"Horrorspiele können nicht zu gruselig sein" - Der Resident Evil-Schöpfer verrät, was The Evil Within 2 besonders macht

Wir unterhielten uns mit dem Resident Evil-Schöpfer Shinji Mikami und John Johanas, Game Director von The Evil Within 2, über ungewöhnliche Inspirationsquellen und das besondere Experiment, das die beiden mit der ersehnten Horror-Fortsetzung wagen.

von Dom Schott,
10.08.2017 09:00 Uhr

The Evil Within 2 wird von vielen Fans sehnlichst erwartet.The Evil Within 2 wird von vielen Fans sehnlichst erwartet.

Wenn du The Evil Within spielst, fühlt es sich ein bisschen so an, als würdest du Shinji Mikami persönlich die Hände schütteln. So oder so ähnlich lässt sich meiner Meinung nach das Spielgefühl beschreiben, das 2014 das neueste Projekt des Resident Evil-Schöpfers auf unsere Bildschirme bannte. Der Einfluss des Genre-Souverän Mikami ist in nahezu jedem Level, jeder Dialogzeile und jeder Kamera-Einstellung wiederzufinden, während wir in der Haut des Detective Sebastian Castellanos durch eine albtraumhafte Welt voller Monster und Dämonen stolpern.

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Die große Portion Traditionshorror nach dem Vorbild von Resident Evil und Silent Hill kam zwar bei vielen Fans gut an und konnte uns im Test überzeugen, allerdings reagierten auch einige Spieler und Kritiker genervt auf die eigenwillige Art Mikamis, Horror zu inszenieren: Die etwas schwerfällige Steuerung gepaart mit einem Setting, das sich gleichermaßen bei spannungsvollen Gruselmomenten wie auch surrealen Albtraumsequenzen bedient, spaltete die Community und ließ The Evil Within schließlich schneller als erwartet wieder im Strudel der Herbst-Releases verschwinden.

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Gleiche Inspiration, neue Umsetzung

Nun erscheint am 13. Oktober nach rund drei Jahren die Fortsetzung und wir bekamen die seltene Gelegenheit, Shinji Mikami (Executive Producer) und John Johanas (Game Director) über The Evil Within 2 auszufragen. Vor allem wollten wir dem Duo auf den Zahn fühlen, wie die Fortsetzung zu einem Spiel aussieht, dessen Vorgänger die Gemüter derart gespalten hat, wie The Evil Within. Und eines wurde hier schnell klar: Mit einer 180°-Kehrtwendung müssen wir wohl nicht rechnen, wie Johanas erklärt:

"Als Inspiration [für The Evil Within 2] haben wir uns ganz genau die Stimmung angesehen, die Filme wie Prisoners und The Mist transportieren. Aber auch sehr surreale Filme wie The Cell oder Paprika haben wir noch einmal nachgeholt.

Was Spiele betrifft, kehre ich immer wieder zu meinen Erinnerungen zurück, wie ich damals diese frühen Survival-Horrortitel, also Resident Evil oder Silent Hill, gespielt habe und wie es sich angefühlt hat, diese großen Gebiete zu erkunden und das Gefühl zu haben, trotz der Größe an diesen Orten gefangen zu sein."

Diese Inspirationsquellen wie auch die bisher veröffentlichten Trailer legen nahe, dass The Evil Within 2 zur großen Freude seiner alten Fans in die gleiche Sparte wie der Vorgänger schlagen wird. Doch das bedeutet nicht, dass der zweite Teil damit zwangsläufig zu einer innovationsarmen Kopie des Franchise-Auftaktes werden muss.

The Evil Within 2 - Trailer: "Wer ist dein Sebastian?" zu Skills und Anpassungen 3:58 The Evil Within 2 - Trailer: "Wer ist dein Sebastian?" zu Skills und Anpassungen

Mehr Freiraum, aber trotzdem kein Platz für ein Versteck

Abwechslung sucht das Entwicklerteam offenbar vor allem in der Dimension der Spielwelt, die nun deutlich größer und weitläufiger als noch im Vorgänger gestaltet sein wird. Das "Gefühl, trotz der Größe eines Ortes gefangen zu sein", wie es Johanas beschrieben hat, soll dabei zum Leitgedanken avancieren:

"Dieses Mal finden wir uns in einer Stadt namens Union wieder, die von Mobius [einer mysteriösen Gruppe aus Teil 1] geplant und in einer Art Traumwelt von Sebastians Tochter errichtet wurde. Weil sie allerdings spurlos verschwunden ist, beginnt auch diese Traumwelt allmählich auseinanderzufallen und zwischen den Ruinen ziemlich schreckliche Dinge zu offenbaren. Sebastians Reise führt den Spieler durch diese Ruinenfelder und lässt ihn dort gegen unterschiedlichste Albträume antreten.

Während unser Spiel zwar kein Open World Game ist, gibt es hin und wieder doch sehr weitläufige Areale, die den Spieler für Erkundungsrundgänge belohnt. Einige Areale erlauben auch Backtracking, so dass jeder ganz nach seinem individuellen Geschmack die Spielwelt erkunden kann."

Nur wenige Horrorspiele trauen sich, den engen Geisterbahn-Korridor eines Schlauchlevels zu verlassen und den Spieler in einen weitläufigen Level zu entlassen. Dieses besondere, aber risikoreiche Wagnis könnte The Evil Within 2 dabei helfen, sich länger als sein Vorgänger auf dem Bildschirm seiner Fans behaupten zu können.

Das Entwicklerteam von The Evil Within 2 scheint dieser Herausforderung, uns auch in einem größeren Ort den Schrecken unseres Lebens einzujagen, selbstbewusst entgegenzublicken. Hemmungen scheinen hier weder Johanas noch Mikami zu kennen:

"Wenn ein Horrorspiel so gruselig ist, dass es manche Spieler nicht beenden können, dann macht dieses Spiel einen sehr guten Job, finde ich. Ich glaube zwar, dass Horrorspiele ein gutes Gleichgewicht zwischen echten Schreckmomenten und unterbrechungsfreien Gameplay-Sequenzen finden müssen, um am besten zu unterhalten, sollte man sich keine Sorgen darum machen müssen, ob das eigene Spiel zu gruselig werden könnte - warum dann überhaupt ein Horrorspiel machen?"

The Evil Within 2 erscheint am 13. Oktober und wir sind sehr gespannt, ob uns der Grusel des Vorgängers ein weiteres Mal heimsuchen kann.


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