Elder Scrolls Online: Wie ich vom PvP-Muffel zum Belagerungs-Profi wurde

Obwohl er am liebsten Monster statt andere Spieler meuchelt, ist unser Autor Stephan vollkommen im Bann von Cyrodiil und verbringt seine Abende damit feindliche Burgen zu erobern.

von Stephan Zielke,
29.09.2020 18:00 Uhr

Wer PVP nicht mag, könnte sich in den Belagerungen von The Elder Scrolls Online aber trotzdem wohlfühlen. Wer PVP nicht mag, könnte sich in den Belagerungen von The Elder Scrolls Online aber trotzdem wohlfühlen.

Lasst mich mit einem kleinen Fakt über mich beginnen. Ich hasse PvP. Ich gehöre zu den Leuten, die ein Call of Duty sechs Monate später im Sale kaufen, um die Story-Kampagne zu spielen und es danach in die Ecke werfen. Bei allen Dark Souls-Teilen ist der Offline-Modus aktiv, Matches in Mortal Kombat werden nur gegen Bots ausgetragen, und MOBAs oder Battle Royale-Shooter finde ich ungefähr so interessant wie das Nachmittagsprogramm privater Fernsehsender.

Mit PvP verbinde ich eher Stress als Entspannung, was mein Hauptgrund ist abends die Konsole anzuwerfen.

Aus diesem Grund habe ich mich bis vor ein paar Wochen auch nie mit dem PvP von Elder Scrolls Online auseinandergesetzt, das ich schon seit ein paar Jahren immer gern zwischendurch spiele. Wozu auch? Es gab immer genug zu tun, ohne je einen Fuß nach Cyrodiil zu setzen, dem großen PvP-Schlachtfeld, auf dem sich die drei Fraktionen von ESO gegenseitig an die Gurgel gehen.

Groß, größer, PVP-Schlachtfeld

Doch leider brauchte ich für meinen neuen Nekromanten-Charakterbuild eines der PvP-Rüstungssets. Was macht man nicht alles für 10 Prozent erhöhten Seuchenschaden. Daher meldete ich mich widerwillig für eine der Kampagnen an und habe Cyrodiil seitdem kaum noch verlassen.

Mit großen Kriegsmaschinen an der Seite bekommt jedes PVP-Match eine gewisse Epik. Mit großen Kriegsmaschinen an der Seite bekommt jedes PVP-Match eine gewisse Epik.

Als ich das erste Mal das Schlachtfeld betrat, war ich gar nicht auf die Dimensionen der Karte vorbereitet. Cyrodiil ist das mit Abstand größte Gebiet in ESO. Neben 18 großen Festungen, sechs Basen der drei Fraktionen, zahlreichen Außenposten und drei neutralen Dörfern, erhebt sich in der Mitte die aus Oblivion bekannte Kaiserstadt, um die herum eine ständige Schlacht mit daedrischen Kreaturen tobt. Selbst mit dem Pferd brauche ich mehrere Minuten, um meine erste Schlacht zu erreichen.

Das gibt dem Gebiet etwas episches und ehrfurchtgebietendes, was mir in anderen MMOs im PvP häufig fehlt. Es machte mir direkt Lust alles zu erkunden. Insbesondere, da Cyrodiil auch vor PvE-Inhalten, wie kleinen Dungeons oder zusätzlichen Himmelsscherben nur so strotzt.

Jeder ist wichtig - auch der Ölgießer

Anfangs war ich von den ganzen Mechaniken erschlagen. Burgen, daedrische Waffen, Belagerungsmaschinen für Verteidiger und Angreifer, spezielle Skilllinien für das PvP, die man aber auch außerhalb des Schlachtfeldes benutzen kann - um nur einen Teil davon zu nennen. Zum Glück erklärt ESO das alles in kurzen Tutorialquests, bei denen mir direkt ein paar Kisten mit Versorgungsmaterial in die Hand gedrückt werden.

Wir müssen nicht an vorderster Front kämpfen. Im ESO-PVP können wir auch hinter den Kulissen helfen. Wir müssen nicht an vorderster Front kämpfen. Im ESO-PVP können wir auch hinter den Kulissen helfen.

Die waren auch bitter nötig. Denn kaum 10 Minuten später stand ich inmitten meiner ersten Belagerung, bei der ich fleißig Kriegsmaschinen zusammenflickte, heißes Öl auf Angreifer kippte und Mauern verstärkte.

Diese Unterstützungsjobs gaben mir das Gefühl etwas zur Schlacht beizutragen, obwohl ich keine Ahnung hatte was genau vor sich ging und mein Charakter überhaupt nicht für PvP ausgelegt war. Ich muss in ESO nicht an der Frontlinie stehen. Ich kann auch meinem Schlachtzug hinterher laufen, ein wenig heilen, Gefallene wiederbeleben, Medizin-Zelte und Belagerungsgerät aufstellen, und fühle mich dabei unfassbar nützlich. Bei diesem Spielstil kann ich wunderbar abschalten, mich langsam an die Funktionen von Cyrodiil herantasten und bin eine echte Hilfe für andere Spieler.

Riesige Fantasyschlachten - ganz wie The Elder Scrolls

Auf dem Schlachtfeld selbst kommt es immer wieder zu epischen Belagerungen, Kämpfen um Engstellen, Brücken oder Torhäuser, sowie kleinen Scharmützeln an Ressourcenpunkten wie z.B. Bauernhöfen. Dabei treffen auf allen Seiten dutzende Spieler plus NPC-Soldaten aufeinander, wobei richtiges Schlachtenfeeling à la Herr der Ringe oder Game of Thrones aufkommt. Wenn Werwölfe, Ritter und Magier in Kampfformation stehen, plötzlich Golems vom Himmel auf den Boden klatschen und Bolzen von Ballisten an einem vorbeisausen, dann kann zwischenzeitlich vergessen werden, dass man zusammen und gegen andere Menschen antritt.

Auf den PVP-Schlachtfeldern von The Elder Scrolls Online geht es heiß her. Auf den PVP-Schlachtfeldern von The Elder Scrolls Online geht es heiß her.

Das Spielgefühl von The Elder Scrolls bleibt.

Daher fühlt sich der PVP in ESO für mich nicht so losgelöst vom restlichen Spiel an, wie in anderen MMOs, wie beispielsweise Final Fantasy 14. Stattdessen fügt es sich organisch ein und gibt mir das Gefühl, weiterhin Teil der Fantasywelt zu sein, wie in den restlichen Gebieten Tamriels eben auch.

Hat Cyrodiil meine Meinung über PvP damit verändert? Nein. Aber zumindest werde ich anderen Spielen einmal eine Chance geben, mich vom Kampf gegen andere Spieler zu überzeugen. Falls ich in nächster Zeit mal eine Pause in ESO einlegen sollte. Aber so schnell wird das nicht passieren, denn mein Rüstungsset ist immer noch nicht komplett.

Habt ihr auch Spiele, für die ihr PVP-Ausnahmen macht?

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