Spiele sind das »neue Leitmedium« - Erzählweise färbt auf Filme ab

Videospiele prägen durch ihr neueartigen Umgang mit Zeit und Erzählstruktur auch angestammte Kunstformen wie den Film, die so immer mehr wie Spiele werden, so ein Kölner Professor.

von Daniel Raumer,
03.01.2011 14:19 Uhr

Prof. Dr. Gundolf S. FreyermuthProf. Dr. Gundolf S. Freyermuth

Der Medienwissenschaftler Gundolf S. Freyermuth, Professor für angewandte Medienwissenschaften an der Internationalen Filmschule Köln, sprach mit der Berliner Zeitung über das Kino und den Einfluss von Videospielen. Im Gespräch vertritt er die Ansicht, dass digitale Spiele das Leitmedium der Zukunft sind. Hier werden in Bezug auf Erzählformen und Unterhaltung Innovationen ausprobiert und Trends vorgegeben. Der Kino, das diesen Status vorher innehatte, befindet sich in der Krise, laut Freyermuth.

Auf die Frage der Zeitung, ob »Games die Leitmedien der Zukunft« seien, antwortet der Medienwissenschaftler: »Ja. Aber Games vermitteln gänzlich andere ästhetische Erfahrungen als Filme. Das Kino wird daher genauso wenig verschwinden wie das Theater (…). Mit der Durchsetzung digitaler Technik und Kultur rücken neue audiovisuelle Erzählformen ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit, weil sie unseren neuen Weisen zu arbeiten und zu kommunizieren näher sind.«

Videospiele prägten eine neue Art, Geschichten zu erzählen. »Wir beobachten die Beeinflussung des Films durch digitale Spiele ja schon eine ganze Weile. Denken Sie an die zahlreichen Experimente, im linearen Kinofilm nonlineares Erzählen zu simulieren: etwa durch die Dekonstruktion der filmischen Zeit mittels spielerischer Wiederholungsstrukturen wie in »Lola rennt«, »Memento« oder jüngst »Inception«. (…) Vieles im aktuellen Kino [sieht] eher 'gamish' aus. So sehr hat sich der erzählerische Umgang mit Raum und Zeit verändert.«


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