Star Trek: Bridge Crew - Pflichtbesuch für echte Trekkies

Ubisofts VR-Spiel Star Trek: Bridge Crew sieht auf den ersten Blick nur »ganz nett« aus - bis man es selbst spielt. Wir haben auf der E3 zu viert die Brücke des Föderationsraumschiffes U.S.S. Aegis besetzt und hätten sie am liebsten nie wieder verlassen.

von Rene Heuser,
22.06.2016 14:04 Uhr

Star Trek: Bridge Crew - E3-Trailer zeigt Geordi La Forge beim Star-Trek-Spielen Star Trek: Bridge Crew - E3-Trailer zeigt Geordi La Forge beim Star-Trek-Spielen

Sind wir ehrlich: Als Ubisoft auf seiner E3-Pressekonferenz seine beiden VR-Titel Eagle Flight und Star Trek: Bridge Crew vorstellte, hielt sich die erste Begeisterung mehr als in Grenzen. Einzig der Aufritt von Levar Burton, besser bekannt als Chefingenieur und Lieutenant Commander Geordi La Forge aus Star Trek: The Next Generation, sorgte für viel Beifall.

Wie die meisten VR-Titel, wirkte das neue Star Trek-Spiele spielerisch und grafisch etwas altbacken und zwischen den Großproduktionen wie For Honor oder Watch Dogs 2 etwas deplatziert. Wäre es bei der Präsentation und dem Trailer geblieben, ich hätte Bridge Crew als einen weiteren VR-Titel der Kategorie »ganz nett« abgelegt und vergessen.

Zum Glück hatte ich gleich am ersten Tag der Messe, bei einem Nvidia-Termin, die Gelegenheit mit zwei amerikanischen Kollegen Star Trek: Bridge Crew am PC mit Oculus Rift auszuprobieren.

Volle Kraft auf Koop

Unser Kapitän ist ein Ubisoft-Entwickler - damit ist diese Position auf der Brücke schon belegt. Blieben noch Steuermann (Helmsmann), taktischer Offizier (Tactical) und Chefingenieur (Engineer); ich entscheide mich für den Pilotensitz und übernehme somit die Steuerung der Aegis.

Star Trek: Bridge Crew können wir als Steuermann, taktischer Offizier, Chefingenieur oder Kapitän spielen.Star Trek: Bridge Crew können wir als Steuermann, taktischer Offizier, Chefingenieur oder Kapitän spielen.

Star Trek: Bridge Crew funktioniert im Grunde wie ein Rollenspiel - vergleichbar mit einem Pen & Paper-Abenteuer. Ein Großteil der Faszination kommt aus der eigenen Vorstellungskraft und der Intaktion zwischen den Spielern, weshalb die Grafik des Spiels auch sofort vergessen ist, als wir uns auf der Brücke zum Dienst melden. Jeder Spieler hat eine feste Rolle und damit ein begrenzte Auswahl an Optionen und Entscheidungen.

Als Pilot steuern wir das Raumschiff, können den Kurs festlegen, die Geschwindigkeit des Impulsantriebs (wir können auch Rückwärts fliegen) einstellen, auf der taktischen Karte Ziele markieren oder auf der Gebietskarte unser Warpsprung-Ziel festlegen.

Hier beginnt aber schon die Zusammenarbeit mit den anderen Mitstreitern: Wir können zwar den Warp-Korridor einstellen, die Aegis zum Sprung ausrichten, aber wenn der Ingenieur nicht den Warp-Kern aktiviert, können wir den Überlicht-Sprung nicht ausführen.

Der Ingenieur entscheidet, welches System im Schiff wie viel Energie bekommt, Schilde, Antrieb, Waffen. Er scannt Objekte und andere Schiffe, steuert den Transporter, um Personen an Board zu beamen. Auch wenn wir es in unserer Mission noch nicht benutzen konnten: Die Aegis ist ein hochmodernes Experimentalschiff und es wird wohl auch elektronische Kampfführung geben. Der Ingenieur kann dann nicht nur Schild- und Hüllenstärke der Gegner ablesen, sondern womöglich auch die feindliche Computersysteme hacken und sabotieren.

Video-Fazit: Ubisoft-VR - Johannes Rohe über Eagle Flight und Star Trek: Bridge Crew Video-Fazit: Ubisoft-VR - Johannes Rohe über Eagle Flight und Star Trek: Bridge Crew

Die Aufgaben des taktischen Waffenoffiziers sind selbsterklärend: er bedient die Phaser-Batterien und feuert Torpedos auf die Gegner. Gut möglich, dass mit fortschreitendem Spielverlauf verschiedene Phaser- und Torpedo-Optionen oder auch Abwehrmaßnahmen zur Verteidigung hinzu kommen.

Was genau der Captain für spezielle »Fähigkeiten« hat, konnte ich während der Anspielsitzung nicht ausmachen. Seine Aufgabe ist es aber, wie bei einem Orchester die Crew zu dirigieren und den Überblick zu halten. Jeder Spieler kann auch selbst über seinen Controller eine Außenansicht anschalten, aber gerade im Gefecht bleibt keine Zeit dafür. Obwohl jedes Crewmitglied nur eine handvoll Aufgaben hat, müssen wir uns alle konzentrieren und die Anweisungen des Captains präzise folgen, um erfolgreich zu sein.

Captain, wir sind getroffen

Unsere Demo-Mission ist Teil einer dynamischen Kampagne von Star Trek: Bridge Crew, die nach den zwei jüngsten Star Trek-Kinofilmen von J.J. Abrahms spielt. Die Föderation sucht nach einer neuen Heimatwelt für die Vulkanier und wird von bekannten wie unbekannten Feinden bedroht.

Nach einem kurzen Video-Tutorial finde ich mich direkt auf dem Pilotensitz wieder. Der Captain sitzt schräg hinter mir, der Ingenieur direkt rechts und der Waffenoffizier leicht versetzt an einer eigenen Konsole dahinter. Da sich unser Körper nicht bewegt und wir nur mit dem Kopf »arbeiten«, löst Bridge Crew nicht sofort Schwindel oder Übelkeit aus, was bei manchen anderen VR-Spielen bei schnellen Bewegungen passieren kann.

Ich fühle mich sofort mittendrin. Über das Headset hören wir den Captain und die anderen Mitspieler. Unsere Hände gleiten über die Schiffsarmaturen, mit dem Oculus Touch kann ich die Karte, die Raumschiffsteuerung und Geschwindigkeitsregler bedienen. Alles ist komplett intuitiv und wirkt dadurch erstaunlich real. Ich fahre über die Karte, mein virtueller Finger streckt sich aus und ich »tippe« auf das Ziel, um es auszuwählen. So als würde ich am Laptop ein Touchpad bedienen. Wenn ich meine linke Hand über den Warpsprung-Hebel lege, dann wird diese »schwer« und bleibt darauf liegen. Die Illusion ist fast perfekt.

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Unsere Aufgabe ist einfach: Suchen und Retten. Wir sollen in ein nahegelegenes System springen und nach Überlebenden suchen, bevor der instabile Stern im Zentrum kollabiert. Ich wähle auf der Karte das System für den Warp-Jump aus und es erscheint ein Flugkorridor, auf den ich die Aegis ausrichten soll. Das Schiff bewegt sich langsam, fast etwas träge von der Station weg. Ich gebe mehr Vorwärtsschub und folge dem 3D-Pfad, der virtuell in den Weltraum gezeichnet ist.

Dem Captain ist das zu langsam und er weist den Ingenieur an, mehr Energie auf den Antrieb zu geben. Sofort wird die Aegis deutlich agiler und schneller. Es ist Zeit für den Sprung: Der Warpkern wird aktiviert und ich lege den Hebel um. Spätestens jetzt, als ich die zu Linien sich verzerrenden Lichter sehe, hat mich Bridge Crew völlig in seinen Bann gezogen. Wenige Sekunden später erreichen wir unser Ziel: überall fliegen Trümmer herum. Offenbar hat es einen Kampf gegeben. Unser Kapitän informiert uns, dass es drei Rettungskapseln mit Überlebenden gibt und wir nur wenig Zeit haben, bis das Zentralgestirn explodiert.

Ich wähle auf der taktischen Karte das erste Ziel aus, gebe vollen Schub und fliege direkt drauf zu. Ein Anfängerfehler, wie sich schnell herausstellt. Denn wir haben immer noch volle Energie auf dem Antrieb, das Schiff wird viel zu schnell und wir fliegen an der ersten Rettungskapsel vorbei. Wir haben keine Zeit es zu scannen und die Überlebenden an Board zu holen. Stattdessen steuern wir auf ein riesiges Trümmerteil zu. Der Captain schreit, der Ingenieur fährt die Schilde hoch und wir alle haben völlig vergessen, dass wir uns hier eigentlich in einem kleinen dunklen Meetingraum auf der E3 befinden.

So ein Raumschiff steuert sich nicht von allein. Wer unbedarft drauflos fliegt, schießt schnell mal über das Ziel hinaus.So ein Raumschiff steuert sich nicht von allein. Wer unbedarft drauflos fliegt, schießt schnell mal über das Ziel hinaus.

Ich drücke mit aller Kraft - was eigentlich unsinnig ist, da es eine rein digitale Konsole ist - das Steuerkreuz nach vorne und die Aegis schrammt um Haaresbreite an der Kollision vorbei. Ich habe in dem Moment wirklich das Gefühl als würde sich unter mir ein tonnenschweres Raumschiff befinden. Wenn mich jemand nach meinem Highlight der E3 fragen würde, dann wäre es genau diese paar Sekunden, als ich das Schiff mit aller Kraft nach unten drücke und sehe, wie wir mit stoischer Eleganz durch den Raum gleiten.

Bleibender Eindruck

»Sie hätten einen Poeten schicken sollen!« Dieser Ausspruch von Jodie Foster in Contact passt perfekt auf Bridge Crew und VR. Die Mission, die Aufgaben, die spielerischen Möglichkeiten sind für sich genommen nichts Besonderes. Aber die Immersion, das Zusammenspiel mit den anderen Mitspielern ist einzigartig.

Noch Tage danach erzähle ich fast jedem - der es hören will oder nicht - wie wir einen klingonischen Bird of Prey zerstört haben (angeblich waren wir die einzigen am ersten Tag, die das geschafft haben). Wie wir schwere Treffer einsteckten, als wir die Schilde für den Transport von Überlebenden senken mussten. Und wie wir am Ende mit nur 12% Hüllenintegrität und nur wenige Sekunden vor dem Explodieren des Sterns aus dem System entkommen sind.

Die ganze Mission ging wahrscheinlich nur 15 oder 20 Minunten, wird mir aber noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Und so geht es wohl vielen meiner Kollegen, die Bridge Crew auf der E3 selbst ausprobiert haben. Jeder hat danach seine eigene Geschichte erzählt. Bis auf eine Ausnahme waren wie ich alle sehr positiv vom Spiel überrascht und würden gerne - dann aber mit Freunden - auf die Brücke der U.S.S. Aegis zurückkehren.

Bridge Crew transportiert eine einzigartige Star-Trek-Atmosphäre.Bridge Crew transportiert eine einzigartige Star-Trek-Atmosphäre.

Release und Plattformen

Bridge Crew wird von Ubisofts eigenem North Carolina-Studio Red Storm Entertainment und Ubisoft Barcelona entwickelt. Red Storm ist vor allem durch die Tom Clancy-Spiele Rainbow Six und Ghost Recon bekannt geworden, und hat zuletzt auch an Far Cry 4 und The Division mitgearbeitet.

Die ersten Arbeiten an dem Spiel haben laut Ubisoft 2014 begonnen und es soll diesen Herbst für PC (mit Oculus und HTC Vive) sowie im Oktober für PS4 zum Start von PlayStation VR erscheinen.

Zusätzlich zu der Kampagne soll es auch freie, zufallsbasierte Missionen geben, die zusätzliche Herausforderungen enthalten - die alle alleine oder mit bis zu vier Spielern (idealerweise Freunden) im Online-Koop absolviert werden können. Im Solo-Modus übernimmt der Spieler die Rolle des Captains und gibt Befehle an die KI. Laut Entwicklern können wir aber bei Bedarf wechseln - oder über unsere Freundesliste und Matchmaking andere Spieler dazu holen.


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