Metal Gear Solid HD Collection im Test - Snake in neuem Glanz

Konami schickt die schleichende Schlange auf eine HD- und Entschlackungskur. Warum eigentlich? Lest unseren Test der Metal-Gear-Solid-Remakes.

von Bernd Fischer,
27.01.2012 09:30 Uhr

Über das Pro und Contra der modernen HD-Neuauflagen lässt sich trefflich streiten, bei jeder anstehenden Veröffentlichung stellt sich die gleiche Frage: Braucht’s das? Und wenn ja, warum? Im Falle von Metal Gear Solid lässt sich das relativ einfach beantworten: Die Serie gehört neben Mario und Zelda zu den »Großen Drei« unseres Hobbys, wer nicht zumindest einen Teil gesehen oder gespielt hat, sollte diese Bildungslücke dringend schließen. Das spricht also ganz klar für eine Neuauflage. Allerdings kommt es immer noch darauf an, mit wie viel Liebe die Klassiker von den jeweiligen Publishern für die Wiederveröffentlichung aufbereitet werden.

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Hier leistet sich die Metal Gear Solid HD Collection einen nahezu unverzeihlichen Fauxpas: Ausgerechnet der wegweisende Auftakt der Serie fehlt! Auch vom gelungenen Remake The Twin Snakes (2004 für GameCube erschienen) keine Spur. Und selbst wenn mit Sons of Liberty , Snake Eater und Peace Walker unzählige Stunden Story- und Spielspaß auf euch warten, Snakes packender Einsatz auf Shadow Moses (auf dem zudem ein Großteil des Kults beruht) aus Metal Gear Solid fehlt einfach. Da helfen auch die beiden (nach heutigen Maßstäben schlappen) Episoden aus der MSX-Ära nichts. Die Collection fühlt sich an, als wäre man eine halbe Stunde nach Beginn des Films ins Kino gekommen.

Warmer-Mantel-Inszenierung

Im Grunde hat Mastermind Hideo Kojima schon immer auf das Kino geschielt, sein Ziel war stets »Hollywood meets Spielkonsole«. Der Kern von Metal Gear Solid ist zwar ein Schleichspiel, angereichert mit krachenden Action-Sequenzen. Ummantelt (und manchmal fast zerdrückt) wird das Geschehen aber von ellenlangen, aufwändig inszenierten Zwischensequenzen, Funksprüchen und Dialogen, die Metal Gear Solid eher zum Filmerlebnis werden lassen als zum reinen Spiel. Einsteiger dürfen sich also auf riesiges Story-Neuland freuen, Veteranen könnten allerdings die Codec-Unterbrechungen dezent auf die Nerven gehen, da sie gerade zu Beginn jeder Episode das Spielgeschehen eher aufhalten.

Zum Glück lassen sich die Gespräche auf Knopfdruck vorspulen - die Zwischensequenzen (die auch mal die zehn Minuten-Marke knacken) können ebenfalls übersprungen werden, das solltet ihr aber nicht machen. Denn: Vor allem bei den Filmen zeigt sich, wie zeitlos gut die Inszenierung gelungen ist; egal, ob ein Zweikampf in Zeitlupe ausgetragen wird, sich ein Obermotz auf dramatische Weise vorstellt oder ein Schusswechsel perfekt geschnitten und gefilmt abläuft -- hier wird klar, dass Kojima und sein Team schon immer der Konkurrenz um einige Nasenlängen voraus waren.

Der Dschungel aus Metal Gear Solid: Snake Eater wirkt auch im HD-Remake stimmig, über weite Teile aber leblos. Am gelungenen Grafikstil ändert das nichts.Der Dschungel aus Metal Gear Solid: Snake Eater wirkt auch im HD-Remake stimmig, über weite Teile aber leblos. Am gelungenen Grafikstil ändert das nichts.

Überhaupt: Sons of Liberty und Snake Eater sehen dank des typischen Metal-Gear-Grafikstils in HD immer noch gut aus, auch wenn so manche Textur schwammig und grau (MGS2) und manche Landschaft vergleichsweise leblos (MGS3) wirkt. Peace Walker von 2011 für die PSP muss man natürlich separat betrachten, aber auch hier macht sich die HD-Auffrischung gut – schöne Effekte wie brechende Wellen sind aber immer noch zu selten. Beim Sound ist alles beim Alten geblieben: Angefangen vom bombastischen Soundtrack über die fantastische englische Sprachausgabe hin zu den Soundeffekten gab es sowieso nichts großartig zu verbessern, im Vergleich zu heutigen Blockbustern wirkt aber gerade die Mehrkanal-Abmischung etwas saftlos.


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