2.797 Stimmen gegen mich: Ich will Serien noch wie früher schauen, aber 84% von euch sehen das anders

In unserer Umfrage zum Serien-Streaming wart ihr euch sehr einig. Annika zählt allerdings nicht dazu.

Wie wir unsere Serien am liebsten schauen, ist eine sehr individuelle Sache. (Bild: Amazon MGM Studios Bethesda) Wie wir unsere Serien am liebsten schauen, ist eine sehr individuelle Sache. (Bild: Amazon MGM Studios / Bethesda)

Wenn Serien-Highlights mit wöchentlichem Release-Rhythmus (z.B. The Last of Us, Fallout Staffel 2, Ted Lasso) anlaufen, stehe ich jedes Mal vor derselben Entscheidung: Warte ich geduldig mehrere Wochen, bis die gesamte Staffel verfügbar ist, um sie in einem Rutsch durchzuziehen oder schaue ich ganz brav jede Woche die neueste Folge?

Bislang habe ich mich fast immer für Letzteres entschieden – und wurde jedes Mal aufs Neue bestätigt: Der sofortige Release aller Folgen hat fraglos seine Vorzüge, doch ich bevorzuge die altmodische Taktung. Damit gehöre ich allerdings zu einer verschwindend geringen Minderheit. Unsere GamePro-Umfrage zum Thema macht das mehr als deutlich:

Was bevorzugt ihr bei Serien: Ein wöchentlicher oder sofortiger Release aller Folgen?

  • 84% bzw. 2.797 Stimmen - Mir ist es lieber, wenn alle Folgen sofort verfügbar sind.
  • 16% bzw. 529 Stimmen - Ich bevorzuge es, dass jede Woche eine neue Folge erscheint.

Video starten 11:21 The Last of Us liefert in Staffel 2 eine Schlacht wie aus Game of Thrones - so ist sie entstanden

Rund 2.800 Stimmen gegen mich. Ich verstehe die Gegenseite absolut: Ein kompletter Drop wie bei Fallouts erster Staffel spart bares Geld, weil man kein Streaming-Abo über Monate strecken muss. Zudem schützt ein schnelles Bingen davor, auf Social Media oder von Freunden gespoilert zu werden.

Trotzdem bleibe ich etwas stur. Und das liegt nicht nur daran, dass ich die Vorfreude, das Spekulieren und die wöchentlichen Diskussionen mit Freunden liebe. Der Hauptgrund ist aber ein anderer: Der Wochentakt schützt mich mehr vor mir selbst und den manipulativen Mechanismen der Streaming-Dienste.

Ich bezahle lieber länger für ein Streaming-Abo, um die Kontrolle zu behalten

Wer wie ich rein mit dem linearen Fernsehprogramm aufgewachsen ist, kennt das Warten auf neue Folgen. Das hat mich und meine Freunde aber nie groß gestört, immerhin gab es keine Alterntive, denn die DVD-Boxen gab es erst Monate später.

Heute schmeißen mir die Streaming-Dienste dagegen liebend gern komplette Staffeln vor die Füße. Das ist unbestreitbar bequem und spart Geld, tut mir aber nicht immer gut.

Annika Bavendiek
Annika Bavendiek

Annika ist es vom linearen Fernsehen gewohnt, dass neue Folgen auf sich warten lassen. Als die meisten Streaming-Serien das änderten, veränderten sich auch ihre Sehgewohnheiten - allerdings hatte das auch negative Auswirkungen. Binge-Watching steht bei ihr natürlich auch mal an, aber sie ist über jede Serie froh, die sich etwas mehr Zeit lässt.

Die Kombination aus gezielten Cliffhangern und dem Autoplay-Countdown hebelt meine Selbstdisziplin regelmäßig aus. So bin ich mehr als einmal in einem ungewollten Serien-Marathon versumpft, der Konequenzen hatte:

  • Emotionale Abstumpfung: Nach stundenlanger Dauerberieselung fühlt es sich eher nach Trance als nach Unterhaltung an. Die Handlung verblasst, Details gehen verloren und die Serie fühlt sich weniger wertig an.
  • Schlafmangel: Vor allem Cliffhanger, die künstlich eine innere Anspannung erzeugen, führen dazu, dass ich direkt weiterschauen will. Das führt aber durchaus mal zu viel zu kurzen Nächten.
  • Verschobene Prioritäten: Vor allem der veränderte Schlafrhytmus zieht einen Rattenschwanz nach sich. Nicht nur fehlt Energie, es werden auch mal Termine verschoben oder abgesagt. Der Sport fällt aus, die Zeit mit Freunden wird gekürzt, die Dreckwäsche bleibt liegen.

Oder anders ausgedrückt: Serien, die mir alle Folgen sofort vor die Nase halten, kämpfen viel mehr um meine Aufmerksamkeit, als mir lieb ist. Dabei die Kontrolle zu behalten, ist manchmal gar nicht so einfach. Natürlich ist es auch eine Frage der Selbstkontrolle, das Binge-Watching in Maßen zu halten, aber Streaming-Dienste machen es uns (ähnlich wie Social Media-Plattformen) bewusst nicht leicht, weil sie so eben auch Geld verdienen. Unsere Verweildauer ist ihr Erfolgsmodell.

Das Ganze erinnert mich etwas an Schokolade. Ein paar Stücke sind unbedenklich und lecker. Aber wenn es eskaliert, fühle ich mich körperlich und mental schlecht. Und trotzdem liegt beim nächsten Einkauf dann wieder mehr als eine Tafel im Korb ...

Daher freue ich mich jedes Mal, wenn eine Serie meine Zeit und Selbstkontrolle immerhin etwas respektiert, indem nur jede Woche eine neue Folge erscheint. Bei den immer wieder steigenden Preisen der Streaming-Abos knarsche ich dann zwar schonmal mit den Zähnen, aber das ist es mir am Ende wert.

Falls ihr bei unserer Umfrage noch mitmachen wollt, könnt ihr das üben den oben verlinken Artikel tun. Dort findet ihr dann auch immer das aktuelle Ergebnis – das sich aber zumindest vom Verhältnis nicht mehr groß ändern dürfte, es sei denn, viele Verfächter*innen des Wochenrhythmus stehen mir noch bei.

Schreibt mir außerdem gerne in die Kommentare, was ihr über das Thema denkt.


Kommentare(1)
Kommentar-Regeln von GamePro
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.