No Man's Sky - Das Foundation-Update gibt uns ein Zuhause & damit den Spielspaß zurück

Mit dem großen Foundation-Update ist es Hello Games gelungen, die Spielwelt von No Man’s Sky wieder mit Faszination zu füllen. Das gelang vor allem dank einer Neuerung: Der Möglichkeit, ein eigenes Zuhause zu schaffen.

von Dom Schott,
30.11.2016 18:10 Uhr

No Man's SkyNo Man's Sky

Eigentlich war meine Reise vorbei. Nach vielen, vielen Spielstunden und noch mehr entdeckten Planeten hatte ich in der Grenzenlosigkeit von No Man's Sky schließlich mein letztes selbstgestecktes Ziel erreicht: Eine Tierrasse "Schokomuffins" zu nennen. Es mag seltsam klingen, aber genau diese spielerische Freiheit gesteht mir das von Hello Games geschaffene Universum zu: Ich bin ein Reisender in einer riesigen Welt und darf überall meinen Fußabdruck hinterlassen - und dabei ist es völlig egal, ob diese Spuren einen wissenschaftlich verwertbaren Querschnitt der Alien-Population sichtbar machen oder dickbäuchige Stierhunde ab sofort auf den Namen eines süßen Gebäcks hören lassen. Ein gigantischer Spielplatz ohne beachtenswerte Wegweiser: Das war von Anfang an die Magie von No Man's Sky.

Eine Reise mit Verfallsdatum mit Verfallsdatum

Doch diese Vision der Grenzenlosigkeit und das Image des Abenteuers bekam schon Tage nach dem Release irreparable Risse: Zwei Spieler konnten sich nicht sehen, obwohl sie sich am selben Ort aufhielten, während alle Entdeckungen auf einem erforschten Planeten offenbar nach einiger Zeit zurückgesetzt wurden. Ob diese Geschichten tatsächlich stimmten, spielte Stunden nach ihrer Veröffentlichung schon keine Rolle mehr - die PR-Abwärtsspirale hatte bereits Geschwindigkeit aufgenommen und je kleiner der gefühlte Fußabdruck wurde, den Spieler mit ihren eigenen Entdeckungen und Abenteuern in der Galaxie hinterlassen konnten, desto mehr schwand auch der Reiz an No Man's Sky selbst.

Die Unendlichkeit lockte mit Abenteuern — aber irgendwann hatten wir dann doch von der Reise genug.Die Unendlichkeit lockte mit Abenteuern — aber irgendwann hatten wir dann doch von der Reise genug.

Doch auch wer sich von diesen Meldungen nicht sonderlich beeindrucken ließ, stieß bald auf eigene Faust an ganz neue Grenzen, denn die Gameplay-Mechaniken einer "unendlichen Reise", wie sie No Man's Sky anbietet, erschöpften sich früher oder später. Flora und Fauna wirkten vermehrt willkürlich, kontextlos und nicht glaubwürdig zu ihrem Planeten gehörend, während der unumgehbare Abbau von Ressourcen vielfach als anstrengendes Grinding empfunden wurde. Die Luft aus der endlosen Reise war raus bis Hello Games mit dem Foundation-Update Ende November zu genau den richtigen Mitteln griff, um ihr Universum wieder mit Faszination zu füllen: Sie schenkten uns ein Zuhause.

Home, sweet home

In den Galaxien von No Man's Sky waren wir schon immer heimatlose Reisende, die nur den Weg nach vorne kennen: Wir entdecken Planeten, würdigen besonders spektakuläre Funde mit einem eigenen Namen und setzen unseren Weg fort. Nur Orte mit besonders vielen wertvollen Ressourcen besuchen wir vielleicht noch einige weitere Male - allerdings nicht aus einer emotionalen Verbundenheit heraus, sondern um unser Bankkonto praller zu füllen und neue Technologien zu erwerben, die uns wiederum immer weiter in den unendlichen Raum reisen lassen.

Auch der Ort, an dem wir das Spiel starten, lässt kein Heimatgefühl aufkommen: In der SciFi-Variante des Fantasy-Klischees "Du wurdest am Strand einer Insel angespült und erinnerst dich an nichts" erwachen wir auf einem Planeten und erhalten direkt die Aufgabe, diesen Ort wieder zu verlassen. Ein fest verankertes Zuhause lief der ursprünglichen Idee von No Man's Sky, eine nie endenden Reise durch ein gigantisches Universum, zuwider.

Ein Ort, den wir selbst gestalten können: Diese Möglichkeit hat No Man's Sky bisher gefehlt.Ein Ort, den wir selbst gestalten können: Diese Möglichkeit hat No Man's Sky bisher gefehlt.

Das Foundation-Update hat diesen Zustand nun vor allem dank eines neuen Features fundamental verändert: Mit der neu gewonnenen Möglichkeit, auf jedem entdeckten Planeten eine Basis samt Forschungsstationen, Personal, Lagerräumen und Küchenzeile hochziehen zu können, gewinnt unsere Beziehung zur Spielwelt eine ganz neue Qualität. Nun dürfen wir uns selbst einen Ankerpunkt in der unübersichtlichen Weite der Unendlichkeit schenken, der Orientierung und gleichzeitig neue Ziele bietet. Vergeht uns einmal die Lust am ziellosen Erkunden, so können wir uns nun alternativ dem Basenbau daheim zuwenden. Hierfür müssen wir gezielt Materialien suchen, neue Mitarbeiter rekrutieren und Technologien entdecken, um das ersehnte zweite Labor oder einen weiteren Landeplatz errichten zu können. Ein ganzer Sack voller neuer Gameplay-Mechaniken wartet nur darauf, von uns aufgerissen zu werden — wenn wir das wollen!

Im Gegensatz zur üblichen Basenbau-Mechanik, wie wir sie zuletzt beispielsweise in Fallout 4 gesehen haben, ist die neue Möglichkeit zum Heimwerken damit genau das Gegengewicht, das No Man's Sky und die grenzenlose Weite des Alls so dringend gebraucht hat. Immer noch dürfen wir Tiere nach unserem Lieblingsessen benennen und Planeten auf der Jagd nach Ressourcen bis zum Kern aushöhlen - doch am Ende des Tages haben wir nun einen Ort, zu dem wir zurückkehren können. Es ist die Magie eines Zuhauses, das die Endlosigkeit von No Man's Sky erst wieder zu einem reizvollen Ziel gemacht hat.


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