Star Wars: Projekt Ragtag - Nicht wegen Singleplayer-Fokus eingestellt, Visceral Games hatte viele Probleme

Das Ende von Visceral Games und dem mysteriösen Star Wars-Spiel Projekt Ragtag hat die Debatte um die Wichtigkeit Singleplayer-Spiele entfacht. Dabei hatte die Einstellung des Projekts ganz andere Gründe.

von Hannes Rossow,
28.10.2017 11:00 Uhr

Star Wars: Projekt Ragtag wird es leider niemals geben. Star Wars: Projekt Ragtag wird es leider niemals geben.

Als die Meldung von der Schließung von Visceral Games durch das Netz huschte und klar wurde, dass das Star Wars-Spiel, an dem das Studio schon seit Jahren gearbeitet hatte, mehr oder weniger über Bord geworfen wurde, war die Entrüstung groß. Ein offizielles Statement von EA ließ es nämlich so klingen, als wäre Projekt Ragtag, das unter der Leitung von Uncharted-Legende Amy Hennig entstand, nur deswegen eingestellt worden, weil es einen Singleplayer-Fokus hatte und der Publisher keine großen Umsätze kommen sah.

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In einem umfangreichen und detaillierten Artikel berichtet Kotaku-Reporter Jason Schreier nun allerdings, dass Einzelspieler-Ausrichtung von Ragtag noch das geringste Problem des Projekts war. Offenbar lag viel mehr im Argen, als der Öffentlichkeit bewusst war. Schreier, der für seine Insider-Berichte bekannt ist, hat mit rund einem Dutzend an ehemaligen Visceral Games-Mitarbeitern geredet und zeichnet in seinem Artikel das Bild von einem Spiel, das viel zu groß und ambitioniert wurde, während es gleichzeitig von technischen Problemen torpediert wurde.

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So habe EA zwar immer wieder Druck ausgeübt und einen optionalen Multiplayer gefordert oder den direkten Vergleich mit Uncharted 4: A Thief's End gesucht, doch auch intern wollte Visceral Games mehr erreichen, als sie eigentlich konnten. Das Team war von Anfang an unterbesetzt und mit Projekten wie Battlefield Hardline und den dazugehörigen DLCs beschäftigt. Aufgrund des teuren Lebensstandards in San Francisco war es dem Studio auch nicht erlaubt, das nötige Personal einzustellen.

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Zugleich war die Moral des Teams nicht sonderlich hoch, da zunächst Dead Space 3 hinter den finanziellen Erwartungen zurück blieb und kaum jemand Lust hatte, an einem First Person-Shooter wie Battlefield: Hardline zu arbeiten. Die dem Team unbekannte Frostbite Engine, die Visceral Games nutzen sollte, war zudem nicht für Third Person-Action-Adventures ausgelegt. Viele wichtige Funktionen, die bei anderen Projekten schon selbstverständlich gegeben waren, mussten bei Projekt Ragtag erst erarbeitet werden.

Nachdem Amy Hennig ihren Hut bei Naughty Dog nahm und zum Star Wars-Projekt stieß, wurde schnell klar, dass der neue Game Director und das Visceral Games-Team nicht zusammenpassen. Die Kommunikation wurde immer schwieriger und das Spiel kam so gut wie nicht voran. Immer wieder verließen wichtige Mitarbeiter das Studio und EA sorgte sich bis zuletzt darum, dass Projekt Ragtag am Ende nur wie ein Uncharted-Klon in Star Wars-Kluft wirken würde.

Schreier zitiert am Ende seines (sehr lesenswerten) Artikels einen ehemaligen Mitarbeiter, der die Einstellung des Projekts als "Gnadenstoß" bezeichnet. Das Team habe schon lange gewusst, dass sie auf verlorenen Posten stehen und der Singleplayer-Aspekt habe so gut nichts mit der Entscheidung zu tun gehabt, Projekt Ragtime zu beerdigen. Momentan wird das Spiel komplett umgestellt und liegt nun in den Händen von EA Vancouver. Hoffentlich hat das Team dort mehr Glück.

Seid ihr traurig, dass aus dem Spiel nichts geworden ist?

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