Die (wahrscheinlich) ersten Gameplay-Eindrücke aus GTA 6 erscheinen am 27. August zunächst exklusiv auf Netflix, lediglich sechs Stunden später allerdings auch kostenlos auf YouTube. Also alles halb so wild, richtig? Schließlich haben viele von uns den Streaming-Dienst sowieso bereits abonniert und selbst wenn nicht, wir mussten gefühlte Ewigkeiten auf Gameplay zum “Spiel aller Spiele” warten, die paar Stunden mehr sind doch nun wirklich komplett egal.
Ich kann jeden verstehen, der den gestrigen Aufschrei über die Zeitexklusivität als typische Internet-Wüterei über Kleinigkeiten abgestempelt hat und davon eher genervt war. Allerdings ist das Thema weit komplexer, als es zunächst scheint. Sorgt Rockstar als aktuell erfolgreichster Entwickler für ein Novum, dann bleiben solche Aktionen nicht unbemerkt. Sie haben Einfluss auf die komplette Gaming-Branche.
Nur ein weiterer kleiner Schritt ins Unschöne
Was Rockstar mit dem Netflix-Deal abgeschlossen hat, ist – heruntergebrochen auf das Wesentliche – nämlich Folgendes: Ihr bezahlt für Werbung. Ein Trailer, so spannend er auch sein mag, ist nämlich exakt das. Ein Mittel, um euch das Produkt schmackhaft zu machen und euch vom Kauf zu überzeugen.
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Rockstar Games kündigt GTA 6-Gameplay an - AUF NETFLIX!
Natürlich haben wir mit GTA 6 zunächst einen Einzel- und vielleicht auch Ausnahmefall. Allerdings auch einen Türöffner. Für mich steht außer Frage, dass Entwickler und Publisher enorm beliebter Marken wie beispielsweise Pokémon gestern ganz genau hingeschaut haben.
Der erste Gameplay-Trailer zu sehnlichst gewünschten Spielen wie Fallout 5, der wie die Serie exklusiv auf Amazon Prime erscheint? Seit gestern kein unrealistisches Szenario mehr und vor allem ein weiterer unschöner Schritt in die meiner Meinung nach falsche Richtung.
Im konkreten Fall leistet Rockstar regelrechte Pionierarbeit. Neben dem Vollpreis und Mikrotransaktionen auch immer mehr für Werbung zu bezahlen, ist allerdings keine Erfindung von Rockstar. EA hat mittlerweile gar ein eigenes Programm gestartet, das es Werbekunden erleichtert, gezielt Ingame-Werbung zu schalten:
Und seien es Monster-Energiedrinks in Death Stranding, Adidas-Shops im neuen The Grounds-Modus von EA Sports FC 27 oder Werbung für Porsche oder Uhrenhersteller Hamilton in Resident Evil: Requiem. Entwickler finden immer neue Wege, um Produktplatzierungen in ihren Blockbustern unterzubringen.
Und was wir gerade bei Rockstar und GTA 6 erleben, ist lediglich eine weitere Verschiebung der Grenzen.
Der Netflix-Deal ist kein Einzelfall bei GTA 6
Gemessen am enormen Hype rund um GTA 6, stand im Vorfeld bereits die Frage im Raum, wie weit Rockstar die Grenzen ausreizt. Einfach, weil sie es sich erlauben können.
Mittlerweile bekommen wir immer mehr ein Gespür dafür, wie die Realität aussieht.
- In einige Läden bzw. Bereiche der Spielwelt Leonida gelangt ihr nur, wenn ihr euch die 100 Euro teure Ultimate Edition holt. Zwar kostet die Standard-Version “nur” 80 Euro, letzten Endes kann es durch solche Einschnitte dennoch sein, dass das “wahre Preisschild” dreistellig ist. In der GamePro-Umfrage gaben 64% der Teilnehmer aus der Community an, sich die teurere der beiden Editionen zu kaufen.
- Die physische Version erscheint ohne Disc und allem Anschein nach auch ohne Karte – und damit einem der coolsten Goodies der früheren GTAs.
Viele von uns, mich eingeschlossen, freuen sich auch trotz der unschönen Nebenschauplätze ungemein auf den 19. November.
Dennoch sollte niemand solch lapidar erscheinende Deals, wie hier bei Rockstar und Netflix, einfach mit einem Schulterzucken wegwischen. Am Ende geht es nämlich nicht darum, einen Trailer sechs Stunden früher zu sehen. Es geht um unser liebstes Hobby, das vor allem in der aktuellen Zeit mit dem Wegfall der PlayStation-Discs als prominentes Beispiel in immer unschönere Gefilde abdriftet – und das will doch sicher niemand.
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