Der Mangaverlag Shueisha, der unter anderem das "Weekly Shonen Jump"-Magazin verantwortet, wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Zur Feier des Tages gibt es keine Sonderausgabe, sondern eine ganze Bibliothek, die am vergangenen Donnerstag online ging.
Die "MangaMillion" genannte Seite liefert rund 400 Serien kostenlos und ohne Registrierung; die eine Million an Manga-Seiten wurden dabei in über 100 Sprachen übersetzt. Das klingt nach einem Geschenk an die Fans, doch schnell kippte die Stimmung: In den Übersetzungs-Credits stehen Firmen, die offen mit maschineller Übersetzung werben – obwohl der verantwortliche Redakteur genau das ausgeschlossen hatte.
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MangaMillion: Das ist die Jubiläumsseite
In der Pressemitteilung spricht Shueisha von "rund 400 Manga-Titeln", die für euch zur Verfügung stehen. Neben allseits bekannten Flaggschiffen von One Piece über Naruto bis Chainsaw Man sollen rund 150 Shojo-Werke an Bord sein; der Verlag spricht in diesem Kontext unter anderem "Nana" oder "Kimi ni Todoke: From Me to You" an.
Knapp 300 der MangaMillion-Titel sollen dabei erstmals eine Übersetzung aus dem Japanischen erhalten haben. Davon wurden wiederum 50 Titel in mehrere Sprachen übertragen.
Flitto, EC Innovations, Blue Horizon: Community zweifelt
Die anfängliche Freude der Manga-Community wich aber schnell dem Unbehagen. Den Stein ins Rollen brachte "Jaro0__", der sich auf X die Auflistung der MangaMillion-Mitwirkenden genauer ansah – die ist nämlich öffentlich zugänglich.
Hier fand der Manga-Fan heraus, dass der Dienstleister "Flitto Japan Inc." für so einige der Übersetzungen zuständig war. Flitto wirbt indes offen damit, maschinelle Übersetzungen zu nutzen. "Jaro0__" mutmaßt daraus den Vorwurf, Shueisha habe "eine KI-Übersetzungsfirma beauftragt, statt echte Übersetzer*innen zu bezahlen".
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Der Letterer (für die Schrift in Sprechblasen und die gezeichneten Geräuschwörter zuständig) Rafael Zaiats prüfte in diesem Kontext für The Beat die georgische Fassung von One Piece.
Die Lautmalereien – also die ins Bild gezeichneten Soundeffekte – wirken demnach aus dem Englischen umgeschrieben statt durch georgische ersetzt. Ein georgischer Muttersprachler und namentlich nicht erwähnter Freund Zaiats urteilte im Anschluss, der Text fühle sich dadurch überhaupt nicht menschlich an.
Maschinell muss deshalb nicht alles sein. Demselben Magazin schilderte ein beteiligter Übersetzer anonym, dass sehr wohl Menschen an den Titeln gesessen hätten – vertraglich dürften sie es nur nicht sagen.
Die deutsche Fassung kommt ohne KI aus
Am Beispiel von One Piece wird das Ausmaß ersichtlich: Hinter den 102 Sprachfassungen der ersten 108 Kapitel, die per MangaMillion zur Verfügung stehen, steht insgesamt 32 Mal der Name Flitto Japan Inc.
- Das Unternehmen hat sich hier jeweils für Übersetzung, Lettering und Editing verantwortlich gezeichnet.
- Weitere Sprachen laufen über Anbieter wie EC Innovations oder Blue Horizon, die ebenfalls KI-gestützte Lokalisierung anbieten.
Immerhin: Die deutsche Fassung stammt laut der Webseite von Ayumi von Borcke; Lettering und Editing wurden indes von Carlsen Manga übernommen.
Shueisha-Redakteur verneinte zuvor KI-Einsatz
Besonders pikant: Shuhei Hosono, Chefredakteur von Manga Plus und Initiator des Projekts, wurde zum Launch von Anime Corner direkt nach der Rolle KI-gestützter Übersetzung gefragt. Seine Antwort bestand aus einem einzigen Satz:
In der Übersetzung wurde keine KI genutzt.
Diese Antwort wiederholte Hosono auch auf eine erneute Nachfrage, als es um Wortspiele und Onomatopoeia (Lautmalerei) ging, die sich nicht immer sauber aus dem Japanischen in die jeweilige Sprache übertragen lässt. Auch hier antwortete der Chefredakteur: keine KI.
Inwieweit diese Aussagen mit den Community-Funden zusammenpassen, ist bislang nicht abschließend zu klären.
Würdet ihr einen Manga lesen, bei dem ihr nicht wisst, ob ein Mensch die Übersetzung gemacht hat?
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