Gore Verbinski hat als Regisseur schon etliche Filme mit beeindruckenden Spezial-Effekten abgedreht – allen voran die ersten drei Ableger der Fluch der Karibik-Reihe. Seine Meinung in Bezug auf Visual Effects hat in Filmkreisen also Gewicht. Dass CGI heutzutage schlechter als noch vor einigen Jahren aussieht, hat laut ihm unter anderem diesen Grund: die Unreal Engine 5.
Wachsender Unreal Engine-Anteil macht Filme "uncanny"
In einem Interview zu seinem neuen, KI-kritischen Film Good Luck, Have Fun, Don't Die wurde Gore Verbinski auf den Zustand von heutigen CGI-Effekten angesprochen, da diese in den Augen vieler Zuschauer*innen immer schlechter aussehen würden.
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Good Luck, Have Fun, Don't Die: Der Regisseur von Fluch der Karibik ist nach 9 Jahren mit einem chaotischen Sci-Fi-Abenteuer zurück
Er sieht dabei vor allem die Unreal Engine als Auslöser für die schlechteren Spezial-Effekte:
Ich glaube, die einfachste Antwort ist, dass die Unreal Engine die VFX-Landschaft betreten hat. Ursprünglich gab es eine Trennung – die Unreal Engine war sehr gut für Videospiele, aber dann dachten sich die Leute, dass sie die Unreal Engine auch für Spezialeffekte nutzen könnten. Daher haben wir jetzt diese Videospielästhetik in der Kinowelt.
Er ist der Ansicht, dass die Unreal Engine 5 im Vergleich zu etablierten Rendering-Tools wie AutoDesk Maya nicht gut mit Lichteinwirkungen umgehen könne. Licht verteile sich nicht glaubwürdig auf und unter der Haut, weshalb vor allem bei animierten Monstern ein unschöner Uncanny Valley-Effekt entsteht.
Was bedeutet Uncanny Valley?
Das "Uncanny Valley" ist der Bereich von realitätsnahen CGI-Figuren, die auf Menschen abstoßend wirken. Wir neigen eher dazu, abstrakte Darstellungen oder echte Menschen zu akzeptieren als den Schritt kurz davor, bei dem die Figuren zwar sehr realistisch gerendert wurden, aber eben doch als nicht real erkennbar sind.
Die Engine sei darüber hinaus vor allem auf Geschwindigkeit statt handgemachte Effekte getrimmt, weshalb die Qualität bei der Beleuchtung leidet. Das würde das Publikum in Bewegung dann auch ganz deutlich sehen.
Experte von Epic Games widerspricht dem Regisseur
Der bei Epic Games angestellte VFX-Künstler Pat Tubach widerspricht Verbinski deutlich (via VideoGamesChronicle):
Ich kann garantieren, dass die Künstler, die an großen Blockbuster-Produktionen wie Fluch der Karibik vor zehn bis fünfzehn Jahren mitgewirkt haben, von solch mächtigen Werkzeugen wie der Unreal Engine nur träumen konnten. Und ich sollte es wissen – ich war einer von ihnen.
Tubach ist ein Special Effects-Veteran mit fast 30 Jahren Erfahrung im Filmgeschäft. Als Teil von Industrial Light & Magic wurde er mehrfach für den Oscar nominiert, unter anderem für seine Arbeiten an Star Trek Into Darkness, Solo: A Star Wars Story und Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers.
Er glaubt nicht, dass ein Tool allein für die "fälschliche Wahrnehmung" verantwortlich werden könne. Es sei aber wahr, dass mehr Computer-Grafik denn je eingesetzt wird, als Konsequenz nehme aber auch die Menge an schlechten Ergebnissen zu.
Wieso sieht CGI für uns CGI heutzutage schlechter aus?
Abseits von VFX-technisch beeindruckenden Großproduktionen wie Top Gun: Maverick, Furiosa: A Mad Max und Dune ist es vor allem die Finanzierung von Filmen, die CGI in den Möglichkeiten einschränkt. Filme werden in der Regel immer schneller und günstiger produziert, worunter auch die Qualität von Spezialeffekten leidet.
Zudem wird immer häufiger im Studio gedreht, weshalb die Beleuchtung nicht natürlich wirkt. Verbinski konnte bei Fluch der Karibik 2 beispielsweise noch mit Bill Nighy als Davie Jones auf einem echten Schiffs-Set arbeiten. Daher standen den VFX-Künstlern dann auch Referenzwerte für die perfekte Beleuchtung seiner Tentakel zur Verfügung.
Viele der fantastischen Marvel- und Star Wars-Welten entstehen hingegen zu weiten Teilen komplett vor einem Bluescreen in einem künstlich beleuchteten Studio. Auch wagen sich die Filme immer häufiger an komplette CGI-Figuren in echten Sets, mal mit besseren, mal mit schlechteren Resultaten.
Zudem darf nicht vergessen werden, dass CGI in 4K oder auf Blu-ray noch einmal ganz anders wirkt als im Kino oder einer DVD. Bei entsprechend hoher Auflösung können sogar "zeitlose" CGI-Effekte wie in Jurassic Park oder Der Herr der Ringe in einigen Szenen ganz schön veraltet wirken.
Wie seht ihr das? Seid ihr auch der Meinung, dass CGI immer schlechter aussieht? Oder zählen für euch vor allem die positiven Ergebnisse?
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