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Weltbilder und Spielewelten - Bitte nicht stören!

Über Computerspiele kann man vortrefflich streiten. Aber nur solange es nicht um die Wirkung des Mediums und Verantwortung der Branche geht, dann wird es schnell persönlich und irrational.

Von Rene Heuser |

Datum: 16.06.2014


Weltbilder und Spielewelten :

»Ich finde es absurd, dass du das absurd findest«, sagt Jochen Gebauer, sichtlich frustriert. Mir geht es nicht anders. Seit 20 Minuten diskutieren wir über Sexismus in Spielen am Beispiel von Rainbow Six: Siege. Die Fronten sind verhärtet, vermutlich schon bevor die Diskussion zwischen mir und dem GameStar-Chefredakteur beginnt.

Was ist daran verwerflich eine Frau als Geisel darzustellen? Gamespot-Redakteur Tom Mc Shea behauptet in seiner Kolumne:

»Es ist eine Schande, dass diese Frau so wenig tun kann, um sich selbst zu helfen. Sie kann nur schreien, weinen und geht mit jedem Beliebigen mit, der in ihre Nähe kommt. Es ist eine traurige Situation, in der sie kein menschliches Wesen mehr ist, sondern nur noch eine seelenlose Trophäe«.

Mich ärgert das, ich finde die Argumentation absurd, habe beim Lesen das Gefühl, da predigt jemand von seiner hohen Kanzel herab, will mich in die Sexisten-Schublade packen und da gehöre ich nicht hin. Vielleicht kann ich Jochen deswegen auch nicht verstehen, der eine ähnliche Position wie Mc Shea vertritt. Unsere Diskussion kippt immer mehr Richtung Streit, weil keiner seine Position aufgeben will und es uns beide auf die Palme bringt.

Mein Spiel, meine Welt

Vor vielen Jahren, als ich noch bei meiner Mutter wohnte, hing an meiner Zimmertür ein Schild: »Bitte nicht stören«, stand darauf. Sobald mein PC lief und ich ein Spiel gestartet hatte, wollte ich meine Ruhe haben. Nicht nur vor meiner Familie, sondern auch vor der Welt. Es wird oft darüber diskutiert, ob Computerspiele eine Form von Weltflucht sind - ich kann sagen, für mich waren sie es und sind es noch immer. Ich finde daran auch nichts Verwerfliches, so wie ich auch mit einem guten Buch, Film oder auch Musikalbum in eine andere Welt abtauchen kann.

Weltbilder und Spielewelten : Rene Heuser Rene Heuser Mittlerweile bin ich erwachsen und brauche kein Schild mehr an meiner Tür. Ich arbeite seit zehn Jahren bei einem der bekanntesten deutschen Spielemagazine, und bis auf wenige Ausnahmen hat die Gesellschaft die Spiele und Spieler akzeptiert. Trotzdem trage ich im Kopf das »Bitte nicht stören« weiter mit mir herum. Wenn ich spiele, will ich frei sein, zu tun und zu lassen, was ich will. Niemand soll mir sagen, wie und was ich spiele. Zensur? Nicht mit mir. Gleichberichtigung zwischen Mann und Frau? Wozu? Eine respektvolle Darstellung von anderen Ethnien und Randgruppen? Who cares? Ich bin der König meiner Spielwelten, und dort darf ich machen was ich will, denken was ich will und mein Hirn abschalten wie ich will. Sollen die Gutmenschen, Moralapostel und Gender-Fanatiker bitte draußen bleiben. Es ist doch NUR. EIN. SPIEL.

Beim Blick auf die Kommentare unter dem Gamespot-Artikel fühle ich mich bestätigt. Hunderte andere Spieler zeigen dem Text ihre virtuellen Mittelfinger. »Es sind Jammerlappen wie der Autor, die aus dieser Mücke einen Elefanten machen«, schreibt Nutzer Voodoo in den Kommentaren und fasst damit das Echo der Leser größtenteils zusammen.

Vielen geht insbesondere auch gegen den Strich, dass noch gar nicht klar ist, ob es nicht auch männliche Geiseln im Spiel gibt. Einige sagen, Ubisoft habe das sogar schon angekündigt. Mir ist das zuerst sogar egal: Für mich war die Geisel in der Rainbow Six nur ein Spielelement, keine politische oder moralische Aussage. Wenn ich einen Multiplayer-Modus spiele, ist es mir nicht wichtig, ob ich Mann oder Frau, Amerikaner oder Chinese, Weißen oder Schwarzen erschieße oder rette. Lasst mich einen Sack Kartoffeln retten - auch recht. Es ist doch alles nur ein Spiel!

Und selbst, wenn ich lieber schwache Frauen retten möchte, um mich als Held zu fühlen: Es ist doch meine Welt, sind doch meine Gedanken. Habe ich nicht ein Recht auf Vorurteile und Eitelkeiten, auf Trash-Talk und Gegner-Bashing in dieser virtuellen Welt, in der ich damit niemandem weh tue? Darf ich da nicht mal Spaß daran haben, Dinge zu tun und Gedanken zu denken, die mir sonst sogar fremd sind? Es ist doch nur ein Rollenspiel, und danach kehre ich zu meinem alten Ich zurück. Oder?

Weltbilder und Spielewelten : Die Darstellung der Geisel in Rainbow Six: Siege wird kontrovers diskutiert. Die Darstellung der Geisel in Rainbow Six: Siege wird kontrovers diskutiert.

Ich muss gestehen, ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob Spiele mich und mein Leben beeinflusst haben. Klar, ich bin trotz tausenden Stunden in Counter-Strike, Battlefield und World of Warcraft nicht zum Amokläufer und Soziopathen mutiert. Aber wie viel Einblick haben wir wirklich, was unsere Meinung und Weltanschauung prägt? Habe ich meinen Panasonic-Fernseher wirklich nur wegen der Test-Tabellen und nicht vielleicht doch wegen der Werbung gekauft? Und wie schnell schließen wir von uns auf die Allgemeinheit? Wenn ich Menschen in Spielen die Körperteile abtrenne, dann hat das auf mich selbstverständlich keine Wirkung, also wird es auch auf alle anderen keinen Einfluss haben. Wenn Spiele einen rassistischen, frauenfeindlichen Subtext oder eine entsprechende Handlung haben, dann ist das nur Satire, ein Spiegelbild der Gesellschaft, jeder weiß ja, wie es gemeint ist. Medien sind Medien, und die Realität ist die Realität, das wissen wir alle. Aber stimmt das? Für wirklich alle? Und wenn nicht, wie viele sind zu viele?

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Nohohon
#1 | 16. Jun 2014, 15:54
Ich finde es allgemein etwas frustrierend - nein, es kotzt mich fast schon regelrecht an, was in der Hinsicht bei Spielen gerade dieses Jahr so losgetreten wird. Egal ob Tomodachi (mit angeblichem Homo-Hass von Nintendo aus) oder Sexismus hier bei Rainbow Six, oder auch Assassins Creed.

Ich frage mich "WARUM"?

- Warum ist das JETZT so ein Problem, dass sich jeder irgendwie als Randgruppe zu fühlen
scheint und jeder sein Recht auf Gleichberechtigung beachtet haben will.
- Warum muss man JETZT bitte immer genau das Extremste unterstellen, wenn etwas nicht
vorhanden ist (Homophobie, Sexismus, ...)
- WARUM Gaming? Es gibt auch hier ein Drehbuch - eine Geschichte. Wo ist das Problem an
der Stelle in Filmen, Serien, BÜCHERN? Gibt es irgendwie nicht... Buhmann Gaming wieder? Dir gefällt die Geschichte nicht? Dein Gutes Recht... Wo kann ich mich denn aber über die Brüder Grimm beschweren, deren Geschichten MEINE Interessen auch nicht völlig abdecken? Zug in der Hinsicht wohl abgefahren, oder? versuche ich's halt bei Spielen das ist aktueller als die beiden Trunkenbolde mit ihren Fantasiewelten!

Besonders frage ich mich aber, was man vorher so getan hat? War Gaming vorher auch schon so verdorben, oder war es einfach zu fordernd/abwechslungsreich, dass man keine Chance zu diesen Aktionen hatte?

Überhaupt eine sehr heikle Situation, gerade wenn das im Internet mit ausgetragen wird. Hier hat kaum jemand eine vernünftige Argumentation hinter seinen Ausrufen. Man schreit halt mit, weil man dann wohl auch endlich mal in einer Gruppe ist und keine Ausgliederung durch eine andere Meinung fürchten muss - oder schlimmer: Böse, digitale Daumen, die in Richtung der Tastatur zeigen!

Und solche Aktionen sollen dann ernsthaft als "eine gute Sache von der viele profitieren werden" sein (das Argument selbst öfter gelesen). Tut mir leid, aber ich werfe hier plump einmal mehr ein, dass ein homosexueller Avatar, oder eine digitale Powerfrau NICHTS an (zum Beispiel!!!!) der Situation für Frauen in Indien ändern würden, oder daran, wie in Russland mit Homosexuellen umgegangen wird. Zwei leider immer wieder aktuelle Beispiele die erschüttern und Probleme sind die mehr Beachtung benötigen würden als diese selbstgemachten Luxusprobleme.

Wobei ich da auch wieder fair sein muss, denn: Es wird immer größere Probleme geben. Aber ich bin so frei zu behaupten, dass REALE Probleme wichtiger sind als solche, die sich auf Fiktion beschränken - soll heißen: Spiele, Filme, Serien, ja auch Bücher, Bilder, ...
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Death anchor
#2 | 16. Jun 2014, 15:55
"Für mich war die Geisel in der Rainbow Six nur ein Spielelement, keine politische oder moralische Aussage"

ist es in dem Moment auch nicht. Es ist einfach.

Das Motiv Mann rettet Frau ist allgegenwärtig, das stimmt. Als Frau, die nach Gleichberechtigung strebt würde mich das eventuell auch nerven.

De facto ist es aber für mich so: Im konkreten Beispiel ist die Geisel eben einfach nur eine Geisel. Und es ist völlig egal, ob das jetzt ein Mann oder eine Frau ist, ein Mann könnte in dieser Situation auch nicht viel machen, Geisel bleibt Geisel. Sollen jetzt nur noch Männer in Geiselrollen gesteckt werden? Sollte es gar keine Geiseln mehr geben?

Wenn man mit diesem Gleichberechtigungsbrecheisen schon überall reinkommen muss, dann sollte man bei Videospielen vielleicht mit dem Geschlecht des Protagnoisten kommen. Aber doch nicht sowas.

Die Leute schießen über das eigentlich Ziel hinaus. Wenn man wahre Gleichberechtigung haben will, muss man aufhören Männer und Frauen als etwas ungleiches zu sehenn und 50:50 zu fordern. Wenn man Gleichberechtigung will, dann sollte man den Menschen als Menschen sehen. Dort ist ein Mensch als Geisel und keine Frau.
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Cybnotic
#3 | 16. Jun 2014, 16:03
Oh man sind die gestört..
Verbietet doch gleich das Kino!
Also es ist echt krank das einige so kommt es mir jedenfalls vor ein Spiel mit Realität verwechselt und nicht auseinander halten können.. Vielleicht weil die Denken der PC Lebt: wegen künstlicher Intelligenz und also sind das im Monitor echte Menschen und die Leben... Hallo geht's noch?
Die Welt wird immer Wahnsinniger liegt vielleicht am Genmanipuliertem Essen oder an Radioaktiver Verstrahlung :-(

Das einzige was mir persönlich nicht so gefällt ist die übertrieben Gewaltdarstellung in manchen Games aber ich muss es ja auch nicht kaufen wenn es mir zu viel wird! Aber den Leuten und Entwickler laufen eine Zensur reinzudrücken ist ja auch nicht das Gelbe vom Ei Freie Kunst wurde auch schon mal verbrannt..
Aber man kann es auch übertreiben gerade wenn Leute ihre Andersartigkeit den anderen aufzwingen wollen um ihnen das Diktat quasi aufzwingen: das hast du gut zu finden oder das hast du als normal durchzuwinken! Nein auch das hat man nicht!
In diesem Sinne lasst eure Sexistischen Wünsche oder gar Forderungen da wo Sie hingehören ins Private und Nervt die Entwickler nicht mit so ein Scheiß!
Mich kotzt das total an Immer diese Sexistischen Outings
Hilfe ich will es nicht mehr hören jetzt also auch schon hier bei meinem Hobby

Muss man bald dazuschreiben He ich stehe nur auf Frauen!
Und um Sexuelle Belästigungen oder Anschmachtungen auf dem Klo zu verhindern hat man jetzt Anrecht auf 4 Klos in Gaststätten? :-)

Gruß
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Centrax
#4 | 16. Jun 2014, 16:07
Jetzt mal ehrlich, bei Super Mario heult doch auch keiner rum ^^ So ein quatsch ist das alles! Muss dem Autor völlig recht geben, es sind doch "nur" Spiele!

So nebenbei auf die sehr bekannte MW2 Mission bezogen: Die hab ich nur als "blöd" empfunden, weil sie der Logik nach, einfach vollkommen dämlich ist und nichts logisch erklärt... :D
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wanderimpuls
#5 | 16. Jun 2014, 16:30
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Munshun
#6 | 16. Jun 2014, 16:32
Ich denke, dass man die Möglichkeit haben sollte, sich mit verschiedenen Weltansichten auseinandersetzen zu können, ohne dass einen die herrschende Weltansicht bevormundet.
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McShepp
#7 | 16. Jun 2014, 16:34
Ich finde diese Diskussion total absurd. Jetz könnte man sich streiten, von wegen der Aussagekraft eines Mediums oder der Gleichbrechtigung zu anderen Medien. Aber ich sehe in dieser Geisel vorallem Eins:

Eine Frau.

Und der wer spielt so ein Spiel zu 95%? Männer! Seit jeher ist es in unserer DNS verankert das weibliche Geschlecht zu schützen und zu behüten. Das hat nix mit Sexismus zu tun oder dergleichen. Wenn ich eine Frau in Not sehe, dann will ich ihr Helfen. Genau das ist der Punkt in dem Spiel. Das ist kein Koffer den ich mitnehmen kann, ein lebloses Objekt. Nein es ist Mensch, der mir vermitteln soll, dass er in Not ist und zu dem ich deshalb eine Beziehung aufbauen soll, damit er mir wichtig ist.

Ansonsten schließe ich mich total meinem Vorredner Nohohon an.
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AIXtreme2K
#8 | 16. Jun 2014, 16:38
Produkte sind einfach keine Produkte mehr.
Das Design muss zu 100% stimmen, die politische Aussage muss unter allen Umständen konform mit der Vorstellung aller "Interessensgruppen" einhergehen und vor allen Dingen darf ein Produkt, egal welcher Sparte, unter keinen Umständen den allgegenwärtigen, von allen gefürchteten "-ismus"-Hohepriestern entgegen stehen.

Nee nee, Leute, daran krankt die heutige Welt.
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ThomasS1986
#9 | 16. Jun 2014, 16:57
Hier wird eigentlich ein Problem behandelt, was eigentlich kein
Problem ist.
Es handelt sich hier um Spiele, nicht mehr und nicht weniger.
Werden in vielen Filmen die Frau nicht auch als "schwach" hingestellt?
Es muss nicht immer alles politisch korrekt sein.
An alle die meinen, dass das ein Problem ist, HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!
Ihr müsst sonst keine anderen Probleme haben.
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megakay
#10 | 16. Jun 2014, 17:07
es gibt auch eine Menge Spiele mit starken weiblichen Hauptfiguren.
Gleich kommen welche um die Ecke um zu meckern dass es zu wenige Farbige in Spiele gibt.
Egal wie mans macht, man wird es niemals jedem Recht machen können.
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