiele, also »Multiplayer Online Battle Arenas«, auf dem PC zu Hause. Verständlich, denn Titel wie Genreprimus League of Legends sind taktisch und komplex bis zum Abwinken – kleine Fehler, ein falscher Klick oder unpassendes Timing entscheiden über Sieg und Niederlage.

Navigation über die Minikarte, Tastenkürzel und Präzision sind wichtig – Maus und Tastatur deshalb die präferierte Steuerung und ergo hat es das Subgenre bisher nur in abgewandelter Form auf Konsolen geschafft – etwa als Ego-Shooter wie Monday Night Combat oder als Sidescroll-Action-Titel wie Awesomenauts .

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Entwickler Monolith versucht nun, Konsolen-Zockern quasi »das echte Ding«, also die isometrische Action-Strategie-Schlacht, schmackhaft zu machen und hat sich als Zugpferd gleich noch die Herr der Ringe-Lizenz vor den Karren gespannt. Eine gute Wahl. Erstens weil die Hobbit-Verfilmung gerade in die Kinos kommt und zweitens weil MOBA-Einsteiger durch die bekannte Marke leichter in das komplexe Genre purzeln. Und gerade diese Spieler werden damit die meiste Freude haben, denn Wächter von Mittelerde ist ein verführerisch gutes Lockangebot für Zocker, die dem MOBA-Fieber bisher noch nicht erlegen sind.

Tolkien auf den Lippen, MOBA im Blut

Wie in einem Twin-Stick-Shooter zeigt ihr mit dem Angriffsradius Richtung Gegner, dann gibt's Haue.Wie in einem Twin-Stick-Shooter zeigt ihr mit dem Angriffsradius Richtung Gegner, dann gibt's Haue.

Für all jene, die mit dem Genre trotz League of Legends, Defense of the Ancients oder (noch älter) der Starcraft-Karte Aeon of Strife nichts anfangen können: In Wächter von Mittelerde stehen sich zwei Spielerteams mit allerlei bekannten und weniger bekannten Helden aus Mittelerde auf einer Karte gegenüber, versuchen die feindliche (und mit Türmen geschützte) Basis zu knacken, bauen im Laufe der Partie ihre Helden weiter aus und werden von schwächeren KI-Schergen unterstützt, die selbstmörderisch-automatisch gegen die feindlichen Befestigungen anrennen.

In diesem hoch-taktischen Geplänkel bestehen meist nur gut koordinierte Teams, denn ihr müsst zahlreiche Feinheiten beachten. Jeder Charakter hat eine Klasse und damit eine entsprechende Spezialisierung und Aufgabe (Legolas = Fernkämpfer, Eowyn = Verteidigerin etc.).

Vor der Schlacht packt ihr eurem Helden individuelle Einweg-Tränke, Kampffertigkeiten oder –boni ein. In der Schlacht levelt ihr auf, werdet stärker und schaltet neue Fähigkeiten frei. Habt ihr einen bestimmten Level erreicht, könnt ihr eure Türme und Soldaten in mehreren Stufen ausbauen. Oder ihr nehmt Schreine ein, die eure Truppen boosten.

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Freundliche Gefährten

Kurzum: Wächter von Mittelerde ist recht komplex, trotzdem dürften sich auch Einsteiger schnell wohl fühlen. Das liegt vor allem an der Community, denn die ist im Vergleich mit PC-MOBAs wie League of Legends deutlich gnädiger.

Links ist die feindliche Basis in Sicht. Der Turm unten teilt ordentlich aus.Links ist die feindliche Basis in Sicht. Der Turm unten teilt ordentlich aus.

Wenn wir im Test mal Blödsinn gemacht haben, wurden uns nur selten lautstark die Leviten gelesen. Und das führt dazu, dass auch Neulinge schnell dem »noch eine Runde«-Sog erliegen. Wie es sich für ein zünftiges MOBA gehört, bietet Wächter von Mittelerde eine ebenso steile wie lohnende Lernkurve, eine unwiderstehliche kompetitive Faszination und viel Abwechslung, weil sich einfach jedes Match anders entwickelt, sich jeder Wächter anders spielt und ihr laufend eure Strategie adaptiert oder dazulernt.

Wer das Subgenre vom PC kennt, dem werden sicher die Konsolen- und Controller-bedingten Kompromisse und Anpassungen auffallen. Attacken und Spezialkräfte eurer Mittelerde-Helden haben Flächenwirkung oder einen Angriffsradius.

Mit dem rechten Stick deutet ihr deshalb in die Richtung der Gegner, die ihr beackern wollt. Das ist gut gelöst, denn trotz der fehlenden Präzision geht kaum eine Attacke ungewollt daneben. Sinnvoll ist auch der neue Timer: Wahlweise sind die Matches auf 20 Minuten begrenzt, das Team mit den meisten Punkten (etwa durch zerstörte Türme) gewinnt. Das macht die Partien deutlich kurzweiliger, denn ohne Limit seid ihr gerne mal eine dreiviertel Stunde beschäftigt, bis ein Team endlich die feindliche Basis zerlegt.

Gameplay: Legolas gegen den Hexenkönig Gameplay: Legolas gegen den Hexenkönig


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