3500 PS5-Konsolen weggeschnappt, doch die Scalper "bereuen nichts"

Auf eine Gruppe Scalper, die tausende PS5-Konsolen teuer wiederverkaufen, prasselte jede Menge Kritik ein. Doch dort ist man sich keiner Schuld bewusst - ganz im Gegenteil.

von Hannes Rossow,
26.11.2020 12:01 Uhr

Scalper wollen mit der PS5-Nachfrage schnelles Geld machen. Scalper wollen mit der PS5-Nachfrage schnelles Geld machen.

Viele Fans, die sich das ganze Jahr darauf gefreut haben, zu Weihnachten mit der PS5 im Arm unter dem Baum zu sitzen, gucken aktuell in die Röhre. Aufgrund von Vorbestellerchaos, Komplikationen durch die Coronavirus-Pandemie und allgemeiner Verfügbarkeit der Konsole, gibt es aktuell nur wenig Hoffnung, 2020 noch an eine PlayStation 5 zu kommen.

Scalper nutzen PS5-Knappheit aus & sind sich keiner Schuld bewusst

Einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu haben sogenannte Scalper geleistet. Personen, die sich heiß erwartete Produkte im großen Stil (und oft mit der Hilfe von Kauf-Bots) sichern, um sie dann zu überteuerten Preisen zu verkaufen - alles für den Profit. Stolze 3500 PS5-Konsolen hat allein eine einzige Scalper-Gruppe aus Großbritannien vom Markt stibitzt.

Scalper rechtfertigen sich: Nachdem die Masche bekannt wurde und Bilder der PS5-Stapel auftauchten, war der Shitstorm groß. Kunden, die keine Konsole abgekommen haben, sind frustriert und wütend, dass hier mit solchen Methoden vorgegangen wird. Doch die Scalper selbst sind sich keiner Schuld bewusst - ganz im Gegenteil sogar.

In einem Facebook-Beitrag stellen sich die Köpfe hinter "CrepChiefNotify" den Anschuldigungen und wollen sich die Kritik nicht gefallen lassen:

"Viele unserer Mitglieder wurden beurlaubt, wurden obsolet, oder hatten andere Formen von Nachteilen durch die Pandemie. Diese Menschen konnten ihre Rechnungen bezahlen, Essen auf den Tisch bringen und Weihnachtsgeschenke für ihre Kinder besorgen. Es mag unglücklich sein, dass ein Kind zu Weihnachten ohne eine PS5 aufwacht, aber ein anderes Kind wäre mit gar nichts aufgewacht. Wir bereuen nichts."

Laut dieser Selbstwahrnehmung war es am Ende also eigentlich eine gute Sache, all diese Konsolen wegzuschnappen und daraus Profit zu machen. Weil Menschen damit geholfen wird.

Reaktionen auf die Rechtfertigung sind eindeutig

"Ihr bereut nichts, huh? Ok, wir helfen euch dabei."

"Zu lesen, wie ihr eure Gründe noch als uneigennützig beschreibt, ist absolut peinlich."

"Mit dieser Aussage könnte jedes Verbrechen legalisiert werden. 'Tut mir leid, dass ich dein Auto gestohlen habe, meine Kinder brauchen Weihnachtsgeschenke.' Noch nie so einen Bullshit gehört."

In dem Facebook-Statement versuchen sich die Scalper übrigens auch aus dem selbstgemachten Vorwurf herauszuwieseln, dass sie sich auf Bots verlassen haben. Das sei nämlich gar nicht der Fall gewesen und alles sei händisch und mit viel Vorbereitung passiert.

Widersprüchliche Aussagen: In einem Business Insider-Report kam ein Manager der CrepChiefNotify-Gruppe zu Wort, der von seinem "12-köpfigen Team" spricht, das sich allein am Release-Tag mit Bot-Unterstützung über 2400 PS5-Konsolen sicherte. Und das soll jetzt alles manuell passiert sein.

Parallel dazu wirbt die Gruppe neue Mitglieder an und redet ganz offen darüber, dass das Geschäftsmodell daraus besteht, Ware zu überhöhten Preisen weiterzuverkaufen, um "leichtes Geld" zu verdienen. Neben dem bisherigen Geschäft mit Sneakern scheint nun auch Gaming-Hardware zu den Angeboten zu gehören.

Lohnt sich diese Masche? Aktuell läuft auf GamePro.de eine Umfrage, in der wir von euch wissen wollen, ob ihr bereit wärt, mehr als den Ladenpreis für eine Konsole zu bezahlen. Macht gern mit und stimmt ab:

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Erst gestern betonte Sony noch einmal, dass der Launch der PS5 überaus erfolgreich war. Und im Zuge dessen sollen auch bis Ende des Jahres weitere Kontingente an Händler rausgeschickt werden. Eine kleine Hoffnung gibt es also noch, kurz vor Weihnachten an eine PS5 zu kommen - aber auch hier werden die Scalper sicher wieder ihre Fühler ausstrecken.

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