Findet Nemo macht mich als Biologin fertig: Nemo ist gar kein "echter Clownfisch" und sein Vater müsste ein weiblicher Fisch sein

Findet Nemo ist ein wirklich toller Film, aber wenn wir genauer hinschauen, hat sich Disney wohl aus gutem Grund ein paar Freiheiten rausgenommen.

Findet Nemo ist wissenschaftlich nicht akkurat – ein toller Film ist es trotzdem. (Bild: Disney Pixar) Findet Nemo ist wissenschaftlich nicht akkurat – ein toller Film ist es trotzdem. (Bild: Disney / Pixar)

Filme und Serien zu schauen, zählt zu meinen liebsten Hobbies. Ich tauche abseits von Spielen gern in die unterschiedlichsten Geschichten und Welten ein, egal wie unrealistisch sie sind. Immerhin reden wir hier von Kunst und Fiktion.

Vor allem Animationsfilme, in denen es beispielsweise um lebendige Spielzeuge (Toy Story), fliegende Elefanten (Dumbo) oder Luftbändiger (Avatar) geht, haben oft wenig mit dem echten Leben zu tun. Aber genau in solch fantasievollen Welten liegt ein gewisser Reiz. Sie können uns auf ihre Art und Weise sehr gut unterhalten, verzaubern und vielleicht sogar die eine oder andere Message beinhalten.

Video starten 1:48 Findet Dorie - Neuer Trailer zu Pixars Nemo-Fortsetzung

Im Fall von Findet Nemo haben sich Disney und Pixar jedoch so einige Freiheiten genommen, die die Biologin in mir zusammenzucken lassen. Nicht, weil sie den Film verschandeln – ich liebe Findet Nemo so wie er ist. Aber es sind gibt einige Ungereimtheiten in der Unterwasser-Odyssee, die ich so nicht stehenlassen kann!

Nemos Vater hat seine Geschlechtsumwandlung verpasst

Der wohl größte biologische Plottwist, den Disney einfach ignoriert, hat mit dem sogenannten "sequentiellen Hermaphroditismus" (genauer: Protandrie = "Vormännlichkeit") zu tun. Clownfische leben grundsätzlich in Harems. Es gibt ein einziges, dominantes Weibchen, sowie viele Männchen. Wobei nur das Weibchen und das stärkste Männchen geschlechtsreif sind und sich paaren können.

Stirbt das weibliche Oberhaupt, wandelt sich das geschlechtsreife Männchen in ein Weibchen um und der nächstrangige, männliche Clownfisch wird zum aktiven Geschlechtspartner. Was, wenn wir es auf die Spitze treiben wollen, bedeutet hätte, dass Nemo dann mit seinem Vater ... äh, seiner Mutter ... weiteren Nachwuchs gezeugt hätte. Aber diese Möglichkeit ignorieren wir jetzt mal.

Die "Geschlechtsumwandlung" nimmt im echten Leben ein paar Wochen bis Monate in Anspruch. Zu dem Zeitpunkt, an dem Nemo entführt wird, hätte sein Vater Marlin also bereits ein Weibchen sein müssen. Nicht sein Vater, sondern seine Mutter hätte sich also auf die Suche nach ihm machen müssen – wobei auch das genau genommen gar nicht passieren dürfte, da geschlüpfte Clownfische erst als Larven umhertreiben und sich später als Jungfische nach einer anderen Anemone umsehen.

Annika Bavendiek
Annika Bavendiek

Annika ist studierte Biologin. Ihr Interesse richtet sich vor allem auf Zoologie (Tiere), Taxanomie (Klassifizierung), Ökologie, Evolutions- und Verhaltensbiologie. Sie arbeitet zwar seit vielen Jahren als Redakteurin für Videospiele, so ganz kann sie sich aber nicht aus ihrer "Biologin-Haut" lösen.

Nemo ist kein echter Clownfisch, irgendwie aber dann doch

Achtung, jetzt wird es etwas verwirrend: Denn Nemo ist ein Clownfisch, also ein richtiger Clownfisch, aber eben gleichzeitig auch kein "Echter Clownfisch". Genau genommen ist er ein "Falscher Clownfisch", denn er sieht nicht wie ein "Echter Clownfisch" aus, ist aber trotzdem ein Clownfisch. Klar soweit?

Da ich euch damit vermutlich maximal verwirrt habe (mit etwas Absicht), noch einmal genauer definiert: Ja, Nemo ist definitiv ein Clownfisch. Er zählt zu den Anemonenfischen (Amphiprion). Innerhalb dieser Gattung gibt es verschiedene Arten an Clownfischen, darunter den "Echten Clownfisch" (Amphiprion percula) und den "Falschen Clownfisch" (Amphiprion ocellaris) – zu Letzterem zählen Nemo und Marlin.

Falscher Clownfisch (Nemo) Echter Clownfisch Falscher Clownfisch (Nemo) Echter Clownfisch

Bildquellen: Jan Derk / Wikimedia Commons / Public Domain (Amphiprion ocellaris) & Haplochromis / Wikimedia Commons / Public Domain (Amphiprion percula)

Diese beiden Arten sehen sich sehr ähnlich, weisen aber doch ein paar unterschiedliche Merkmale (Aussehen, Lebensraum etc.) auf, die man auf den ersten Blick oder ohne direkten Vergleich nicht unbedingt erkennen kann.

Vereinfacht gesagt sind "Falsche Clownfische" wie Nemo minimal größer, haben mehr "Stacheln" an der Rückenflosse und leben eher im Nordwesten statt im Osten Australiens. Am besten lassen sie sich aber anhand der Farbgebung unterscheiden. "Falsche Clownfische" habe nicht so starke schwarze Ränder zwischen den weißen und orangenen Bereichen, ihr Orange ist etwas matter und ihre Augen dunkler.

Findet Nemo beinhaltet sogar noch ein paar weitere wissenschaftliche Fallstricke, liegt an anderen Stellen aber (zumindest teilweise) auch richtig. Den Ost-Australischen Strom, durch den die Schildkröten mit Marlin und Dori sausen, gibt es beispielsweise wirklich, auch wenn er um einiges größer ist.

Grundsätzlich sollten wir uns von solchen falschen Darstellungen natürlich nicht den Spaß nehmen lassen. Nur in den seltensten Fällen haben Filme ein realistischen Anspruch. Trotzdem ist es nicht verkehrt, die eine oder andere Sache zu hinterfragen, damit wir etwa beim nächsten Biologietest nichts Falsches schreiben. Vielmehr könnt ihr mit diesem Wissen jetzt bei einem Filmabend oder lustigen Quizrunde etwas klugscheißen, falls ihr wollt.


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