Nintendo stellt Antrag auf Pokémon-Patent und er wird abgelehnt – unter anderem wegen eines 13 Jahre alten Fan-Spiels

Nintendo ihält bekanntlich nicht viel von Fan-Spielen. Das dürfte mit dieser Amtsentscheidung wohl kaum besser werden.

Ein Patent-Antrag von Nintendo wurde abgelehnt, der vermutlich als Verteidigung gegen Palworld Mobile gedacht war. Ein Patent-Antrag von Nintendo wurde abgelehnt, der vermutlich als "Verteidigung" gegen Palworld Mobile gedacht war.

Anfang des Jahres reichte Nintendo beim Japanese Patent Office (JPO) den Antrag für ein Patent ein, das ihre Monster-Fang-Mechanik mit Fokus auf Touchscreen-Steuerung sichern sollte. Allerdings hat die Behörde dieses Ersuchen nun wiederholt abgelehnt und begründet die Entscheidung unter anderem mit einem alten Fan-Projekt.

Was ist passiert?

Florian Mueller vom Magazin Games Fray begleitet Nintendos bürokratisches und juristisches Vorgehen gegen den konkurrierenden Creature Collector Palworld, das bereits seit einigen Jahren läuft. Das hier erwähnte Patent spielt zwar im großen juristischen Verfahren zwischen Nintendo und Pocketpair (den Palworld-Devs) keine Rolle, gehört allerdings zur gleichen Patentfamilie.

Video starten 11:35 Palworld 1.0 ist gewaltig! Das hat sich in 2 Jahren alles getan

Muellers Einschätzung nach steckt hinter dem oben genannten Patent-Antrag vermutlich das Ziel, dem Ableger Palworld Mobile Steine in den Weg zu legen.

Doch daraus wird vermutlich nichts. In zweiter Instanz hat das JPO den Antrag erneut abgelehnt und das Patent wird dementsprechend erstmal nicht durchgesetzt. Gegen diese Entscheidung könnte Nintendo innerhalb von drei Monaten Frist Einspruch einlegen – oder einen alternativen Antrag einreichen.

Warum wurde das Patent abgelehnt?

Wie aus JPO-Dokumenten hervorgeht, die Games Fray veröffentlicht hat, fehlt dem Amt die nötige Innovationskraft, die Nintendo mit den beschriebenen Features geleistet haben müsste.

Der Antrag umfasst Mechaniken wie eine 3D-Spielwelt,Touchscreen Movement, das Erobern von Items, beschworene Kampf-Kreaturen, das Auswählen von Befehlen und das Fangen von Figuren inner- und außerhalb von Kämpfen.

Das Gutachten stellt fest, dass die genannten Features keine ausreichenden Innovationen von Nintendo darstellen, da sie teilweise in bereits vielen Jahre alten Spielen genutzt werden und öffentlich zugänglich sind.

In der Begründung werden unter anderem Titel wie ARK Mobile, PUBG Mobile und sogar Pokémon X und Y als Beispiele aufgeführt. Alle erschienen lange vor dem Stichtag des Patentantrags im Dezember 2021.

Besonders brisant ist allerdings der Bezug auf ein YouTube-Video mit dem Titel “Pokémon Generations - 3D Indie Pokemon Gameplay” auf dem Kanal JolteonPlays. Der 13 Jahre alte Clip zeigt ein kleines Fan-Projekt, das ein dreidimensionales (unfertiges) Pokémon-Spiel darstellt und damit ebenfalls schon Features bot, die Nintendo nun für sich beanspruchen will.

Hier könnt ihr euch den originalen Upload anschauen:

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Nintendo legte gegen diese Begründung Einspruch ein, da es sich ihrer Meinung nach um eine Copyright-Verletzung handele. Allerdings fand diese Argumentation kein Gehör. 

Die Behörde ist der Ansicht, dass eine Copyright-Verletzung in diesem Fall nichts daran ändert, dass es die beschriebenen Mechaniken des Patent-Antrags schon lange in verschiedenen Ausprägungen gibt. Nintendo darf sie daher nicht für sich beanspruchen (via Dexerto).

Was heißt das jetzt?

Erstmal ist diese Entscheidung ein weiterer Rückschlag für Nintendo. Auch im größeren Gerichtsverfahren gegen Pocketpair gibt es laut der Einschätzung von Games Fray kaum noch Aussichten auf nennenswerte Erfolge für den japanischen Konzern.

Für Palworld und andere Pokémon-Alternativen lässt sich das als gute Nachricht lesen. Weniger juristische Drohgebärden bedeuten auch mehr kreative Freiheit bei der Entwicklung von eigenen Creature Collector-Spielen.

Wenig überraschend feiern deshalb viele Fans die aktuelle Entwicklung. Unter dem oben verlinkten YouTube-Video lauten die aktuellen Top-Kommentare etwa "Gereift wie guter Wein" oder Leute können kaum glauben, dass der Clip nun im Stil eines "Butterfly-Effects" so große Auswirkungen auf Nintendos Handeln hat.

Allerdings steht auch die Befürchtung im Raum, dass Nintendos Anwälte zukünftig noch härter gegen Fan-Projekte wie Pokémon Generations vorgehen könnten, damit sich solche bürokratischen Begründungen zu Ungunsten des Konzerns nicht wiederholen.


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