Sony äußert sich erstmals zu Shitstorm nach Disc-Aus - und lässt sich ein Hintertürchen offen

Vor fast einem Monat kündigte Sony an, ab 2028 keine Spiele-Discs mehr zu produzieren. Seitdem herrschte Funkstille, aber die bricht das Unternehmen jetzt.

Mit Discs soll bald Schluss sein und daran hält Sony wohl auch fest. (Bildquelle: Chris Werian Sony) Mit Discs soll bald Schluss sein und daran hält Sony wohl auch fest. (Bildquelle: Chris Werian / Sony)

Seitdem Sony am 1. Juli die Bombe platzen ließ und das Aus für PlayStation-Spiele auf Disc für den 1. Januar 2028 ankündigte, kommen die Kanäle des Konsolenbauers nicht mehr zur Ruhe. Egal, ob Kommentare unter PlayStation-Trailern oder Beiträge unter Posts auf X, Instagram und Co. – die Fans physischer PlayStation-Datenträger machen sich öffentlichkeitswirksam Luft. Von Sony fehlte bislang jede Reaktion. Jetzt hat das Unternehmen aber gesprochen.

Das sagt Sony nach dem Shitstorm

Dass das Disc-Aus zu einem Reizthema werden würde, dürfte Sony von vornherein klar gewesen sein. Finanzchefin Lin Tao sagte während der Präsentation des aktuellen Finanzberichts zum ersten Quartal 2026 Folgendes dazu:

„Wir haben viele unterschiedliche Meinungen erhalten und die Leute haben starke Ansichten. Und wir verstehen, dass die Community uns diese mitteilen möchte. Videospiele werden von vielen Menschen geliebt. Es ist eine geliebte Form des Entertainments und viele Menschen verbinden gute Erinnerungen damit.”

via IGN

An seinen Plänen möchte Sony aber offenbar nicht rütteln. Man habe früh genug darüber informiert und werde bis zum 1. Januar 2028 noch Discs produzieren. Es gäbe vielerlei Gründe für die Entscheidung, wobei allen voran die Digitalisierung der Spieleindustrie eine große Rolle spielt.

Diese schreite immer weiter voran, laut Sony werden "nur" noch 18 Prozent aller Spiele auf physischen Datenträgern gekauft (via Insider Gaming).

Video starten 1:28 "Die Disc wird fantastisch aussehen" - Sony zeigt einen neuen Trailer zu Wolverine, doch in den Kommentaren geht es um etwas ganz anderes

Wohlgemerkt sind 18 Prozent immer noch eine große Menge an Spielen, zumal die Zahl im Vergleich zum Vorjahr im Grunde stagniert und künftig sogar ansteigen könnte, da das Bewusstsein der Spieler*innenschaft, welchen Gegenwert sie durch rein digitale Lizenzen verlieren, im Zuge des Disc-Aus vermutlich geschärft wurde.

Deutet Sony eine weitere Verkaufsform an?

Tao sagt, dass sie die Emotionen der Spieler*innen nachvollziehen kann, und deutet an, dass an alternativen Distributionsformen gewerkelt wird:

„Wir verstehen diese Gefühle. Und wir ziehen sie in unsere Überlegungen ein. Und mit einem digitalen Ökosystem in der Zukunft ist die Art und Weise, wie Spieler*innen mit uns interagieren, etwas, das wir weiter entdecken wollen.”

Ihre Worte könnten darauf hinweisen, dass Sony sich neue Verkaufsformen überlegen möchte. Ähnliches wurde auch schon in einem vorangegangenen Finanzbericht im Zuge der Speicherpreiskrise angedeutet. Wie diese Verkaufsformen aussehen könnte, wurde bislang aber noch nicht klar benannt.

Tao geht im Laufe des Berichts lediglich darauf ein, dass man bereits mit externen Handelspartnern gesprochen habe und Spiele weiterhin in Läden und Online-Shops anbieten möchte. Beispielsweise in Form von Download-Codes in einer Plastik-Box (via Play3). Wieso man diese kaufen sollte? Auch darüber wird nicht aufgeklärt, denn viele der Vorteile eines physischen Kaufs gehen durch solche Download-Codes komplett verloren.

Einzig Preisreduktionen könnten durch den Wettbewerb zwischen den Händlern weiter erhalten bleiben. Zudem würde sich Sony vor Kartellrechtsklagen absichern, da die Spiele weiterhin unabhängig gehandelt werden könnten. Apple musste aufgrund seiner Monopolstellung des App Stores beispielsweise Alternativen in der EU zulassen.

Für diejenigen unter euch, die ihren Unmut über das Disc-Aus online kundtun, dürften die Aussagen der Sony-Führungsriege jedoch ziemlich enttäuschend sein. Zumal sich der PlayStation-Hersteller nach der polarisierenden Ankündigung nicht zuerst an die Fans wandte, sondern sich bisher nur geladenen Investoren, Analysten und Journalisten erklärte.

Dass sämtliche Teile der PlayStation-Community den Disc-Umschwung in nächster Zeit akzeptieren werden, erscheint auch deshalb unwahrscheinlich zu sein. Etliche Fans haben sogar einen PSN-Boykott vom 23. bis 30 August ausgerufen und es wurden bereits mehrere Petitionen mit hunderttausenden Unterschriften gestartet.

Was sagt ihr zu Sonys erster Reaktion auf die Community-Stimmen nach dem Disc-Aus?


Kommentare(1)
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