Making Games Report - Casual 2015 – im Gespräch mit Popcap-CEO David Roberts

Im Rahmen des fünfjährigen Jubiläums spricht Making Games mit dem Popcap-CEO über die Gemeinsamkeiten mit Blizzard, diskutiert die Zukunftsaussichten von Plattformen und Geschäftsmodellen und erfährt, warum es keine guten Klone von Plants vs. Zombies gibt.

von Yassin Chakhchoukh,
20.11.2010 11:04 Uhr

Making Games Fangen wir ausnahmsweise mal mit einem Kompliment an: Ein deutscher Entwickler hat euch mir gegenüber mal das »Blizzard des Casual Genres« genannt.
David Roberts Ah, ich liebe diesen Vergleich. (lacht)

Making Games Naja, ihr dominiert ja fast ebenso klar euren Markt. Glaubst du, dass der Wettbewerb in den nächsten fünf Jahren härter werden wird?
David Roberts Na klar, die Konkurrenz wird im Laufe der Zeit grundsätzlich stärker. Vor allem wird sie von dort kommen, wo wir sie am wenigsten erwarten. Hättest du mich vor drei Jahren gefragt, wer heute unsere größten Wettbewerber sein werden, hätte ich komplett daneben gelegen. Derzeit staunen alle über den Aufstieg der Social-Games-Unternehmen wie Zynga oder EA Playfish -- vor drei Jahren kannte die noch niemand.
Wir freuen uns über den Blizzard-Vergleich, weil wir einen Heidenrespekt vor ihrer Arbeit haben. Tatsächlich kennen wir viele der Mitarbeiter dort und verstehen uns sehr gut mit ihnen. Und wir versuchen so oft wie möglich mit ihnen zusammenzuarbeiten. Sowohl Bejeweled als auch Peggle gibt's ja als Addons für World of WarCraft. Ich habe Rob Pardo ein paar Mal getroffen, und unsere Firmen haben beide die gleiche Vision: Unsere Spiele müssen immer die maximal mögliche Qualität erreichen, ohne Kompromisse.

Making Games Glaubst du, dass das »Try before you buy«-Modell, das Popcap einst einführte, nach wie vor eine Zukunft hat?
David Roberts Das ist ziemlich schwer einzuschätzen. Bei den Facebook-Spielen zahlen 98% der User nie einen einzigen Cent. Und genauso sah der Casual Download Markt vor zehn Jahren aus. Es waren größtenteils kostenlose Web Games, und 98% der Leute waren grundsätzlich nicht bereicht, für solche Spiele Geld auszugeben. Mit den Popcap-Spielen und unserem Demo-Modell konnten wir diesen Prozentsatz zwar massiv verringern, was aber in erster Linie an der Qualität der Spiele lag. Natürlich wird und muss sich der Casual-Markt verändern und auch seine Geschäftsmodelle immer wieder neu anpassen. Die User wollen etwa mehr soziale Komponenten in den Spielen.

Making Games Stichwort »sozial«: Koop-Modi sind derzeit einer der größten Trends im Core Gamer Markt. Bei Casual-Spielen haben wir davon noch nichts gesehen. Wird sich das ändern?
David Roberts Ja, aber nur langsam. Es klingt zwar super, ist aber bei Casual Games nur sehr schwer umzusetzen -- gerade bei Themen wie Online-Features, Zugänglichkeit und Interface. Wir sehen so etwas derzeit eher auf der Xbox 360, weil dort das Feld quasi schon bestellt ist. In Zukunft wird man aber sicherlich viel mehr Koop-Elemente auf Facebook sehen, wenn die großen Hersteller ernst machen und anfangen, »richtige« Spiele für diese Plattform zu entwickeln. Das wird interessant.

Making Games Glaubst, dass der Retail-Markt die nächsten Jahre noch überleben wird?
David Roberts Das hoffe ich doch. Wir lieben den Retail-Markt! Popcap zählt in Nordamerika zu den Top-10-Publishern, was die Einzelhandels-Umsätze angeht. Das ist eigentlich verrückt, denn eigentlich ist unsere Firma ja komplett auf das Dowonload-Modell ausgerichtet. Aber wir verkaufen zum Beispiel extrem viele Spiele in Supermarktketten wie Walmart, was sicherlich auch mit unserer Zielgruppe zusammenhängt. Der Retail-Markt wird wohl schwächer werden, aber bestimmt nicht komplett einbrechen.

Making Games Ihr wart einer der ersten Casual-Entwickler, die ihre Spiele auch auf Konsolen veröffentlicht haben. Wie siehst du die Zukunft dieses Geschäftsfeldes?
David Roberts Das ist eine schwierige Frage. Wir mögen das Konsolengeschäft, vor allem die digitale Distribution. Xbox Live Arcade funktioniert für uns zum Beispiel nach wie vor prächtig. Andererseits: Hättest du mich vor einem Jahr zum Nintendo DS befragt, wäre meine Reaktion gelinde gesagt ziemlich verhalten gewesen, denn unsere Spiele haben sich dort nur mäßig verkauft. Aber dann haben wir Bejeweled Twist auf DS veröffentlicht und müssen jetzt zum sechsten Mal nachproduzieren lassen. Generell sehen wir unsere Zukunft aber eher auf XBLA, PSN und DSi Ware -- allein schon weil der Retail-Markt im Konsolenbereich erheblich teurer und komplizierter ist als beim PC.



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Dieser Artikel erschien in Ausgabe 05/2010 des Making Games Magazins.


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