Moon: Remix RPG ist das "Undertale" der PS1-Ära & jetzt auf Switch spielbar

Vor 23 Jahren erschien das „Anti-RPG“ Moon: Remix RPG Adventure in Japan. Aber erst jetzt wurde der Kult-Hit in Form eines Switch-Ports auch im Westen veröffentlicht.

von Erik Körner,
12.09.2020 12:00 Uhr

Moon: Remix RPG Adventure erscheint nach 23 Jahren zum ersten Mal auch im Westen. Moon: Remix RPG Adventure erscheint nach 23 Jahren zum ersten Mal auch im Westen.

2015 schlug der Indie-Hit Undertale riesige Wellen. Sowohl die Presse als auch Spieler schwärmten von dem pazifistischen Spiel, das Entwickler Toby Fox als "freundliches RPG, in dem niemand sterben muss" bewarb. Doch bereits 1997 erschien in Japan ein ähnlicher Titel, der Fox massiv beeinflusste - Moon: Remix RPG Adventure, kurz Moon.

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Held ist nicht gleich Held

Worum geht's? Ein Junge spielt nachts ein stereotypes JRPG. Darin übernimmt ein gleichermaßen stereotyper Ritter die Aufgabe, einen Drachen zu erlegen. Als die Mutter des Jungen merkt, dass ihr Sohn statt zu schlafen lieber an der Konsole hängt, zwingt sie ihn, ins Bett zu gehen. Aber Überraschung: Der Fernseher saugt das Kind in dessen Lieblings-RPG.

Er wacht als unsichtbare Gestalt in der Spielwelt auf, lediglich seine Kleidung verleiht ihm Form. Schnell muss er feststellen: Der Ritter ist kein Held, sondern ein Mörder. In seiner Gier nach Erfahrungspunkten tötet er jedes Tier, das seinen Weg kreuzt. Außerdem betritt er ungebeten fremde Häuser; ein Alkoholproblem scheint er ebenfalls zu haben.

Der eigentliche "Held" von Moon ist ein ziemlich unangenehmer Zeitgenosse. Der eigentliche "Held" von Moon ist ein ziemlich unangenehmer Zeitgenosse.

Das macht ihr: Der Junge muss die Seelen der ermordeten Tiere finden und sie dann mit ihren Leichnamen wiedervereinen, damit sie in Frieden gehen können.

Für jede gerettete Seele erhält der stille Held Liebe statt Erfahrungspunkte. Ebenso bringen kleine Gesten der Freundlichkeit gegenüber den Bewohnern der Welt Liebe. Die Menge an gesammelter Liebe bestimmt wiederum, wie lang unser Protagonist wach bleiben kann ohne vor Erschöpfung zusammenzubrechen. Je größer das Liebe-Level, desto länger können wir also nach Seelen suchen oder Leuten helfen. Echte Kämpfe gibt es nicht.

All you need ist love - wortwörtlich. All you need ist love - wortwörtlich.

Besser spät als nie

23 Jahre sind eine lange Zeitspanne. Die Frage, warum Moon erst jetzt seinen Weg zu uns gefunden hat, drängt sich daher unweigerlich auf. Hier schließt sich aber der Kreis. Vor kurzem gab Moon-Writer und Designer Yoshiro Kimura nämlich in einemInterview mit Vicebekannt: Er und Undertale-Schöpfer Fox sind befreundet.

Da Moon nie eine englische Übersetzung erhielt (obwohl sie geplant war), konnte Fox es nie selbst spielen. Er kannte lediglich das Konzept. Nachdem Fox fragte, warum Moon nicht im Westen erschienen ist, fühlte sich Kimura motiviert, die Lokalisierung anzugehen.

Die englische Übersetzung ist sehr charmant. Die englische Übersetzung ist sehr charmant.

Um die Übersetzung kümmerte sich übrigens unter anderem der ehemalige Kotaku-Redakteur Tim Rogers. JRPG-Fans könnten Rogers für sein Review von Dragon Quest 11 oder seine Videoreihe über die Übersetzung von Final Fantasy 7 kennen.

Warum solltet ihr Moon spielen?

Es wäre einfach, zu sagen: Ihr solltet Moon spielen, weil es ein Stück verschollene Videospielgeschichte ist. Das lässt sich jedoch von allen Titeln behaupten, die über zwanzig Jahre in der Versenkung verbrachten.

Im Kontext seiner Zeit war Moon revolutionär. Mitte der Neunziger existierten kaum Spiele, die das Medium Videospiel kommentierten oder parodierten. EarthBound (1994) oder Parodius (1988) sind zwei der seltenen Ausnahmen.

Ähnlich fortschrittlich sieht es beim Spiel-Design aus. Je nach Tag und Uhrzeit befinden sich Charaktere an unterschiedlichen Orten, gehen verschiedenen Handlungen nach oder ändern ihre Dialoge. Viele Sidequests basieren sogar auf diesen Tagesabläufen. Und das drei Jahre vor The Legend of Zelda: Majora's Mask, dessen Hauptgimmick die tickende Uhr war.

Ähnlich wie Undertale schreckt auch Moon nicht vor absurden Momenten zurück. Ähnlich wie Undertale schreckt auch Moon nicht vor absurden Momenten zurück.

Selbst, wenn ihr mit Undertale vertraut seid: Einen so extravaganten Titel wie Moon habt ihr wahrscheinlich noch nicht gespielt. Das merkt ihr spätestens dann, wenn ein Oktopus in einem Miniufo die geretteten Wesen via Greifarm abholt. Oder wenn ein kauziger Mensch in einer Kirche ein Tier fragt, ob er jetzt Gott sein darf.

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