Das neue Harry Potter Zaubereiministerium von LEGO ist viel besser als die alte Version – aber leider immer noch nicht gut

LEGO wagt mit dem neuen Zaubereiministerium für Erwachsene einen zweiten Versuch. Aber leider ist nochmals Nachsitzen angesagt.

Auch Arthur Weasley ist nicht besonders zufrieden. Auch Arthur Weasley ist nicht besonders zufrieden.

Seit dem großen Harry Potter-Relaunch 2018 gehört das Wizarding World-Franchise neben Star Wars zu den erfolgreichsten Lizenz-Reihen bei LEGO – und das alles andere als unverdient. Das modulare Schloss Hogwarts, die Winkelgasse oder Gringotts Zaubererbank wurden von Klemmbaustein-Fans und Kritiker*innen gleichermaßen gelobt.

Ein Set, das hingegen von beiden Seiten nicht besonders gut aufgenommen wurde, war das Zaubereiministerium aus dem Jahr 2022. Bemängelt wurden damals unter anderem die geringe Tiefe, das Fehlen von wichtigen Details, die instabile Konstruktion und der monotone Bauprozess.

Schon vier Jahre später wagt LEGO nun einen neuen Versuch – mit einer Sammleredition für Erwachsene. Das neue Zaubereiministerium ist dem Vorgänger in manchen Punkten ähnlich, macht aber dennoch einiges anders. Außerdem kommt es mit mehr Minifiguren, deutlich mehr Teilen und einem entsprechend hohen Preis.

Ich habe das Set zusammengebaut und verrate euch, in welchen Punkten es überzeugt und in welchen es noch immer eine Menge Luft nach oben gibt.

Das kommt mir doch bekannt vor

Wer das Set aus 2022 kennt, wird zumindest den mittleren Abschnitt des neuen Modells direkt wieder erkennen. Die verglasten grünen Türme des Atriums und wichtige Bestandteile wie die Büros von Dolores Umbridge und Arthur Weasley kehren auch in der Neuauflage zurück.

Gänzlich neu sind hingegen die beiden großen Module, die das Atrium jetzt zwischen sich einschließen. Das untere Element zeigt die Halle der Prophezeiungen und die Todeskammer samt Portal. Im oberen Modul ist hingegen der Straßenzug über dem Ministerium zu sehen.

Das alte Zaubereiministerium (76403) Das alte Zaubereiministerium (76403) Das alte Zaubereiministerium (76403) Das alte Zaubereiministerium (76403)

Das Atrium ist leicht wiederzuerkennen, der Rest ist (mit Ausnahme der Telefonzelle) komplett neu.

Die drei Abschnitte können auch leicht getrennt und einzeln ausgestellt werden. Variabel zusammenstecken – etwa um eine Seite von vorn und eine andere von hinten zu zeigen – lassen sie sich hingegen nicht.

Die Tiefe des Modells hat ordentlich zugenommen. Statt ehemals sechs Noppen, reiht das neue Ministerium jetzt 16 Noppen nach hinten aneinander. Dadurch ist in den Räumen des Atriums jetzt deutlich mehr Platz und auch die Konstruktion ist wesentlich stabiler.

Der Straßenzug

Über dem Atrium ragt die U-Bahn-Station auf, mit zwei Ticket-Gates, einem Fahrkartenautomaten und einer Fahrplananzeige, die die Abfahrten zu verschiedenen Orten, wie Little Hangleton (dem Geburtsort von Tom Riddle) oder Little Whinging (der Wohnort der Dursleys) zeigt – ein süßes Detail für Harry Potter-Fans.

Im weißen Nebenbau versteckt sich noch die Besenkammer, in der Harry, Ron und Hermine im Film die betäubten Ministerium-Mitarbeitenden verstecken, bevor sie deren Aussehen annehmen. Darin befindet sich neben einem Besen aber nur ein Schrank, dessen Innenleben lediglich durch einem Sticker gezeigt wird. Davor steht noch die Telefonzelle, die wir auch aus der Vorlage kennen – leider ohne Fahrstuhl nach unten.

Auf der linken Seite befindet sich der Eingang zu dem als Toilette getarnten Mitarbeitenden-Eingang, der zeitgleich der einzige Spot ist, an dem die Module ineinandergreifen. Die Räumlichkeiten am Fuße der Treppe gehören nämlich schon zum Atrium.

Vorderseite Auf der Vorderseite fällt vor allem die Telefonzelle auf.

Rückseite Von hinten sehen wir in die Kammer und können den Fahrplan lesen.

Das Atrium

Im Zentrum des Modells bekommen wir von vorn einen Blick auf das Atrium, in dem rechts und links die grünen Türme emporragen und in der Mitte der Brunnen steht. Insbesondere, wenn Dumbledore und Voldemort für ihr Duell aufgestellt werden, sieht die Szene schon ziemlich cool aus.

Allerdings gibt es hier ein paar Dinge, die mir absolut nicht gefallen – angefangen bei dem Boden des Atriums. Hier hätten glatte Fließen einen großen Unterschied gemacht und das Modell enorm aufgewertet – enttäuschenderweise sehen die vielen schwarzen Noppen auf der vergleichsweise großen Fläche schlicht nicht schön aus. Dazu kommt, dass auch der Brunnen im Hintergrund relativ schnöde ausfällt. Zumindest ein paar transparent-blaue Steine für das Wasser hätten es schon sein können.

Dazu kommt, dass die Türme zwar komplett verglast sind, sie aber von vorn so gut wie keine Einblicke in die dahinterliegenden Zimmer gewähren. Schaue ich durch die Fenster, starre ich auf blanke Wände oder diverse Säulen und kann so gut wie nichts von den Räumen erkennen.

So toll die grünen Türme grundsätzlich von vorn und in voller Größe auch aussehen – wenn ich in den Räumen dahinter keine Minifiguren platzieren kann, um ihnen dann durch die Fenster bei ihrem Treiben zuzusehen, büßt das Modell als Display-Set enorm an Attraktivität ein. Dazu kommt, dass die beiden Türme beim Klemmen für ein durchwachsenes Bauerlebnis sorgen, da der Abschnitt enorm repetitiv ausfällt.

Die Vorderseite des Atriums. Die Vorderseite des Atriums.

Auf der Rückseite sind insgesamt fünf Räume untergebracht:

  • das Büro von Dolores Umbridge
  • der Toilettenzugang zum Ministerium
  • das Büro von Arthur Weasley
  • der Fahrstuhlraum
  • der Anhörungssaal

Besonders cool ist der Fallschacht, der sich unter der Toilettenkabine befindet. Hier können wir etwa Harry auf den Keramikthron setzen, die Platte darunter an der Seite nach draußen ziehen und die Minifigur so über das magische Flohnetzwerk in den Kamin des Atriums verfrachten.

Auch die Büros sind grundsätzlich toll gestaltet und stecken voller Details – für die allerdings größtenteils Sticker zum Einsatz kommen, was den visuellen Eindruck etwas schmälert.

Die Rückseite des Atriums. Die Rückseite des Atriums.

Der Keller

Der Keller zeigt auf der linken Seite drei Regale, die die Halle der Prophezeiungen symbolisieren sollen. Zwei davon lassen sich über einen versteckten Schalter umschmeißen. Rechts ist das magische Portal aus der Todeskammer zu sehen, das im Inneren mit einer Vinyl-Folie ausgestattet wird.

In der Mitte werden zudem noch die Gänge der Mysteriumsabteilung mit den schwarzen Balken und einem angedeuteten Drachenkopf aufgegriffen. Der Aufbau der untersten Ebene ist prinzipiell smart konstruiert und vereint die drei Teile clever miteinander. Schade ist nur, dass die Gesamtfläche hier nicht wirklich ausreicht, um den beiden Haupträumen genug Platz zu geben, um sich richtig zu entfalten.

Beim Portal ist etwa kaum Platz, um die passenden Minifiguren darum richtig in Szene zu setzen und die drei Regale in der Halle der Prophezeiung lassen das aus dem Film so pompös wirkende Archiv wie ein verstaubtes Zimmerchen erscheinen.

Mit Blick von vorn können wir die Präsentation von Minifiguren zudem gänzlich abschreiben, da die Elemente nahezu die komplette Sicht auf den wenigen Platz dahinter verbergen.

Vorderseite Von vorne ist leider kaum noch Platz, um Minifiguren sichtbar zu platzieren.

Rückseite Schön gedacht, aber leider entfalten die beiden Räume bei der Größe nicht so recht die Strahlkraft ihrer Vorlage.

Die alte Leier mit den Stickern und dem GWP

Nur die wenigsten dürfte es verwundern, dass selbst bei dem stolzen Preis von 429,99 € gleich zwei Stickerbögen mit mehr als 30 Aufklebern in der Verpackung liegen. Nicht nur, dass für den aufgerufenen Betrag sicher auch Drucke ins Budget gepasst hätten, an einigen Stellen hätte ich mir auch schlicht eine gebaute Alternative gewünscht.

Im Büro von Arthur Weasley gibt es etwa ein Regal, das eine Sammlung von diversen Muggel-Gegenständen zeigt. Umgesetzt ist das aber schlicht durch einen Türrahmen, samt Inlay – und darauf klebt dann ein schnöder, eindimensionaler Sticker. Schade.

Der Regalsticker gehört sicher zu den besseren Motiven, aber da hätte ich mir dann doch eher ein gebautes Regal gewünscht. Der Regalsticker gehört sicher zu den besseren Motiven, aber da hätte ich mir dann doch eher ein gebautes Regal gewünscht.

Außerdem wurde mal wieder ein cooler Bestandteil des Sets in ein GWP ausgelagert. Darin befindet sich nämlich nicht nur der zweite Brunnen aus dem Atrium, sondern auch Zaubereiminister Cornelius Fudge.

Ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass ich insbesondere bei einem Preis von über 12 Cent pro Teil Drucke statt Stickern erwarte und es mich tierisch nervt, dass ohne GWP auch noch ein Teil des Modells und eine durchaus wichtige Minifigur fehlen. Die Kritik wird LEGO aber so lange von mir hören, bis ich das Klemmbaustein-Hobby an den Nagel hänge – oder eine Änderung eintritt.

Neben Cornelius Fudge fehlt aber auch noch ein anderer wichtiger Charakter im Hauptset und das ist Bellatrix Lestrange. Die spielt – Harry Potter-Fans wissen ganz genau warum – eine essenzielle Rolle in den Geschehnissen im Ministerium. Glück für Sirius, Pech für uns.

Fazit

Kevin Itzinger

Das neue Zaubereiministerium ist allein wegen seiner Größe durchaus ein Hingucker, vor allem, wenn es dann endlich aufgebaut im Regal steht und die Minifiguren bestmöglich ins Szene gesetzt sind. Das ist allerdings gar nicht so einfach, weil ich mich viel zu häufig entscheiden muss.

Will ich das Modell von vorn zeigen, verliere ich nicht nur den Blick auf die Räume, sondern auch extrem viel Platz, um die Minifiguren auszustellen. Die Möglichkeit, durch die Fenster zu schauen, hätte hier bereits einen extrem großen Unterschied gemacht.

Wenn ich dann noch auf die unzähligen Sticker starre, die teilweise leider recht detailarmen Elemente, wie der Boden des Atriums meine Blicke auf sich ziehen und ich dann daran denke, welchen Preis LEGO für das Set aufruft, fällt mir letztlich niemand ein, dem ich das Set empfehlen kann.

Dabei stecken auch einige clevere Ideen, coole Details und vor allem tolle Minifiguren in dem Set. Schlussendlich bleibt aber leider nur ein alles andere als perfektes Modell, das weder beim Aufbau noch beim Anschauen so richtig begeistert.


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