In The Longing für Switch müsst ihr 400 Tage warten - in Echtzeit!

Für die Nintendo Switch ist mit The Longing ein Spiel erschienen, das mit einem ganz besonderen Spielkonzept daherkommt. Es dauert nämlich stolze 400 Echtzeit-Tage!

von Dennis Michel,
28.04.2021 10:00 Uhr

The Longing ist das wohl längste Spiel für die Switch. Hier erfahrt ihr, was hinter dem ungewöhnlichen Adventure steckt. The Longing ist das wohl längste Spiel für die Switch. Hier erfahrt ihr, was hinter dem ungewöhnlichen Adventure steckt.

Genre: Adventure Entwickler: Studio Seufz Publisher: Application Systems Heidelberg Plattform: Switch, PC Release: 14. April (Switch)

Während unserer FYNG-Wochen wollen wir euch Spiele vorstellen, die ihr vielleicht noch nicht so richtig auf dem Schirm hattet. Spiele, die etwas Besonderes sind und mit Ideen daherkommen, die ihr in großen Blockbustern eher nicht vorfindet. Während des Deutschen Computerspielpreis 2020 sind wir daher auf das Abenteuerspiel The Longing vom Heidelberger Entwickler Studio Seufz aufmerksam geworden, das mit einer sehr interessanten Idee den Nachwuchspreis einheimsen konnte.

Der Clou am Adventure: es dauert stolze 400 Tage - in Echtzeit! Wollt ihr eines der Enden erreichen, braucht ihr einen langen Atem. Doch keine Sorge, die Zeit verrinnt auch mit ausgeschalteter Switch oder PC und zu entdecken gibt es ebenfalls allerhand.

Was macht The Longing so besonders?

"Tief, tief unter der Erde, liegt das Reich eines alten Königs". Was wie der Beginn eines fantastischen Märchens klingt, ist der Auftakt einer melancholischen, düsteren aber auch überaus humorvollen Geschichte, die wir aus der Perspektive eines kleinen Schattenwesens erleben.

"Der Schatten" wie er vom alten König genannt wird, bekommt während der 400 Tage eine recht ungewöhnliche Aufgabe. So soll er nämlich während des langen Schlafs seines Herrschers schlicht den Palast nicht verlassen und den Schläfrigen nach Ablauf der Zeit wieder wecken. Das wars. Kein "Rette die Welt", kein "Finde den Stein der Weisen", nur "warten und wecken" lautet die Mission.

400 Tage lang will der alte König schlafen, erst dann sollen wir ihn wieder wecken. 400 Tage lang will der alte König schlafen, erst dann sollen wir ihn wieder wecken.

Was wir fortan in The Longing erleben, ist der Gegenentwurf zu all dem, was viele moderne Spiele heutzutage ausmacht. Hier geschieht alles im Schneckentempo und befreit von jeglicher Hektik. So schlurfen wir zunächst ziellos durch die verwinkelten Gänge des Höhlensystems, malen in unserem heimeligen Quartier ein Bild oder lesen mit "Moby Dick" einen Klassiker der Weltliteratur. Alles in Echtzeit versteht sich und ja, den Roman mit Kapitän Ahab und dem weißen Pottwal können wir tatsächlich im Spiel schmökern.

Tamagotchi-Erinnerungen: Geben wir unserem kleinen Diener also den Lesebefehl, dann wälzt er für die kommenden Stunden das über 1000 Seiten starke Buch von vorne bis hinten durch. Das mag zwar ungewohnt klingen, erinnert aber vom Ansatz her stark an die Tamagotchi-Ära. Zwar fällt das Füttern weg, jedoch entsteht mit der Zeit eine Bindung zum kleinen Schatten mit den großen Kulleraugen und uns interessiert immer mehr, wie es ihm denn im düsteren Höhlensystem ergeht.

Mal eben in einem Videospiel Moby Dick lesen, warum auch nicht? Mal eben in einem Videospiel Moby Dick lesen, warum auch nicht?

In der Ruhe liegt das Geheimnis: Uns ging es so, dass wir natürlich nicht 400 Tage lang im Zimmer ausharren wollten - was übrigens durchaus geht. Wir wollten herausfinden, was sich im verschachtelten Höhlensystem verbirgt, ob es vielleicht sogar einen Weg hinaus gibt, was passiert, wenn wir gegen den Willen des Königs verstoßen. Wer ist der König überhaupt, warum sind wir hier ganz allein und wer sind wir eigentlich?

Doch mal eben aus den Gängen zu stiefeln, das geht natürlich nicht, nicht ohne ganz viel Ruhe und Geduld. Stoßen wir während der Erkundung beispielsweise auf einen tiefen Graben, in den langsam von oben Wasser hineintropft, dann hilft nichts außer warten. Ist das Loch einige Tage später gefüllt, geht's weiter.

Wie all das übrigens ausschaut und welche Stimmung das Spiel vermittelt, davon bekommt ihr im Trailer einen sehr guten Eindruck:

The Longing-Trailer zeigt euch das außergewöhnliche Adventure. 1:40 The Longing-Trailer zeigt euch das außergewöhnliche Adventure.

Das Gemächliche und Langsame nimmt das Spiel übrigens immer wieder humorvoll auf die Schippe. Wenn wir beispielsweise beim ersten Spielen panisch den Sprintbutton suchen und mehrere Knöpfe hintereinander drücken - unser Schatten wird beim 100m Lauf gefühlt von einem Faultier überholt - kommentiert der Diener es mit einem ruhigen "Es gibt keinen Grund zur Eile, ich habe genügend Zeit zum Laufen". Dem ist nichts hinzuzufügen.

Für wen ist The Longing interessant?

The Longing ist für diejenigen unter euch, die abseits jeglicher Action ein wenig Ruhe und Entspannung benötigen, für die die Uhren ein wenig langsamer ticken sollen, Entschleunigung suchen.

Zwar ist all das beim ersten Spielen äußerst gewöhnungsbedürftig, mit der Zeit lernt man dieses Experiment aber immer mehr zu schätzen und fühlt sich in dem dunklen Höhlensystem ein klein wenig zu Hause. Der kleine Schatten wird mehr zu einem virtuellen Freund, den man ab und an besucht, sich fragt, wie es ihm gerade ergeht.

Weitere Bilder aus dem Spiel:

Malen Um unseren kleinen Raum zu verschönern, malen wir mit gesammelter Farbe ein Bild - in Echtzeit.

Höhlen Was verbirgt sich tiefer im Höhlensystem, warum finden wir es nicht einfach heraus?

Geheimnis Immer wieder stoßen wir auf Geheimnisse, die wir Stück für Stück aufdecken und so mehr über die Welt erfahren.

GamePro-Einschätzung

Dennis Michel
@DemiG0rgon

The Longing ist eines der außergewöhnlichsten Spiele, die ich je gespielt habe und der komplette Gegenentwurf zu dem, wie Spiele im Normalfall funktionieren. Hier wird jegliche Action getilgt und durch sorgenfreien Müßiggang ersetzt. Allerdings nicht in Form einer kunterbunten Sim wie Animal Crossing, sondern in einer mystisch, melancholischen Fiktion, die uns in ein unterirdisches Höhlensystem entführt.

Zwar erscheint all das beim ersten Spielen noch äußerst fremd, lässt man sich jedoch auf das Experiment ein, erhält man ein Videospielerlebnis der besonderen Sorte, das mich ein stückweit an fast vergessene Tamagotchi-Zeiten erinnert hat, nur mit einem schlurfenden Schattenmännchen zum Freund. Was verbirgt sich in den Tiefen des Königreichs, was hat es mit dem König auf sich und warum wurde ausgerechnet ich als Diener ausgewählt, um über all das zu wachen? Vielleicht verrät ja der König in 400 Tagen die Antwort oder ich finde es einfach selbst heraus.

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