No Man's Sky im Test - Die Tücken der Unendlichkeit

No Man’s Sky für die PS4 erschlägt uns im Test fast mit seiner schieren Größe. Dem großen Hype kann das Spiel allerdings nicht gerecht werden.

von Tobias Veltin,
12.08.2016 14:30 Uhr

No Man's Sky - Test-Video zum Weltraumspiel No Man's Sky - Test-Video zum Weltraumspiel

Um kaum ein anderes Spiel ist seit seiner Ankündigung ein derartiger Hype entstanden wie um No Man's Sky für die PS4. Woher dieser Hype um das Spiel der kleinen Spieleschmiede Hello Games überhaupt kommt, ist rätselhaft. Vielleicht ist es die Faszination der reinen Größe - immerhin wartet eine gewaltige, prozedural generierte Galaxie mit zig Trillionen Planeten auf ihre Erkundung.

Vielleicht ist es auch die Ungewissheit, was einen in diesem Spiel eigentlich erwartet, was man dort tut? Oder die Hoffnung auf ein gewaltiges MMO, obwohl das schon vor langer Zeit von Chef-Entwickler Sean Murray dementiert wurde? Egal, woran die riesige Erwartungshaltung liegt, No Man's Sky ist jetzt da und muss sich wie jeder Titel an seiner spielerischen Qualität und Substanz messen lassen.

Abwertung wegen Bugs und Abstürzen
No Man's Sky hat auf der PS4 einige technische Probleme. Das Spiel stürzt regelmäßig ab, die Verbindung zu den Onlineservern funktioniert nicht immer stabil und es gibt einige nervige Bugs wie zum Beispiel nicht verschwindende Hinweistafeln. Deshalb ziehen zwei Punkte von der Gesamtwertung ab.

Direkt zu Spielbeginn es noch nicht weit her mit der fröhlichen Erkundungstour durch die Galaxie. Denn unser Raumschiff ist nur noch ein qualmendes Wrack, offenbar sind wir auf dem für jeden Spieler zufälligen Startplaneten bruchgelandet. Bevor es losgeht, muss die Mühle erst mal mühsam zusammengeflickt werden. Die Startschubdüsen verlangen nach Karitplatten, der Impulsantrieb nach Heridium und Zink. Also machen wir uns auf unserem zufällig generierten Startplaneten auf die Suche nach diesen Rohstoffen und gewöhnen uns an den Umgang mit dem Multifunktionsgerät.

Der Bergbaustrahl frisst sich in Pflanzen und Gestein, die darin enthaltenen Elemente sammelt er dabei automatisch ein. Keine Sorge, einen Chemie-Leistungskurs muss man für das Elementesystem nicht besucht haben, trotzdem ist der Start ins Spiel eher holprig. Denn generell will No Man's Sky, dass man sich viele Dinge selbst beibringt und erschließt.

Hilfe beim Einstieg:Tipps und Tricks zu No Man's Sky

No Man's Sky
Genre: Action
Release: 10.08.2016

Atlas oder Nada und Polo?

Eine richtige Story hat No Man's Sky nicht, als Flugziel wird lediglich das Zentrum der Galaxie angegeben. Trotzdem rollt Hello Games anfangs zumindest einen dünnen roten Faden aus. Nachdem wir das Raumschiff nach rund einer halben Spielstunde geflickt haben, werden wir zum Mond des Himmelköpers geschickt, auf dem wir dann Anweisungen für den Bau eines Hyperantriebs bekommen sollen.

Der Flug ins All oder die Entdeckung eines neues Systems ist auch nach vielen Stunden ein besondere Moment.Der Flug ins All oder die Entdeckung eines neues Systems ist auch nach vielen Stunden ein besondere Moment.

Etwas später haben wir die Wahl, ob wir lieber der Route des Atlas folgen oder in Richtung der mysteriösen Nada und Polo wollen. Was das alles zu bedeuten hat und wer Atlas und Nada und Polo sind? Das müssen wir in No Man's Sky selbst herausfinden.

Die vielen Fragezeichen verpuffen aber spätestens in dem Moment, in dem wir das erste Mal ins Dunkel des Alls eintauchen - nicht, weil wir plötzlich alles verstehen, sondern weil das so klasse inszeniert ist. Auch später, nach dem hundertsten Mal, sind wir immer noch fasziniert, wie fließend und problemlos der Übergang zwischen Planetenoberfläche und All funktioniert, eine kleine Meisterleistung von Entwickler Hello Games.

Überhaupt vermittelt das Spiel anfangs ein wunderbares Freiheitsgefühl, macht Lust aufs Erkunden. Und das sieht dann meistens folgendermaßen aus: Wir landen auf einem Planeten, scannen die Umgebung, sammeln Ressourcen und halten Ausschau nach interessanten Punkten. Es gibt Monolithen, an denen wir neue Wörter der Aliensprachen (Vy'keen, Gek und Korvax) lernen können, Signalstationen, die neue Orte markieren oder Basen, an denen wir mit Aliens sprechen oder Ressourcen und Gegenstände kaufen und verkaufen können.

Ärgerlich dabei: Einmal entdeckte Punkte finden wir zwar wieder, allerdings gibt es keine Möglichkeit, Stellen mit einem selbst platzierten Cursor zu markieren und somit wiederzufinden, was die Wegfindung ziemlich erschwert. Die Kontrollen des Raumschiffs selbst sind dagegen gut gelungen, auch wenn uns etwas der spielerische Anspruch fehlt - Crashs sind beispielsweise unmöglich, eine Landung gar mit nur einem Knopfdruck erledigt.

Je mehr Alien-Wörter, desto besser können wir verstehen, was die Außerirdischen von uns wollen.Je mehr Alien-Wörter, desto besser können wir verstehen, was die Außerirdischen von uns wollen.

In jedem System schwebt zudem eine Raumstation, an der wir ebenfalls handeln und mit Außerirdischen interagieren. Letzteres funktioniert mit einem ziemlich interessanten System: Je mehr Wörter einer Sprache wir entdecken, desto besser können wir die fremden Wesen bei simplen Dialogen verstehen und im besten Falle Belohnungen wie Währung oder Baupläne abgreifen.

Planeten bis zum Abwinken

Ein Großteil der Faszination von No Man's Sky ergibt sich aus den prozedural generierten Planeten samt zugehöriger Flora und Fauna. Wir haben auf unserer Test-Tour ungefähr 60 Himmelskörper besucht und hatten dabei nie das Gefühl, zweimal am selben Ort zu sein. Sicher, matschige Bodentexturen gibt es häufiger und mal sind riesige Pilze einfach nur rot statt gelb, aber generell ist die Vielfalt der Himmelskörper absolut in Ordnung.

Wir haben unter anderem einen Wüstenplaneten mit fliegenden Riesenwürmern besucht, sind auf einem Wasserplaneten ins kühle Nass getaucht und haben uns auf einem Mond mit oranger Atmosphäre über fliegende Felsformationen gewundert. Schön auch, dass es auf vielen Oberflächen unvorhersehbare Gefahren gibt: So sind manche Gebiete radioaktiv verseucht, Stürme peitschen uns um die Ohren oder extreme Kälte macht uns zu schaffen.

Während auf manchen Planeten karge Ödnis herrscht, gibt es auf anderen dichtere Vegetation.Während auf manchen Planeten karge Ödnis herrscht, gibt es auf anderen dichtere Vegetation.

Die zufällig erstellte Tierwelt steht dem in Sachen Abwechslung in nichts nach. Von trollartigen kleinwüchsigen Wesen bis hin zu gewaltigen Vierbeinern mit Rüssel und Geweih kreucht allerlei bizarres Gezücht mit zugegebenermaßen überschaubarer KI in der Spielwelt herum, dadurch fühlen sich die Planeten bewohnt und lebendig an. Standardmäßig haben Systeme, Planeten, Tiere und Pflanzen recht kryptische Namen, auf Wunsch lässt sich alles neu Entdeckte mit einer eigenen Bezeichnung ausstatten - falls der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass nach uns doch mal jemand im gleichen System landet.

Kämpfe mit Krämpfen

Wozu das ganze Erkunden? Zum einen bekommen wir nur so Ressourcen, die uns zum Sprung ins nächste System und damit einen Schritt weiter in Richtung Zentrum bringen. Zum anderen finden und bekommen wir unterwegs jede Menge neuer Baupläne für Technologien, mit denen wir zum Beispiel unseren Anzug (längere Sprintgeschwindigkeit, bessere Schilde) unser Multifunktionstool (Waffenupgrade, Granatwerfer) oder unser Schiff verbessern können - die entsprechenden Ressourcen vorausgesetzt.

Auch Kämpfe stehen auf dem Programm: Auf den Planeten geht's mit dem Waffenupgrade des Multifunktionstools gegen Wächterdrohnen, die extrem angesäuert reagieren, wenn man in ihrer Gegenwart Ressourcen abbaut. Und im Weltall duellieren wir uns mit Jagdschiffen, die an unsere wertvolle Fracht wollen.

Bei den Kämpfen im All sind wir meistens in der Unterzahl und haben dementsprechend wenig Chancen.Bei den Kämpfen im All sind wir meistens in der Unterzahl und haben dementsprechend wenig Chancen.

Blöd nur, dass die Kämpfe wenig bis gar keinen Spaß machen. Das liegt vor allem an der auf der PS4 sehr ungenauen und behäbigen Zielsteuerung und zum anderen an der fehlenden Herausforderung. Wir ballern zum Beispiel am Boden mehrere Drohnen ohne großartige Gegenwehr ihrer Wächter zu Klump. Und wenn es doch mal zu heikel wird, reicht die schnelle Flucht in eine Richtung, um die Bewacher abzuhängen.

Im All gibt es dann das Kontrastprogramm, dort geraten die Konfrontationen gerne mal zur gewaltigen Frustprobe. Denn meistens greifen direkt drei oder sogar noch mehr Gegner gleichzeitig an, das Resultat ist Laserfeuer von allen Seiten und meistens ein schnelles Ableben. Kämpfe sind offenbar lediglich ein »Wollten wir gerne noch drin haben«-Element in No Man's Sky, und das merkt man überdeutlich.

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