Tod den Helden: Warum das vorzeitige Ableben seinen Reiz haben kann

Der Tod einer Hauptfigur in einem Videospiel kann seinen Reiz haben – aber nur, wenn er zum Tonfall der Geschichte passt und der Charakter gut aufgebaut ist, findet unsere Freie Autorin Samara.

von Samara Summer,
28.07.2021 14:00 Uhr

Die bitteren Enden können durchaus ihren Reiz haben, findet unsere Freie Autorin Samara. Die bitteren Enden können durchaus ihren Reiz haben, findet unsere Freie Autorin Samara.

Der Tod und Videospiele - Kann das zusammenpassen? Also "der Tod" nicht in Form von "Ich werde vom Feind gekillt und muss am Checkpoint neu anfangen", sondern der endgültige Story-Tod von Hauptfiguren. Ist das cool in einem Medium, das eigentlich auf Spaß ausgelegt ist? Ich sage: Auf jeden Fall! Aber nur dann, wenn es zum Tonfall der Geschichte passt und der entsprechende Charakter so gut aufgebaut ist, dass sein Ende wirklich berührt. Was ich darunter verstehe, erkläre ich euch hier.

Der folgende Artikel enthält Story-Spoiler zu verschiedenen Spielen. Da bereits die Nennung der Titel ein Spoiler wäre, verzichten wir darauf.

Bitte keine Überhelden

Klar spiele ich Videospiele, um zu entspannen und abzuschalten, aber auch um großartige Geschichten zu erleben. Ich schreibe bewusst von "erleben", weil für mich ein Unterschied zu Filmen oder Büchern besteht, bei denen ich nur passive Beobachterin bin.

Besonders investiert in die Storys bin ich dann, wenn ich mit den Charakteren mitfiebere, weil diese sich echt anfühlen - Und das ist eben dann gegeben, wenn ich das Gefühl habe, es zählt, weil ich es nicht mit unantastbaren, unsterblichen Superheldinnen und -Helden zu tun habe. Der Spannungsfaktor steigt und ich empfinde automatisch mehr Empathie für einen Charakter, wenn ich weiß, er oder sie ist nicht sicher und vor allem gefeit.

Mit dem Happy Ende für John hätte es ja fast geklappt... Mit dem Happy Ende für John hätte es ja fast geklappt...

Rote - und vor allem tote - Erlösung

Red Dead Redemption, das ich etwas verspätet gespielt habe, war nach The Last of Us das zweite Spiel, das mich mit seiner Story so richtig umgehauen hat. Auch wenn die abgefahrenen Momente der Handlung mich oft zum Lachen gebracht haben, habe ich von Anfang an den unheilvollen Unterton der Geschichte wahrgenommen und mich ständig gefragt: "Werden die…? Wird er…? Können die echt…?"

Als es dann so weit war, hat mich Johns Tod nach dem fiesen Verrat der Bundesagenten wirklich getroffen, fühlte sich aber gleichzeitig stimmig an. Ein zu kitschiges Happy End hätte einfach nicht zu dieser Western-Gangster-Geschichte gepasst.

Samara Summer

Samara Summer
@Auch_im_Winter
Samara kann sich immer für gute Geschichten mit starken Charakteren begeistern, ganz egal, ob es sich um Videospiele, Bücher oder Serien handelt. Auch wenn sie sich für sympathische Figuren immer einen guten Ausgang wünscht, findet sie, dass die bitteren Enden oft länger nachhallen. Red Dead Redemption und Resident Evil gehören zu ihren liebsten Spielereihen. Sie hat eine klare Meinung, welche Reihe das mit dem Heldentod besser hinbekommt.

Zweite Runde

Noch etwas drastischer war das dann mit Arthur in RDR2. Als der Held des Spiels sich mit Tuberkulose infizierte, war das sein Todesurteil. Das war mir völlig klar, weil ich die Krankheit zum einen aus vielen in dieser Zeit angesiedelten Geschichten kenne und weil ich ja bereits wusste, dass Rockstar nicht zimperlich mit Protagonisten umgeht.

Ich muss sagen: Einen ganz klar todgeweihten Charakter zu spielen und zu sehen, wie problematisch andere Figuren im Spiel mit ihm umgehen - mal mitleidig, mal herablassend bis feindselig - hat mich wirklich nachdenklich gemacht. Als der Tod von Arthurs Pferd als Vorbote seines eigenen Ablebens daherkam, hatte ich einen Kloß im Hals - und als Arthur dann ein friedliches Ende an einem Berghang fand, war ich erleichtert. Bitter, aber nicht zu bitter.

Dass es für Arthur nicht gut ausgehen kann, wird schnell klar. Dass es für Arthur nicht gut ausgehen kann, wird schnell klar.

Aber…

Diese dramatischen Endszenen funktionieren nur, weil ich die beiden Charaktere im Spielverlauf schätzen gelernt habe und ich einfach gerne mit ihnen unterwegs war. Weil ich weiß, ich wäre auch noch mal mit ihnen losgezogen.

Bei Resident Evil 8 ließ mich Ethans Heldentod dagegen beispielsweise ziemlich kalt. Versteht mich nicht falsch: Ich liebe das Spiel. Das lag nur nicht an Ethan, der eben genau dieser Typ von unverwundbarem Superheld war, den ich zuvor erwähnt habe. Auch wenn es dafür eine mehr oder weniger schlüssige Begründung gab.

Ethan, von dem wir im Spiel nur die Hände sehen, die so einiges abbekommen, konnte Samara nicht überzeugen. Ethan, von dem wir im Spiel nur die Hände sehen, die so einiges abbekommen, konnte Samara nicht überzeugen.

Allgemein kann ich für mich festhalten: Ja, wenn die Qualität der Geschichte und Figuren passt, schätze ich auch die bitteren Enden. Sie hallen länger nach. Aber das muss nicht immer sein und passt nicht zu jeder Story.

Welche Art von Ende bevorzugt ihr? Ein Happy End für die Protagonistin oder den Protagonist oder mögt ihr die melancholischen Töne?

zu den Kommentaren (12)

Kommentare(12)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.